Cookie-Einstellungen
Fussball

Als der 20-jährige Anderson mit dem ersten Ballkontakt im Champions-League-Finale 2008 die Nerven behielt

Von Chris Lugert
Anderson feiert mit Cristiano Ronaldo den Champions-League-Titel 2008.

Im Champions-League-Finale 2008 schlug die Stunde von Anderson. Der damals 20-Jährige bewies im Elfmeterschießen Nerven aus Stahl.

An diesem verregneten Abend des 21. Mai 2008 in Moskau wurden einige Geschichten geschrieben. Tragische Helden wie John Terry wurden geboren, der den Sieg auf dem Fuß hatte, im entscheidenden Moment aber auf dem seifigen Untergrund wegrutschte. Oder aber Michael Ballack, der wieder einmal bei der Erfüllung seiner Sehnsucht scheiterte, endlich einen internationalen Titel zu gewinnen.

Dieses Champions-League-Finale zwischen Manchester United und dem FC Chelsea hielt aber auch die fröhlichen Momente bereit. Einer davon gehörte dem Brasilianer Anderson. Denn im bis dahin größten und wichtigsten Moment seiner Karriere bewies der damals 20-Jährige Nervenstärke und hatte seinen Anteil am Sieg der Red Devils.

In den wichtigen Spielen saß Anderson draußen

Rückblick: Im Sommer 2007 verpflichtete ManUnited das brasilianische Top-Talent des FC Porto für die damals gewaltige Summe von mehr als 30 Millionen Euro. Und Anderson wurde direkt ein Faktor im Spiel von United. Trainerlegende Sir Alex Ferguson baute den technisch begabten Mittelfeldspieler immer wieder in das Team ein, ohne ihn zu überfordern. Auch in der Champions League kam Anderson zu regelmäßigen Einsätzen.

Wenn es allerdings um die großen, um die besonders wichtigen Spiele ging, setzte der Schotte dann doch auf die Erfahrung eines Michael Carrick oder eines Paul Scholes. So stand Anderson in keinem der beiden Halbfinalspiele auf dem Feld, und auch im Finale drückte er die Bank - bis kurz vor Ende der Verlängerung.

Als sich das Elfmeterschießen abzeichnete, wechselte Ferguson seinen Jungstar ein. "Ich saß auf der Bank und Giggs meinte nur: 'Lass Anderson einen schießen.' Und ich dachte nur: 'Oh mein ...'", blickte Anderson später im Gespräch mit Radio Grenal zurück. Nach Terrys Fehlschuss hatten fünf Schützen beider Teams ihre Versuche absolviert, Anderson schritt als Nummer sechs bei United zur Tat. Zuvor hatte er noch keinen einzigen Ballkontakt.

"Ich habe den Ball genommen und es war der längste Gang meines Lebens", sagte Anderson und gab einen Einblick, welchen Druck er in diesem Moment verspürt hatte."Ich habe gezittert und ich war entsetzt", erklärte er.

Anderson: Habe gebetet, dass er reingeht

Doch Anderson hielt dem Druck stand und jagte den Ball wie einen Torpedo ins Netz - frei nach dem Motto: Augen zu und durch, "Ich ging zum Ball, habe den Ball genommen und habe den Torwart, diesen Riesen, angeschaut. Cech hat seine Arme ausgebreitet und ich dachte nur: 'Verdammte Scheiße!' Ich habe hart geschossen, meine Augen geschlossen und gebetet, dass der Ball reingeht", schilderte Anderson den Augenblick.

Nach Anderson trafen noch Salomon Kalou für Chelsea und Ryan Giggs für United. Zum tragischen Helden neben Terry aufseiten der Blues wurde dann Nicolas Anelka, der den letzten Elfmeter verschoss.

Alex Ferguson verriet in seiner Autobiographie später, dass er keine Sekunde an Anderson gezweifelt habe. "Ich habe brasilianische Fußballer immer respektiert. Nennt mir einen Brasilianer, der in goßen Spielen nicht abgeliefert hat", schrieb er. So seien Brasilianer für das besondere Ereignis geboren worden, weil sie zwei Eigenschaften hätten: "Stolz und Glauben an sich selbst." Anderson stellte dies an jenem Abend in Moskau unter Beweis.

Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung