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Fussball

Neue Politik - alte Erfolge?

Von Philipp Böhl
Der 17-jährige Ruben Neves (m.) bejubelt seinen ersten Treffer als Profi
© getty

Vor zehn Jahren gewann der FC Porto völlig überraschend die Champions League. Seitdem haben sich die Portugiesen zwar in Europa etabliert,konnten den Erfolg von 2004 jedoch nicht wiederholen. Mit einem neuen Trainer und einer erneuerten Transferpolitik versucht man, nun wieder durchzustarten. SPOX blickt auf die kommende Saison des FC Porto.

Es ist zehn Jahre her, da herrschte in Europa Ausnahmezustand. Ein gewisser Jorge Costa reckte den Henkelpott in den Gelsenkirchener Nachthimmel, eine ganze Stadt feierte seine Helden des FC Porto, die gerade das Champions-League-Finale gegen den ebenso überraschenden Finalisten AS Monaco gewonnen hatten. Es war der erste Gewinn der begehrtesten Trophäe im europäischen Klubfußball, seit die Portugiesen 1987 den Europapokal der Landesmeister holten.

Seitdem sind zehn Jahre vergangen, Stars wie Deco, Costinha, Ricardo Carvalho, Benny McCarthy oder Victor Baia haben ihre Karrieren bereits beendet oder sind von der Bildfläche verschwunden. Auch Jose Mourinho, den Trainer des CL-Siegerteams, zog es weiter.

Zehn Jahre - im Fußball ein Zeitraum, in dem Vereine aus dem Profigeschäft verschwinden, vom Europapokal in den Abstiegskampf rutschen, oder sich nach oben arbeiten können. Dem FC Porto gelang es in dieser Zeit jedoch, sich konstant auf Champions-League-Niveau zu halten, auch wenn der ganz große Wurf nicht mehr gelang. Bei neun Champions-League-Teilnahmen in den letzten zehn Jahren kam man nur ein einziges Mal über das Achtelfinale hinaus.

Finanzielle Millionen-Gewinne

Eine Sache hat sich dabei über die Jahre kaum verändert: Die Transferpolitik, die sich dadurch auszeichnete, größtenteils unbekannte Spieler aus Südamerika zu verpflichten, die in der portugiesischen Liga den Durchbruch schaffen, um diese dann für viel Geld zu verkaufen. Ein System, das zumindest finanziell von Erfolg geprägt war.

So stehen kolportierte 375 Millionen Euro Transferplus in den letzten zehn Jahren zu buche - und das, obwohl man gleichzeitig durchgehend um die portugiesische Meisterschaft mitspielte.

Doch auf Dauer reicht das nicht mehr. Zu schwach ist die portugiesische Liga im Großen und Ganzen. International wieder angreifen ist das Ziel des FC Porto, zumindest langfristig, auch wenn das eine Weile dauern kann: "Es gibt eine Menge Arbeit, um der Erwartungshaltung bei diesem Verein gerecht zu werden", sagte der neue Trainer, Julen Lopetegui.

Per Trainer-Coup zum Erfolg?

Die Verpflichtung von Lopetegui, dem ehemaligen U-21-Nationaltrainer Spaniens, ist ein kleiner Coup, den der FC Porto eingefädelt hat. Dass er mit jungen Spielern umgehen kann, sollte nicht zur Debatte stehen. Zudem ist das System mit einer Spitze, das der FC Porto spielt, auch in Spanien gängig.

Die hohe Variabilität, die die vielen technisch starken Spieler bieten, lässt zusätzlich an ein ‚spanisches System' erinnern. Dabei setzte Lopetegui in der Vorbereitung eher auf ein 4-2-3-1, als auf ein 4-3-3. Wichtiger Baustein sind dabei die Außenspieler, die immer häufiger in die Mitte ziehen, um den enorm offensivstarken Außenverteidigern Danilo und Alex Sandro Platz zu machen.

