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Fussball

FC Bayern München kurz vor der Titelverteidigung: Würdevoll durch die Flammen

Hansi Flick und dem FC Bayern München fehlt nur mehr ein Sieg zur Bundesliga-Titelverteidigung.

Dank des Sieges gegen Bayer Leverkusen steht der FC Bayern München kurz vor der Bundesliga-Titelverteidigung. Der Wirbel um die geplante und mittlerweile in sich zusammenfallende Super League kam dem Klub unterdessen in doppelter Hinsicht ziemlich gelegen.

Kurz bevor die Mannschaftsaufstellungen bei Heimspielen des FC Bayern München in der Allianz Arena vom Stadionsprecher vorgelesen werden, läuft auf den beiden Videowalls stets das selbe Image-Filmchen. So auch vor dem Duell mit Bayer Leverkusen am Dienstagabend. Mit dramatischer Musik unterlegt sah man große Momente der Klubhistorie. Oliver Kahns entscheidende Parade im Elfmeterschießen des Champions-League-Finals 2001 beispielsweise und Jubelbilder vom Triumph zwölf Jahre später.

Die Champions League: Auf nichts bilden sich europäische Klubs mehr ein, nichts ist größer als dieser Wettbewerb. Dachte man zumindest, bis zwölf Top-Klubs in der Nacht von Sonntag auf Montag verkündeten, doch größer zu sein und künftig statt in der Champions League lieber in einer sogenannten Super League spielen zu wollen. Damit entfachten sie im europäischen Fußball ein Feuer, das dem FC Bayern gleich in doppelter Hinsicht ziemlich gelegen kam.

Wie der FC Bayern von den Super-League-Plänen profitiert

Zunächst einmal wäre da der offensichtliche Grund. Der FC Bayern beteiligte sich genau wie der Bundesliga-Rivale Borussia Dortmund nicht an der Super League. Damit ersparte er sich einerseits die Protestwelle, die über die anderen Klubs hereinbrach und einige bereits zur Aufgabe zwang, und befindet sich im internationalen Bild andererseits gemeinsam mit der UEFA plötzlich auf der Seite der vermeintlichen Gralshüter des Fußballs.

"Der FC Bayern steht solidarisch zur Bundesliga", verkündete der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in einer Pressemitteilung, die wenige Stunden vor Anpfiff des Spiels gegen Leverkusen verschickt wurde. Genau das wird auf nationaler Ebene von vielen Protagonisten und Beobachtern aber seit Jahren in Frage gestellt, vor allem in Sachen TV-Gelder-Verteilung.

Letztmals aufgeflammt war diese Debatte im November vergangenen Jahres: Als der VfB Stuttgart, der FC Augsburg, der FSV Mainz 05, Arminia Bielefeld und zehn Zweitligisten eine fairere Verteilung der TV-Gelder forderten, berief Rummenigge als Gegenschlag und zur Abstimmung des weiteren Vorgehens ein Geheimtreffen mit den übrigen Erstligisten ein.

Ohne irgendwas dafür tun zu müssen als Zuzuschauen und das eigene Desinteresse zu artikulieren, hilft die Gigantonomie der selbsternannten Super-League-Klubs nun also ganz automatisch dem internationalen Image des nicht beteiligten FC Bayern. Rummenigge selbst verschaffte sie sogar einen neuen Posten: Der 65-Jährige ersetzt im UEFA-Exekutivkomitee den scheidenden Juventus-Turin-Präsidenten und Super-League-Antreiber Andrea Agnelli.

Super-League-Pläne lenken vom Bayern-internen Feuer ab

Warum dem FC Bayern der in Flammen stehende europäische Fußball außerdem gelegen kam? Weil er vom eigenen Feuer ablenkt, das seit Wochen am Klubgelände an der Säbener Straße vor sich hin lodert und im Vergleich nun auf einmal ziemlich klein wirkt. Bei all dem Super-League-Wirbel der vergangenen Tage konnte man es fast vergessen, also nochmal zur Erinnerung: Es geht um den Streit zwischen Sportvorstand Hasan Salihamidzic und Trainer Hansi Flick.

