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Fussball

Fast ein Endspiel

Von Florian Bogner
Werder-Gegner Twete ist mit neun Spielen ohne Niederlage in blendender Form
© Getty

Werder Bremen muss bei Twente Enschede (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) punkten, will man nicht vorzeitig aus der Champions League ausscheiden. Zuletzt gab es ungewohnt viele Irritationen an der Weser - diese muss die Mannschaft nun auf dem Feld ausräumen. Vor dem niederländischen Meister sei jedoch gewarnt.

Kürzer geht es international kaum. Nur 215 Kilometer liegen zwischen Bremen und Enschede, weswegen die Werderspieler am Dienstagmorgen auch ganz bequem im Mannschaftsbus Platz nahmen, statt den Flughafen aufzusuchen.

Knapp zwei Stunden dauerte die Fahrt. Zwei Stunden Zeit für jeden Spieler, sich noch mal eindringlich mit der Ausgangslage zu beschäftigen. "Aus den Spielen gegen Enschede sollten wir möglichst vier Punkte holen. Besser wären sechs", gibt Geschäftsführer Klaus Allofs vor.

Nach einem 2:2 gegen Tottenham und dem blamablen 0:4 bei Inter ist das Spiel im Hexenkessel De Grolsch Veste "fast ein Endspiel", wie es Per Mertesacker formuliert.

"Wir müssen zusehen, endlich in die Gruppe reinzukommen", ergänzt Trainer Schaaf - wohlwissend, dass man mit einer Niederlage das Achtelfinale abschreiben kann. Die Werder-Bilanz in den Niederlanden gibt dabei wenig Anlass zu Hoffnung: Sechs Mal spielte Bremen im Nachbarland, sechs Mal ging man nicht als Sieger vom Platz.

"Gibt nichts, was geklärt werden muss"

Immerhin hat Werder am Wochenende sportlich mal wieder positive Schlagzeilen geschrieben. 2:1 gegen Freiburg - ein Pflichtsieg, mehr nicht. Und dennoch ein Schritt in die richtige Richtung, weg von den Irritationen der letzten Wochen.

Da wäre zum Beispiel die undurchsichtige Geschichte mit den Spielergehältern. Warum man die Hälfte der Septembergehälter einfror, nur um sie dann im Oktober auszuzahlen, konnte und wollte Allofs bis heute nicht schlüssig erklären. "Es gibt bei uns nichts, was geklärt werden muss. Wir haben das nicht öffentlich behandelt, weil es bei uns Gesetze gibt, die wir schon seit Jahren pflegen. Wir lösen unsere Probleme intern", war Allofs' einzige Erklärung zum Thema.

Die Sache schlug jedoch hohe Wellen. Werder hielt nach außen den Ball flach - die Frage nach dem Warum aber bleibt. "Wir ergreifen manchmal ungewöhnliche Maßnahmen. Alle Maßnahmen, die wir treffen, haben aber nur ein Ziel: Das Potenzial der Mannschaft zu wecken", erklärte Allofs.

Hunt irritiert, Almeida sammelt Argumente

Sein Potenzial rief Aaron Hunt gegen Freiburg zumindest bei seinem Gewaltschuss zum 1:0 ab. Danach legte er den linken Zeigefinger auf die Lippen. Psst, Kritiker? Psst, Tim Wiese? Die Geste habe "einem Freund" gegolten, erklärte Hunt nachher etwas steif. Dennoch hatte diese Geste die Fans ebenfalls irritiert.

In der vielleicht besten Verfassung seit er bei Bremen ist, spielt dagegen derzeit Hugo Almeida. Sieben Pflichtspieltore hat der Publikumsliebling bereits auf dem Konto. Arbeitspapiere über den kommenden Juni hinaus besitzt er jedoch noch nicht.

Gespräche über eine Vertragsverlängerung in Bremen liegen seit letztem Herbst auf Eis. "Für mich ist im Moment nur wichtig, dass ich spiele und Tore schieße", sagt Almeida selbst. Allofs ergänzt: "Hugo hat uns auch mal gesagt, er würde gern etwas anderes machen. Aber konkret ist er dabei nie geworden."

Einen Stammplatz hat Almeida, der sich chronisch zu wenig wertgeschätzt fühlt, dennoch nicht inne. Nun ist auch Claudio Pizarro nach zwei Muskelfaserrissen zurück, drängt gegen Enschede in die Startelf. Schaaf wird überlegen müssen, ob er auswärts beim niederländischen Tabellenführer mit einer oder zwei Spitzen spielen will.

Pizarro warnt: "Wird kein leichter Job"

Für Pizarro, der in der vergangenen Saison bei der 0:1-Niederlage in Enschede in der Europa League als einziger Stürmer spielte, ist Enschede jedenfalls alles andere als Laufkundschaft. "Sie haben zu Hause ein 2:2 gegen Inter Mailand geholt. Das sagt vieles. Es wird kein leichter Job für uns", sagte der Peruaner im Interview mit der "Kreiszeitung Syke".

Der niederländische Meister hat den Trainerwechsel von Steve McClaren auf den ehemaligen belgischen Welttorhüter Michel Preud'homme gut weggesteckt und steht in der heimischen Liga nach neun Spielen ohne Niederlage schon wieder auf Platz eins - sechs Mal spielte man dabei zu Null.

"Sie haben eine gute Mannschaft, technisch sehr gut, laufstark", weiß Marko Arnautovic zu berichten, der aus seiner Zeit bei Enschede (2006-2009) noch mit Torwart Nikolaj Mihajlov befreundet ist. "Ich habe die Mannschaft in diesem Jahr zweimal besucht. Die Hälfte kenne ich noch. Das sind gute Jungs", sagt der Österreicher, der beste Erinnerungen an die Grolsch Veste hat.

Pasanen für Silvestre?

Ob Schaaf jedoch auf eine Elf mit Arnautovic, Pizarro und Almeida setzt, darf arg bezweifelt werden - auch wenn sich der Werder-Coach vorab erneut nicht in die Karten blicken lassen wollte. Arnautovic wäre ein Streichkandidat.

Im letzten Training in Bremen war dafür zu beobachten, dass Petri Pasanen für Mikael Silvestre zur A-Elf gehörte. Gut möglich also, dass der immer noch nicht austrainierte Franzose nach schwachen Leistungen eine Pause bekommt.

"Man kann immer etwas verändern. Wir überprüfen jede Position", heißt das in der Schaaf-Litanei. Angeschlagen ist hingegen Marko Marin. "Ich habe leichte Probleme am linken Knie. Am Mittwoch sollte es aber klappen", sagte er am Montag. Tim Borowski (Kniebeschwerden) und Sandro Wagner (Trainingsrückstand) saßen indes nicht im Bus nach Enschede.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Enschede: Mihajlov - Rosales, Douglas, Wisgerhof, Tiendalli - Brama, de Jong, Janssen - Ruiz, Janko, Chadli

Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Prödl, Pasanen - Wesley, Frings - Hunt, Pizarro, Marin - Almeida

Enschede gut gerüstet für Werder

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