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Fussball

FC Bayern München verliert erstmals unter Julian Nagelsmann: Eine Niederlage als Drohung 

FC Bayern München, Eintracht Frankfurt

Beim unverdienten 1:2 gegen Eintracht Frankfurt erlebte Julian Nagelsmann seine erste Niederlage als Trainer des FC Bayern München. Ganz versteckt formulierte er sie danach in eine Drohung um. Nun wartet eine große Aufgabe auf ihn.

Oben schwarz, unten hellblau und dazwischen ein kunterbuntes Muster, dazu drei rosa Adidas-Streifen. Bei seinem elften Pflichtspiel als Trainer des FC Bayern hat Julian Nagelsmann erstmals getan, was er schon bei seinen vergangenen Stationen so gerne getan hat: Er ist mit einem ausgefallenen Outfit aufgefallen. Bisher hatte er sich an der Münchner Seitenlinie vorrangig in dezentem Schwarz herumgetrieben.

Während Nagelsmann also seine gewöhnungsbedürftige Trainingsjacke trug, erlebte er noch eine weitere Premiere: Nach einem Remis und neun Siegen verlor er erstmals als Trainer des FC Bayern ein Pflichtspiel, 1:2 gegen Eintracht Frankfurt. Weil Bayer Leverkusen im Anschluss bei Arminia Bielefeld gewann, führt seine Mannschaft die Bundesliga-Tabelle nur mehr wegen der besseren Tordifferenz an.

Es war aber keine Niederlage, die ihm Anlass zur Sorge geben dürfte. Der FC Bayern enttäuschte nicht, ganz im Gegenteil: Er dominierte das Spiel, hatte knapp 72 Prozent Ballbesitz, etliche schön herausgespielte Chancen, 20:5 Torschüsse und 10:1 Ecken. Die einzige Frankfurter Ecke köpfelte Martin Hinteregger nach Leon Goretzkas Führungstreffer aber zum Ausgleich ins Tor und kurz vor Schluss markierte Filip Kostic schließlich das entscheidende 2:1.

Gescheitert ist der FC Bayern im Offensivspiel an der eigenen Ungenauigkeit und einem überragenden Frankfurt-Keeper Kevin Trapp. Und im Defensivspiel an individuellen Unachtsamkeiten des zuletzt so überzeugenden Dayot Upamecano vor beiden Gegentoren. Der Fehler lag also nicht im System.

Nagelsmann über die Art der Niederlage: "Besseres Gefühl"

"Ich fand das Spiel nicht großartig anders als die Spiele in den letzten Wochen. Wir hatten viele Chancen, haben aber nicht wie gegen Bochum oder Kiew viele Tore gemacht", analysierte Nagelsmann. 7:0 und 5:0 gingen die Spiele gegen den VfL Bochum und Dynamo Kiew aus, dazwischen gab es ein 3:1 bei der SpVgg Greuther Fürth.

Entsprechend hätte der FC Bayern gegen Frankfurt laut Nagelsmann "nicht zwingend verlieren müssen", was sich ob der brutalen Dominanz fast schon ein bisschen albern anhörte. Wenn es aber schon unbedingt eine Niederlage sein muss, dann ist ihm so eine letztlich lieber: "Ich habe in der Kabine gesagt: Bei einer Niederlage ist es wichtig, dass man es selbst in der Hand hatte. Das ist ein besseres Gefühl, als wenn man es nicht selbst in der Hand hatte. Und wir hatten sehr viel selbst in der Hand."

Trotz all der Dominanz und des funktionierenden Systems fand Nagelsmann aber noch ein paar Verbesserungsmöglichkeiten. Der Gegner hätte beispielsweise "zu viel Umschaltraum" gehabt, zu viel Platz und Zeit auf der Sechserposition. Ähnliche Problematiken seien Nagelsmann übrigens bereits bei den vorherigen hohen Siegen aufgefallen, damals waren sie aber ungestraft geblieben. "Es gibt viel aus den letzten drei Spielen rauszuziehen, wo wir Dinge besser machen können", sagte er und ergänzte: "Besser machen wollen - und auch besser machen werden." Nagelsmann spricht, wie seine Mannschaft spielt: immer auf der Suche nach Verbesserungen und trotzdem siegessicher.

Mit diesen Sätzen hat es Nagelsmann ganz beiläufig geschafft, eine sportliche Niederlage in sowas wie eine versteckte Drohung an die Konkurrenz umzuformulieren. Während des Siegeszuges bot Nagelsmanns Mannschaft nämlich trotz aller angeblichen Mängel genau wie gegen Frankfurt beeindruckenden Fußball, der in Sachen taktischer Variabilität und Dominanz schon ein bisschen an den seines berühmten Vor-vor-vor-vor-Vorgängers Pep Guardiola erinnerte.

Nagelsmann muss sich der Belastungssteuerung widmen

Verantwortlich für die Umsetzung war ein kleiner Kern an Spielern: Bei den sechs Spielen in 22 Tagen seit der letzten Länderspielpause vertraute Nagelsmann in der Startelf abgesehen von zwölf Dauerbrennern lediglich je einmal auf Jamal Musiala und Josip Stanisic. Angesprochen auf eine mögliche Pause für Joshua Kimmich sagte Nagelsmann vergangene Woche exemplarisch: "Die Überlegung, ihn zu schonen, gibt es nicht."

Gegen Frankfurt begann exakt die gleiche Startelf wie vier Tage zuvor gegen Kiew und trotz des offenen Spiels wartete Nagelsmann bis zur 70. Minute mit dem ersten Wechsel. "Wir haben unser bestes Personal in der ersten Elf gehabt, das es in den letzten Wochen sehr gut gemacht hat", sagte Nagelsmann. Das heißt auch: Er erkennt in seinem Kader ein deutliches Leistungsgefälle.

Nach den anfänglichen Erfolgen mit einem eingespielten kleinen Kern wird sich Nagelsmann in den kommenden Monaten intensiver der Aufgabe Belastungssteuerung widmen müssen. Für Erfolge in allen drei Wettbewerben braucht es letztlich wohl ein breiteres Feld an regelmäßig erprobten Startelf-Spielern, ansonsten droht Überbelastung und Überspieltheit.

Nach der Länderspielpause kann Nagelsmann mit dem wiedergenesenen Kingsley Coman immerhin auf einen weiteren potenziellen Stammspieler zurückgreifen. Er wird auf Einsätze drängen, genau wie beispielsweise auch Neuzugang Marcel Sabitzer oder Supertalent Musiala.

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