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Fussball

Porto verdient sich das Remis bei ManUtd

Von Stefan Rommel
Rodriguez (l.) brachte den FC Porto in Manchester mit 1:0 in Führung
© Getty

Manchester United hat auf dem Weg zur Titelverteidigung der Champions League einen ernsthaften Rückschlag hinnehmen müssen. Im Viertelfinal-Hinspiel kamen die Red Devils gegen den portugiesischen Meister FC Porto nur zu einem 2:2 (1:1) und müssen im Rückspiel in einer Woche in Porto um den Einzug ins Halbfinale zittern.

Vor 69.000 Zuschauern im Old Trafford waren die Gäste aus Portugal vor allem in der ersten Halbzeit das eindeutig bessere Team und kamen durch Cristian Rodriguez zur frühen Führung (4.).

Nur elf Minuten später besorgte Wayne Rooney nach einem Katastrophen-Rückpass von Portos Verteidiger Bruno Alves den Ausgleich.

Fünf Minuten vor dem Ende traf Carlos Tevez zum vermeintlichen Siegtreffer, aber der ebenfalls eingewechselte Mariano Gonzalez egalisierte die Partie nur vier Minuten später.

Damit benötigen die Red Devils im Rückspiel in Porto entweder einen Sieg oder ein Remis mit mindestens drei eigenen Toren für den Einzug ins Semifinale.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Ferdinand schafft es wegen seiner Rückenprobleme nicht in den Kader, für ihn wird Evans im Zentrum verteidigen. Scholes beginnt, Giggs sitzt zunächst nur draußen. Ansonsten keine Überraschungen bei den Red Devils. Die Gäste aus Porto in Bestbesetzung.

3.: Erste gute Chance - und zwar für Porto. Lisandro gibt aus knapp 20 Metern von halb rechts einen Warnschuss ab. Aber gehalten!

4., 0:1, Rodriguez: Fehlpass Ronaldo in der Vorwärtsbewegung. Die Flanke von Lucho blockt Evans nur halbherzig ab und so landet der Ball an der Strafraumgrenze bei Rodriguez. Der umkurvt Evans, zielt und trifft aus 14 Metern genau ins linke Eck.

15., 1:1, Rooney: Der nächste dicke Abwehrfehler - diesmal auf der anderen Seite. Bruno Alves will zu seinem Torhüter zurückspielen, ohne sich umzuschauen. In seinem Rücken lauert Rooney und so rollt der Ball direkt in die Füße des ManUtd-Stürmers. Rooney steht allein vor Helton, wackelt den aus und netzt problemlos ein.

18.: Rodriguez köpft nach einer Lucho-Flanke von rechts aus sechs Metern genau in die Arme von van der Sar.

29.: Rodriguez kommt in der Mitte zum Kopfball, weil die United-Defensive erneut schlecht steht. Der Ball kommt aufs Tor, aber wieder ist van der Sar da.

51.: Park zieht aus gut 20 Metern von halblinks per Dropkick ab. Aber das Ding fliegt genau in Heltons Arme.

60.: Giggs schlägt eine Ecke direkt auf Fletchers Kopf, der nur ganz knapp am starken Reflex von Helton scheitert.

67.: Porto kontert, Lisandro kommt an der Strafraumgrenze zentral zum Abschluss und Vidic fälscht den Ball sogar noch gefährlich ab. Aber van der Sar pariert glänzend - der hätte sonst genau ins Eck gepasst!

85., 2:1, Tevez: Einwurf von rechts. Rooney verlängert per Hacke und Tevez rutscht vier Meter vor dem Tor in den Ball. Hoch oben zappelt das Ding im Netz.

89., 2:2, Mariano: Flanke von rechts. Über Umwege kommt der Ball zum eingewechselten Mariano. Der ist völlig frei, stoppt den Ball mit der Brust und lupft ihn dann über van der Sar ins Netz.

