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FC Bayern München - Serge Gnabrys Gala in Stuttgart: Experte für alte Heimaten

Julian Nagelsmann ist voll des Lobes für Serge Gnabry.
© imago images

Serge Gnabry hat den FC Bayern München in seiner alten Heimat Stuttgart mit fünf Scorerpunkten zum Herbstmeistertitel geschossen. Der Gala-Auftritt sorgte für Lobeyhymnen von Trainer Julian Nagelsmann - und könnte für den 26-jährigen Flügelstürmer einen Wendepunkt darstellen.

Daheim ist es bekanntlich am schönsten, aber für Serge Gnabry ist es in alten Heimaten offenbar noch ein bisschen schöner. Beim 5:0-Sieg seines FC Bayern gegen den VfB Stuttgart am Dienstagabend gelangen ihm zum zweiten Mal in seiner Karriere fünf Scorerpunkte in einem Spiel. Seine diesbezügliche Premiere gab es im Herbst 2019 bei einem 7:2 gegen Tottenham Hotspur.

Seine zwei individuell erfolgreichsten Auftritte hatte Gnabry also beide an alten Heimaten: In Stuttgart wurde er geboren und spielte beim VfB in der Nachwuchsabteilung, in London verpasste er beim FC Arsenal den Durchbruch. Das 7:2 bei Tottenham bedeutete einst das letzte große Erfolgserlebnis für Ex-Trainer Niko Kovac, das 5:0 in Stuttgart jetzt den Herbstmeistertitel. Der Vorsprung auf Borussia Dortmund beträgt vor deren Spiel gegen Greuther Fürth neun Punkte.

Dass ausgerechnet Gnabry mit seinen drei Treffern und zwei Vorlagen auf Robert Lewandowski diesen Titel, der eigentlich gar keiner ist, fixierte, war aber gar nicht stimmig. Es ist schließlich nicht seine Saison, nein. Zumindest noch nicht. Bisher ist es vor allem die Saison von Leroy Sane (25), der ein Jahr nach seinem Wechsel von Manchester City brutal durchstartet. Und auch eher die Saison von Kingsley Coman (25), der sich seit seiner Herz-Operation in absoluter Topform befindet.

Aber Gnabry? Er stand zuletzt deutlich im Schatten seiner beiden Rivalen auf den Flügelpositionen - und in den acht Pflichtspielen vor Stuttgart nur einmal in der Startelf. Ausgerechnet da setzte es eine 1:2-Niederlage beim FC Augsburg. Lange ist das her, schon fast einen Monat.

Serge Gnabrys gute Ausgangslage im Sommer

Gnabrys Ausgangslage im Sommer war eigentlich hervorragend und zwar aus mehreren Gründen. Mit Julian Nagelsmann kam ein Trainer, der ihn kannte und schätzte. Bei Gnabrys Leihe zur TSG Hoffenheim in der Saison 2017/18 arbeiteten die beiden erfolgreich zusammen. Beim ersten Heimspiel der Saison schoss Gnabry seine Mannschaft dann mit einem Doppelpack zum 3:2-Sieg gegen den 1. FC Köln. Sane wurde von den eigenen Fans ausgepfiffen, Coman fehlte angeschlagen und musste sich kurz darauf am Herzen operieren lassen.

Gnabry war gesetzt, wie eigentlich immer seit seiner Ankunft in München 2018. Er überzeugte auch weiterhin, sammelte aber nicht so konsequent Scorerpunkte wie der sich stetig steigernde Sane. Irgendwann kehrte dann Coman zurück, Nagelsmann musste sich entscheiden und er entschied sich gegen Gnabry. "Es ist extrem schwer", sagte er über dessen wegweisenden Bankplatz bei einem Champions-League-Auswärtsspiel Mitte Oktober bei Benfica Lissabon. "Es gibt tatsächlich keine Begründung, weil er sehr gut gespielt hat die letzten Spiele."

Seitdem aber spielten die anderen beiden und zwar sehr gut. Erstmals verlor Gnabry beim FC Bayern mittelfristig seinen Stammplatz. Schlagzeilen machte er nicht mehr durch Tore, sondern durch seinen Impfstatus. Genau wie vier seiner Kollegen verweigerte auch Gnabry zunächst eine Corona-Impfung, weswegen er in Quarantäne musste. Den Stich hat er mittlerweile nachgeholt, dafür suchten ihn aber Adduktoren- und Rückenprobleme heim. Scorerpunkte lieferte er bei seinen Kurzeinsätzen unterdessen keine mehr.

Serge Gnabrys Gala-Auftritt beim VfB Stuttgart

In Stuttgart reichte es schließlich wiedermal für einen Startelfeinsatz. Weichen musste dafür Sane, der nach zehn Startelfeinsätzen in Folge eine Pause bekam. Diese fiel aber kürzer aus als angedacht, was Gnabry zugute kam. Zunächst lahmte das Offensivspiel des FC Bayern mit Gnabry auf dem rechten und Coman auf dem ungewohnten linken Flügel nämlich. Ideenlos. Harmlos.

Coman verletzte sich bald am rechten Oberschenkel, woraufhin der vor Selbstvertrauen triefende Sane schon in der 27. Minute eingewechselt wurde und dem Spiel seiner Mannschaft umgehend kreative Impulse und Zielstrebigkeit verlieh. Tatsächlich löste in Stuttgart erst Sanes Einwechslung Gnabrys Explosion aus, passenderweise legte er ihm auch dessen ersten Treffer vor. Ein Schlenzer, dem Nagelsmann das Prädikat "herausragend" verlieh. Genau so nannte er übrigens auch dessen erste Vorlage auf Lewandowski.

Dazwischen schoss Gnabry noch ein weiteres Tor, anschließend legte er einen Assist und ein Tor nach, während er mit dem starken Sane mehrmals die Seiten wechselte. Es erinnerte fast schon ein bisschen an den 8:0-Sieg gegen den FC Schalke 04 zu Beginn der vergangenen Saison, als die beiden erstmals gemeinsam für den FC Bayern aufliefen, je drei Scorerunkte verzeichneten und Kreativlinge die Flügelzange "Sabry" erfanden.

Julian Nagelsmann setzt sich für Verlängerung mit Gnabry ein

Für Gnabry könnte der Gala-Auftritt in Stuttgart ein Wendepunkt zum Guten gewesen sein. Zumindest beim abschließenden Hinrundenspiel am Freitag gegen den VfL Wolfsburg dürfte er wegen seiner herausragenden Leistung aber auch wegen Comans Verletzung erneut in der Startelf stehen. Gemein haben die beiden übrigens nicht nur einen Kampf um einen Startplatz, sondern auch um einen neuen Vertrag.

Beide sind noch bis 2023 an den FC Bayern gebunden, bei beiden ist die langfristige Zukunft unklar. "Ich frage nicht jeden Tag nach", sagte Nagelsmann, angesprochen auf die Vertragsgespräche des Klubs mit Gnabry. "Ich signalisiere dem Spieler mit meiner Arbeit mit ihm, dass ich gerne mit ihm weiterarbeiten würde. Ich kenne den Serge schon Ewigkeiten und schätze ihn als Mensch und als Spieler sowieso. Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, als dass er verlängert."

Für den FC Bayern wäre ein Verbleib Gnabrys gleich in zweierlei Hinsicht wichtig: Einerseits, weil er an guten Tagen Weltklasse verkörpert. Und andererseits, weil er gerne an alten Wirkungsstätten fünf Scorerpunkte markiert.

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