Mit spanischem Flair in Portugal

Insgesamt scheint es so, als wolle der FC Porto von seinem erfolgreichen Nachbarland profitieren - und zwar mit direkten Importen: Neben dem spanischen Trainer wechselten gleich sechs Spieler aus der Primera Division zum FC.

Mit der neuen Transferpolitik soll dabei an alte Erfolge angeknüpft werden. Statt der südamerikanischen No-Names kamen gestandene Profis aus Europa. Christian Tello, Adrian, Casemiro, Bruno Martins Indi, Oliver Torres und Yacine Brahimi sind die prominentesten Neuzugänge der Blau-Weißen.

Alle kommen aus Europa und sind - mit Ausnahme von Adrian - unter 25 Jahre alt. Zumindest das hat sich nicht verändert: Der FC Porto bleibt weiter eine Mannschaft, die Spieler ausbildet und keine fertigen Profis kauft.

Zudem funktioniert die eigene Jugendarbeit: Mit Ruben Neves erzielte beim 2:0-Sieg am ersten Spieltag gegen Maritimo ein erst 17-Jähriger das Tor zum 1:0. Der zentrale Mittelfeldspieler erntete prompt das Lob seines Trainers: "Er ist Teil des Teams und hat einen sehr guten Auftritt hingelegt", sagte Lopetegui nach dem Spiel.

Zwar wiegen die Verluste von Eliaquim Mangala und Fernando erneut schwer, jedoch kann ein einziger Abgang ein komplettes Transferfenster finanzieren. Schließlich blieben die Portugiesen bei Mangala standhaft, sodass der Franzose für 40 Millionen Euro zu Manchester City wechselte. Trotz seiner hohen Erfahrung für sein junges Alter eine sehr hohe Summe.

Breiter Kader dank teurer Abgänge

Dieser Verkauf ermöglicht etwas, das in der Vergangenheit in Porto selten der Fall war und was ein möglicher Grund für das dauernde Scheitern in der Königsklasse war: Breite im Kader. Fast jede Position ist nun doppelt besetzt. Verschiedene Spielertypen ermöglichen eine höhere Variabilität innerhalb des fest verankerten Systems mit einem Stürmer und zwei Außen.

So kann man beispielsweise auf der Außenposition zwischen klassischen Flügelspielern (Quaresma, Tello, Pereira, Varela) und zentral orientierten Offensivspielern (Brahimi, Oliver Torres) entscheiden.

Die schwerwiegendsten Abgänge, Mangala und Fernando, wurden zwar durch Bruno Martins Indi und Casemiro eins zu eins ersetzt, jedoch wurde für die Spieler nur ein Bruchteil der Transfereinnahmen ausgegeben. Weiteres Budget fiel der Breite des Kaders zum Opfer.

Dennoch steht am Ende ein Transferplus von knapp 50 Millionen Euro zu Buche und ein Kader, zu dem man sicher sagen kann, dass er besser ist als der aus der Saison 2013/14.

Insgesamt zeichnet sich die Porto-Truppe dabei weiter durch seine Spielstärke aus. Vergangene Saison war noch das Problem, dass von der Spielmacherposition zu wenig Kreativität ausging. Dieses Manko sollte mit dem neuen Kader behoben worden sein.

Schielen nach Europa?

Doch was kann diese Mannschaft insgesamt erreichen? Die portugiesische Meisterschaft ist nach einjähriger Titellosigkeit ohnehin Pflicht. Aber auch in Europa möchte man wieder etwas erreichen.

Atletico Madrid hat vergangene Saison deutlich gemacht, dass es in Europa immer noch kein Ding der Unmöglichkeit ist, als vermeintlicher Außenseiter in der Champions League weit zu kommen. Dennoch wird beim FC Porto kaum jemand offenkundig eine Wiederholung des Erfolgs von 2004 fordern. Zu groß ist die Konkurrenz in Europa und die Leistungsdichte.

Doch ein Ziel kann der FC Porto mit Sicherheit formulieren: Das Viertelfinale der Champions League sollte mit dieser Mannschaft möglich sein - und dann ist im Fußball ja bekanntlich immer alles möglich...

Der FC Porto im Überblick

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