Die bisher höchste Stichflamme warf dieses Feuer erst vor vier Tagen nach dem 3:2-Sieg gegen den VfL Wolfsburg. Ohne vorherige Rücksprache mit den Klub-Bossen machte Flick seinen Wunsch nach vorzeitiger Auflösung seines eigentlich bis 2023 laufenden Vertrages noch in diesem Sommer öffentlich, was der FC Bayern Tags darauf in einer Pressemitteilung "missbilligte".

Ja, der Klub verschickt derzeit viele Pressemitteilungen. Eine ähnliche Dichte davon gab es letztmals wohl im vergangenen Oktober, als Salihamidzic Flick kurz vor Ende der Transferphase noch ein paar Spieler für die Kaderbreite besorgte und der Öffentlichkeit vorstellte. Deren Qualität ist übrigens einer der zahlreichen Späne, die das Bayern-interne Feuer entfachten.

Nach den Vorgängen vom Wochenende musste man ernsthafte Sorge haben, dass dieses stabil brennende Feuer beim FC Bayern mit weiteren Sticheleien und Enthüllungen völlig außer Kontrolle gerät und sich im Nachhinein eine schwarze Rauchwolke über die erfolgreichste Saison der Klub-Geschichte mit dem historischen Sextuple legt. Doch das wollen die beiden Protagonisten sofern noch möglich offenbar unbedingt vermeiden.

Flick und Salihamidzic klatschten miteinander ab

Das Spiel gegen Leverkusen war der erste gemeinsame Auftritt von Flick und Salihamidzic seit der Stichflamme und dabei bemühten sie sich sichtlich, kein weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Verbale Attacken blieben aus und nach den Toren von Eric Maxim Choupo-Moting (7.) und Joshua Kimmich (13.) klatschten sie sogar miteinander ab. Es scheint, als hätte Flicks Verkündung eine befreiende Wirkung gehabt. Es scheint, als könnten sich die beiden mit dem Ende vor Augen nochmal für ein paar Wochen zusammenraufen.

Die Spieler des FC Bayern zeigten gegen Leverkusen unterdessen dominanten, aber auch zielstrebigen Ballbesitzfußball und gewannen verdient und ungefährdet mit 2:0. Kurz: Sie zeigten Flick-Fußball. "Ich genieße es, wenn die Mannschaft so spielt wie in der ersten Halbzeit", lobte der Trainer im Anschluss.

Weil der einzige Verfolger RB Leipzig gegen den 1. FC Köln verlor, beträgt der Vorsprung an der Tabellenspitze vier Spieltage vor Saisonende zehn Punkte. Mit einem Sieg beim FSV Mainz 05 am kommenden Samstag könnte der FC Bayern den neunten Meistertitel in Folge und insgesamt 31. vorzeitig fixieren.

Und das, nachdem das Titelrennen vor nicht einmal zwei Wochen aufgrund erschwerender Bedingungen auf einmal wieder etwas offen schien: Der FC Bayern patzte gegen Union Berlin, scheiterte dann im Champions-League-Viertelfinale dramatisch an Paris Saint-Germain, litt unter einer fast schon grotesken Verletzungs- und Krankheitsserie sowie dem Feuer im Hintergrund.

FC Bayern: Spieler wollen würdigen Flick-Abschied

Die verbliebenen fitten (und wiedergenesenen) Spieler blendeten all das aber aus und steuern auf einen versöhnlichen Saisonabschluss zu, den sie in erster Linie ihrem so geschätzten Trainer gönnen. "Er hat es verdient, dass man für ihn jeden Tag Gas gibt", sagte Kimmich.

Leon Goretzka ergänzte: "Die ganze Konstellation mit Hansi zusammen motiviert uns einfach, den Fußball, welchen wir die letzten 18 Monate gezeigt haben, in den restlichen Spielen abzurufen, weiter Spiele zu gewinnen und dieser Zeit einen würdigen Abschied zu gönnen."

Der Sieg gegen Leverkusen war ein großer Schritt zu diesem würdigen Abschied. Nach Abpfiff stand Flick an der Mittellinie und umarmte jeden seiner Spieler, rund fünf Meter dahinter klatschte Salihamidzic mit jedem ab. Während sie umarmten und abklatschten kam übrigens eine weitere Pressemitteilung an: Manchester City ergab sich als erster Super-League-Klub dem selbst gelegten Feuer, weitere folgten.

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