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Fussball

Der Bremer Jo-Jo-Effekt

Von Für SPOX in Bremen: Stefan Rommel
Torsten Frings bejubelt Bremens ersten CL-Sieg in dieser Saison
© Getty

Nach dem Einzug in den UEFA-Cup durch das 2:1 gegen Inter Mailand am letzten Spieltag der Champions-League-Gruppenphase herrscht bei Werder Bremen wieder Euphorie. Allerdings mischt sich darunter auch eine neue Diskussion: Es geht um Spielmacher Diego.

Ein wenig tragische Komik hatte die Szene allemal. Klaus Allofs schmunzelte zufrieden in die Kamera und hörte gar nicht mehr auf, den UEFA-Cup als erbauliche Ersatzdroge auszuzeichnen, als aus dem Innenraum des Weserstadions noch einmal die Champions-League-Hymne dröhnte.

Die Leere abgewendet

Es war ein letzter Salut auf eine verkorkste Saison auf europäischem Topniveau, die gegen Inter Mailand wenigstens ein halbwegs versöhnliches Ende fand.

Bremen war ja quasi schon raus aus allen Wettbewerben, das 2:1 gegen den italienischen Meister und der gleichzeitige Sieg von Panathinaikos Athen gegen Bremens Widersacher Anorthosis Famagusta konservierten die schwächere Dosis europäischen Fußballs aber noch für die Zeit nach der Winterpause.

"Das wäre eine ziemliche Leere gewesen nächstes Jahr", sagte Allofs. "Die anderen spielen Mittwoch, Samstag, Donnerstag und du sitzt zu Hause auf dem Sofa. Das ist nicht so angenehm."

Flinke Ballstafetten

Dass es für die Bremer doch noch angenehm endete, lag zum einen am schwachen Gegner aus Italien, vorrangig aber an einem Werder Bremen, wie es in dieser Form in der Königsklasse lange nicht mehr gesehen wurde.

Prominente Ausfälle hatte Trainer Thomas Schaaf zu beklagen, allen voran Spielmacher Diego. Mesut Özil ersetzte den Brasilianer im zentralen offensiven Mittelfeld - und bereitete beide Treffer durch Claudio Pizarro und Markus Rosenberg vor.

Das Bremer Spiel war phasenweise wieder so schnell und zielgerichtet wie zu besten Zeiten, weil der Ball flink und nur mit einem Kontakt durchs Mittelfeld wanderte.

Ohne Diego besser?

Der allgegenwärtige Diego wurde als Ballschlepper in des Wortes schlechtester Bedeutung nicht vermisst und nicht wenige dachten insgeheim daran, wie denn eine Bremer Zukunft ohne Diego aussehen könnte.

"Wir sind alle froh, dass Diego bei uns ist, weil er dafür sorgt, dass wir außergewöhnliche Momente mit ihm erleben können. Er hat schon oft Spiele drehen können. Aber wir sind auch froh, dass es auch ohne ihn geht und es andere Spieler gibt, die auch gut spielen können", wollte sich Allofs an den Gedankenspielen nicht beteiligen.

Mehr noch als der zwangsweise Tausch Özil für Diego sah der Manager in der geeigneten Einstellung zu Spiel und Gegner den Schlüssel zum Erfolg. "Wir haben den Spielern vorher gesagt: ‚Wir wollen sehen, dass Ihr Euch zerreißt.' Die Spieler sollten vorangehen, alles versuchen und mutig sein. Das haben sie sehr gut umgesetzt."

Probleme mit der Motivation

Werder hat in dieser Saison gegen 1899 Hoffenheim, den FC Bayern und Hertha BSC mit jeweils fünf erzielten Toren gewonnen, dazu jetzt in der Champions League gegen einen der Titelfavoriten. Und trotzdem ereilte die Bremer das vorzeitige Aus in der Königsklasse und biederes Mittelmaß in der Liga.

Die Vermutung liegt auf der Hand, dass es innerhalb der Truppe erhebliche Probleme mit der Motivation geben muss.

"Es sieht wirklich so aus, als ob wir uns speziell gegen große Gegner beweisen und durchsetzen wollen", pflichtete Schaaf dem bei. "Aber wir müssen es in der Rückrunde hinbekommen, gegen jeden Gegner eine konstante Leistung abzurufen."

"Ich habe keine Probleme mit Diego"

Ähnlich sah es auch Torsten Frings, in Abwesenheit von Frank Baumann Kapitän gegen Inter. "Wir brauchen auch gegen Mannschaften, die weiter unten stehen, diese Einstellung. Wenn wir das jetzt nicht begriffen haben, dann weiß ich auch nicht..."

Auch der Nationalspieler wurde mit der Diego-Problematik konfrontiert, hielt sich aber aus allen Spekulationen um sein angeblich angespanntes Verhältnis zum Brasilianer raus.

"Mein Verhältnis zu Diego ist ganz gut. Vom Machtkampf habe ich nie was gehört. Wir haben keinen Machtkampf. Wir sind beide Spieler, die jede Begegnung gewinnen wollen und dafür alles tun. Wir brauchen Diego, um Erfolg zu haben. Ich habe keine Probleme mit Diego."

Pizarro träumt schon vom Titel

Nach alter Bremer Gewohnheit müsste nach dem Hoch gegen Inter am Wochenende gegen Wolfsburg wieder ein Rückschlag kommen, der Jojo-Effekt hat sich in dieser Saison an der Weser ja manifestiert.

"Da brauchen wir jene Zweikampfstärke, Laufbereitschaft und den Spielwitz wie gegen Inter", fordert Per Mertesacker. Der Abwehrchef war schon wieder voll auf die anstehende, letzte Aufgabe in diesem Jahr fokussiert.

Andere träumten keine Stunde nach dem Spiel schon wieder vom ganz großen Wurf. "Ich hoffe, jetzt kommen wir auch ins Finale. Ich glaube, wir haben auf jeden Fall eine Chance, den UEFA-Cup zu gewinnen", sagte Claudio Pizarro.

Was wie ein selbstbewusst formuliertes Ziel klingen sollte, könnte sich für so manchen wie eine Drohung angehört haben. Dafür haben sie in Bremen in dieser Saison einfach schon zu viel mitgemacht.

Die Abschlusstabelle der Gruppe B

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