So lief das Spiel: Verkehrte Welt im Old Trafford: Porto, das viele als humorloses Abwehrbollwerk erwartet hatten, spielte rotzfrech nach vorne und hatte das Spiel in der ersten Halbzeit selbstbewusst und mutig im Griff. Die wichtigen Zweikämpfe gingen fast komplett an Porto, auch die zweiten Bälle landeten in blauen Beinen.

Manchester bis zum Pausenpfiff völlig neben der Spur, mit teilweise katastrophalen Fehlern und ohne jeglichen Biss. Selbst Alves' Ultra-Blackout und Rooneys anschließendes Tor erweckte die Lebensgeister nicht. Porto blieb das bessere Team und spielte unbeeindruckt weiter nach vorne - nur nutzten die Gäste ihre Chancen nicht.

Erst kurz vor der Pause taute United ein wenig auf. Nach dem Wechsel kamen die Gastgeber konzentrierter aus der Kabine, etwas giftiger und zwingender wurden die Aktionen aber Mitte der zweiten 45 Minuten. Porto zog sich weiter zurück, attackierte nicht mehr tief in der gegnerischen Hälfte und überließ Manchester weitgehend die Initiative.

Lange schleppte sich die Partie dem Ende entgegen, ehe sie in den letzten Minuten noch ein echtes Feuerwerk abbrannte.

Der Star des Spiels: Der unglaubliche Hulk lieferte in Manchester eine tolle Partie ab. Der Brasilianer beschäftigte mit seinen Dribblings immer gleich zwei Gegenspieler und riss viele große Lücken in die eh schon löchrige United-Abwehr. Manchmal übertrieb es der Stürmer mit seinen Spielereien. Eine davon hätte aber in der 76. Minute zu einem Elfmeter führen müssen, als ihn Tevez an der Torauslinie von den Beinen holte.

Die Gurke des Spiels: Bruno Alves spielte an sich eine sehr vernünftige Partie. Wären da nicht zwei völlig unerklärliche Aussetzer gewesen. Das Rückspiel vor dem 1:1 direkt in die Füße von Rooney passt in jeden Jahresrückblick und hätte das Spiel auch leicht kippen können. Ebenso wie das unmotivierte Handspiel 17 Meter vor dem Tor, das ManUtd eine sehr gute Freistoßchance ermöglichte - wenigstens wurde die nicht auch noch bitterböse bestraft.

Die Lehren des Spiels: Manchester hatte offenbar ein klassisches Kopfproblem und wurde von den aggressiven Portugiesen böse überrascht. Der Favorit ging die Sache viel zu lasch an. Stellvertretend sei hier Cristiano Ronaldo genannt, der bis auf zwei Torschüsse und für seine Verhältnisse lächerliche 48 Ballkontakte überhaupt nicht zu sehen war. Beim Fehlpass vor dem 0:1 entschied sich der Portugiese lieber für eine Ehrenrunde, anstatt gleich wieder nachzusetzen.

ManUtd hat auf dem Papier immer noch die beste Defensive Europas. Die muss in den paar Wochen zwischen Achtel- und Viertelfinale aber zu großen Teilen verloren gegangen sein. Die Red Devils hatten in Abwehr und Mittelfeld enorme Lücken, selbst fünf Meter vor dem eigenen Tor klappten Übergaben bzw. Zuordnung nicht. Lediglich der fahrlässigen Chancenverwertung der Gäste war der schmeichelhafte Spielausgang zu verdanken.

Manchester hat zwar die vermeintlich leichtere Auslosung erwischt und muss auf dem Weg ins mögliche Finale nicht gegen Chelsea, Liverpool, Barca oder die Bayern ran. Aber selbst die erste Hürde Porto könnte sich zum überraschenden Stolperstein entpuppen.

Die Portugiesen zeigten eine beherzte Vorstellung und setzten ManUtd mit deren eigenem 4-3-2-1-System zu. In der Form und auf Grund des Hinspielergebnisses sind sie im Rückspiel sogar leichter Favorit.

ManUtd - Porto: Daten und Fakten

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