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Fussball

Emre Cans Handspiel gegen Manchester City: "Diese Haltung kann ein Torhüter einnehmen"

Handspiel oder nicht? Borussia Dortmunds Emre Can und Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande aus Spanien diskutieren über die strittige Elfmeter-Entschiedung.

Der ehemalige FIFA-Schiedsrichter Urs Meier findet die folgenschwere Handspiel-Entscheidung gegen Borussia Dortmunds Emre Can im Viertelfinal-Rückspiel der Champions-League gegen Manchester City richtig - und plädiert gleichzeitig für eine Änderung der Regel.

Borussia Dortmund ist zwar aus der Champions League ausgeschieden, zum Abschied aber hinterließ der Klub der internationalen Fußball-Welt immerhin die Offenlegung eines kleinen Widerspruchs im Fußball-Regelwerk. Wollte man diesem kleinen Widerspruch einen Namen geben, müsste man einen großen wählen. Zum Beispiel: "Offensichtliches Handspiel bei Vergrößerung der Körperfläche durch eine unnatürliche Armbewegung nach Berührung des Balles mit dem eigenen Kopf." Oder so ähnlich.

Es lief die 52. Spielminute, als der Ball durch den Dortmunder Strafraum segelte und von Emre Cans Kopf an seinen weit ausgestreckten eigenen Arm gelenkt wurde (Hier gibt's die Szene im Video). Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande aus Spanien entschied auf Handelfmeter für Manchester City, Riyad Mahrez verwandelte zum 1:1. Für die beim vorherigen Spielstand von 1:0 fürs Halbfinale qualifizierten Dortmunder war es der Knackpunkt im Spiel. Letztlich verloren sie mit 1:2 und schieden nach dem 1:2 im Hinspiel aus.

Die alles beherrschende Frage nach dem Spiel lautete: Handspiel oder nicht? Das Regelwerk sagt: beides.

Einerseits: "Ein Vergehen liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit der Hand/dem Arm berührt und seinen Körper aufgrund der Hand-/Armhaltung unnatürlich vergrößert."

Andererseits: "Kein Vergehen liegt vor, wenn der Ball direkt vom Kopf oder Körper (einschließlich des Fußes) des Spielers an dessen Hand/Arm springt." Darauf beriefen sich nach dem Spiel unter anderem Trainer Edin Terzic und Can selbst.

Urs Meier: "Die Schiedsrichter haben richtig entschieden"

Und was sagt der Experte? SPOX und Goal fragten den ehemaligen FIFA-Schiedsrichter Urs Meier. Der 62-jährige Schweizer leitete bis zu seinem Karriereende 2004 insgesamt 883 Profispiele, darunter das Champions-League-Finale zwischen Real Madrid und Bayer Leverkusen 2002.

Meier findet: "Die Schiedsrichter haben richtig entschieden. Es war eine unnatürliche Bewegung von Emre Can, risikobehaftet, tapsig. Wenn du im Strafraum mit so einem ausgestreckten Arm zum Ball gehst, dann nutzt es auch nichts, dass der Ball davor kurz am Kopf war. Diese Haltung kann ein Torhüter, aber sicher kein Verteidiger einnehmen. Man stelle sich mal vor, er steht so auf der Torlinie und verhindert ein Tor. Das ist einfach Handspiel, fertig. Das ist ganz klar."

Und das widersprüchliche Regelwerk? "Das muss die FIFA unbedingt korrigieren. Die Handspielregel ist im Regelbuch nicht gut formuliert. Da muss man wieder einen Schritt zurückgehen", findet Meier. "Die entscheidenden Kriterien sollten nur die Fragen nach Absicht und einer natürlichen oder unnatürlichen Bewegung sein." So war es auch mal, ehe die Handspielregel mit dem Wunsch nach mehr Eindeutigkeit immer weiter verkompliziert wurde, wodurch aber gleichzeitig Unklarheiten wie diese entstanden.

Zwei Menschen, die die Szene ähnlich beurteilen wie Meier sind übrigens City-Trainer Pep Guardiola ("Ganz klar Elfmeter") und Dortmunds Kapitän Marco Reus: "Aus meiner Sicht war es ein Handspiel. Der Ball ist mit dem Kopf an die Hand gegangen und laut FIFA-Regeln ist das kein Strafstoß, aber wenn man ehrlich ist: Wenn es auf der anderen Seite passiert wäre, dann hätten wir auch lautstark protestiert. Das muss man auch ehrlich zugeben."

Fußball-Regelwerk: Regel 12, Kapitel 1, Handspiel

Ein Vergehen liegt vor, wenn:

  • ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand/dem Arm berührt (einschließlich Bewegungen der Hand/des Arms zum Ball).
  • ein Spieler direkt mit der Hand/dem Arm (ob absichtlich oder nicht) ins gegnerische Tor trifft (gilt auch für den Torhüter).
  • ein Spieler oder ein Mitspieler den Ball mit der Hand/dem Arm berührt (ob absichtlich oder nicht) und unmittelbar danach:
    • ins gegnerische Tor trifft,
    • zu einer Torchance kommt,
  • ein Spieler den Ball mit der Hand/dem Arm berührt und:
    • seinen Körper aufgrund der Hand-/Armhaltung unnatürlich vergrößert,
    • sich seine Hand/sein Arm über Schulterhöhe befindet (außer der Spieler spielt den Ball vorher absichtlich mit dem Kopf oder Körper (einschließlich des Fußes) und der Ball springt ihm dabei an die Hand/den Arm)

Ein Vergehen liegt auch vor, wenn der Ball in einer der obigen Situationen direkt vom Kopf oder Körper (einschließlich des Fußes) eines Spielers an die Hand/den Arm eines anderen, nahestehenden Spielers springt.

Abgesehen von den genannten Vergehen liegt in folgenden Situationen, in denen der Ball an die Hand/den Arm eines Spielers springt, kein Vergehen vor:

  • Der Ball springt direkt vom Kopf oder Körper (einschließlich des Fußes) des Spielers an dessen Hand/Arm.
  • Der Ball springt direkt vom Kopf oder Körper (einschließlich des Fußes) eines Spielers an die Hand/den Arm eines anderen, nahestehenden Spielers.
  • Die Hand/der Arm ist nahe am Körper, und die Hand-/Armhaltung vergrößert den Körper nicht unnatürlich.
  • Ein Spieler berührt den Ball im Fallen mit der Hand/dem Arm, wobei sich seine Hand/sein Arm dabei zum Abfangen des Sturzes zwischen Körper und Boden befindet und nicht seitlich oder senkrecht vom Körper weggestreckt wird.
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