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Fussball

"Es ist schwer, authentisch zu bleiben"

SPOX-Redakteur Jochen Tittmar traf Mats Hummels am Rande eines Fotoshootings
© head and shoulders

Mats Hummels ist Leistungsträger bei Borussia Dortmund sowie deutscher Nationalspieler - und seit Januar 2013 offizieller Markenbotschafter von "head&shoulders". Im Interview spricht Hummels über fremdgesteuerte Spieler im Fußball-Business, die Gründe für seine Vereinstreue und erklärt, weshalb ihm jemand lieb ist, der ihm seine Meinung ins Gesicht sagt.

SPOX: Herr Hummels, Sie haben einmal verraten, dass Sie Ihre Haare gerne ganz kurz abrasieren würden, aber nicht sicher seien, wie das am Ende dann aussieht. Wie sicher kann sich denn Ihr Partner "head&shoulders" sein, dass Sie sich dazu auch in naher Zukunft nicht trauen?

Mats Hummels: Ganz sicher. Dazu müsste ich erst einmal eine braunere Hautfarbe bekommen. Ich habe auch den einen oder anderen dezenten Ansatz zur Geheimratsecke. Ich glaube, es wird erst soweit sein, wenn mir die Haare eines Tages ausfallen würden.

SPOX: Sie taugen deshalb als Werbeträger, weil Sie als selbstbewusster und eloquenter Typ durchgehen. Manche haben Sie schon einen Fußballintellektuellen genannt. Nervt Sie das?

Hummels: Nein, ich nehme das eher als Kompliment auf. Es ist eben so, dass viele Fußballer vor einer Kamera oder einem Mikrofon auf Floskeln zurückgreifen. So lässt sich verhindern, dass mehr aus den Aussagen gemacht wird. Ich versuche in Interviews eigentlich nur, meine Meinung darzulegen. Sonst hätte das für mich ja auch keinen Mehrwert.

SPOX: Es gibt vereinzelt den Vorwurf, der heutige Fußballer würde zu einem gewissen Grad zur Unmündigkeit erzogen. Teilen Sie diese Meinung?

Hummels: Es ist auf jeden Fall schwer, authentisch zu bleiben - bedingt durch viele Faktoren.

SPOX: Die da wären?

Hummels: Einem Spieler wird im Alltag einerseits ziemlich viel abgenommen. Andererseits kann man beispielsweise in Interviews oft nicht das sagen, was man denkt, weil die Aussagen bewusst anders aufgenommen werden, um Schlagzeilen zu konstruieren. Daher kommt es, dass sich viele Spieler in ihren Handlungen und Äußerungen immer mehr angleichen. Aus Gründen des Selbstschutzes beschränken sich die meisten auf das Nötigste. Das erweckt in der Öffentlichkeit dann wiederum den Eindruck, dass es sehr wenige unterschiedlichen Typen gibt.

SPOX: Auch wenn es im Fußball um viel geht: Sollte es erwachsenen Menschen, die über weitreichende Dinge wie Familie oder Verträge entscheiden, überspitzt formuliert nicht möglich sein, mehr Herr über ihr eigenes Handeln zu werden?

Hummels: In der Theorie schon. Viele Spieler sind mittlerweile jedoch fremdgesteuert. Manche Inhalte werden dann gar nicht so herübergebracht, wie sie der Spieler meinte, sondern wie der Berater meint, es wäre gut für den Spieler. So handelt sich dieser keinen schlechten Ruf in der Öffentlichkeit ein. Das ist letztlich aber auch eine Entscheidung des Spielers: Will er nach außen den perfekten Ruf haben oder lieber so herüberkommen, wie er als Mensch wirklich ist?

SPOX: Wird diese Gleichheit irgendwann aufhören?

Hummels: Nein. Ich denke, das wird künftig noch drastischere Ausmaße annehmen, weil auch der Kampf der Medien um Aufmerksamkeit immer intensiver wird. Bereits jetzt werden die Themen teilweise bewusst größer und spektakulärer gemacht, als sie in Wahrheit sind. So entstehen viele Geschichten, die vielleicht gar keine sind.

SPOX: Sie selbst sind sehr interessiert an der Berichterstattung zu Ihren Partien. Halten Sie es für normal, dass sich die Wahrnehmung der Medien von Ihrer auf dem Feld extrem unterscheiden kann?

Hummels: Es stellt sich für mich als ein ganz anderes Spiel dar, wenn ich von der Tribüne aus zuschauen muss. Das Tempo und die Handlungsschnelligkeit der Spieler nimmt man auf dem Platz deutlich unterschiedlicher wahr als von oben. Da sieht es gefühlt nach der Hälfte der eigentlichen Geschwindigkeit aus. Daher habe ich schon Verständnis dafür, dass es Unterschiede zwischen Berichterstattung und eigener Meinung gibt.

SPOX: Aber?

Hummels: Die wenigsten Journalisten haben auch nur annähernd selbst auf diesem Niveau gespielt - und sie haben dazu eben nur diese eine Perspektive. Mich persönlich interessiert die Meinung ehemaliger Spieler deshalb mehr, weil sie am besten einschätzen können, wie es sich anfühlt, auf dem Platz zu stehen.

SPOX: Wenn Sie wie zuletzt während Ihrer Verletzungspause auf der Tribüne sitzen, bewegen Sie sich praktisch ganz normal in der Öffentlichkeit. Wie nehmen Sie es als berühmte Person wahr, sich kaum mehr frei bewegen zu können?

Hummels: Es ist schon ein bisschen problematisch. Wenn ich durch die Straßen gehe, kommen immer Leute auf mich zu und sprechen mich an. Viele sind dabei höflich. Manche sind etwas fordernder. Denen merkt man dann auch an, dass es für sie in dieser Sekunde die Option, ein Fußballer könne auch Privatmensch sein, gar nicht gibt.

SPOX: Wie gehen Sie dann vor?

Hummels: An manchen Tagen, an denen ich privat wie ein ganz normaler 25-Jähriger unterwegs sein möchte, sage ich mir aus Selbstschutz, dass ich heute auf nichts reagiere. Das sind unter dem Strich aber schon die Ausnahmen, weil einen die Menschen zu 95 Prozent nett ansprechen.

Seite 1: Hummels über fremdbestimmte Spieler und Probleme der Berichterstattung

Seite 2: Hummels über seine Vereinstreue und Bayerns Vormachtstellung

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