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Fussball

FC Bayern München - Lucas Hernandez überzeugt in Augsburg: Ungeschlagen in vielversprechender Gemengelage

Lucas Hernandez überzeugte beim Bayern-Sieg in Augsburg.

Dank des 1:0-Sieges beim FC Augsburg hielt der FC Bayern München seinen Vorsprung an der Tabellenspitze. Bester Spieler auf dem Platz war dabei der Linksverteidiger, den sich Trainer Hansi Flick auch als Nachfolger des abwanderungswilligen David Alaba als Abwehrchef vorstellen kann: Lucas Hernandez.

Zum 227. Mal stand David Alaba beim Spiel gegen den FC Augsburg in der Bundesliga für den FC Bayern München in der Startelf und zog damit in der klubinternen Bestenliste auf Platz 18 mit Roland Wohlfarth gleich. Wohlfarth stürmte von 1984 bis 1993 für den FC Bayern und war damals Protagonist einer immer wiederkehrenden Geschichte.

Weil der Klub Wohlfarth trotz dessen Treffsicherheit nie wirklich vertraute, holte er fast jedes Jahr für viel Geld einen neuen Stürmer aus einem fernen Land. Unter anderem kamen Mark Hughes, Alan McInally, Radmilo Mihajlovic, Brian Laudrup und Adolfo Valencia. Am Ende aber war das Geld meist wenig wert, weil Wohlfarth spielte und traf. Erst nach neun Jahren und 119 Treffern hatte er genug von der mangelnden Wertschätzung und wechselte zur AS Saint-Etienne. Wirklich hinterhergetrauert hat ihm beim FC Bayern niemand.

Und damit zu David Alaba, der nun gleich viele Bundesliga-Startelfeinsätze für den FC Bayern vorzuweisen hat wie Wohlfarth. Den 28-jährigen Österreicher wollte der FC Bayern nie degradieren, während seiner langjährigen Tätigkeit als Linksverteidiger und aktuellen als Abwehrchef bekam er auch keine namhafte Konkurrenz. Das Vertrauen war stets groß und umso mehr wird seinem wohl unausweichlichen Abschied hinterhergetrauert werden.

Flick lobt Hernandez und beordert ihn in die Startelf

Dass Alaba den Klub im kommenden Sommer ablösefrei verlassen wird, hatte sich schon seit den im Herbst gescheiterten Verhandlungen über eine Verlängerung angedeutet. Nun aber wird es immer konkreter, eine Einigung mit Real Madrid dürfte kurz bevorstehen. Vor dem Spiel in Augsburg gab Trainer Hansi Flick erstmals offen zu, dass er mit Alabas Abschied rechnet.

Was nun? "Wenn ein Spieler mit der Qualität den Verein verlässt, ist es klar, dass man einen anderen Spieler holen muss, holen wird", sagte Flick und dachte dabei womöglich an Eder Militao (23, Real Madrid) und Dayot Upamecano (22, RB Leipzig). Er sagte aber auch: "Ich traue es ihm zu, der Nachfolger von David Alaba zu werden." Er, das ist Lucas Hernandez. 24 Jahre alt, im Sommer 2019 für 80 Millionen Euro von Atletico Madrid verpflichtet und von Karl-Heinz Rummenigge als "bester Innenverteidiger der Bundesliga" vorgestellt.

Ein finales Urteil über diese Aussage lässt sich bisher nicht fällen, weil Hernandez kaum in der Innenverteidigung spielte. Hin und wieder durfte er als Linksverteidiger ran und phasenweise gar nicht. Manchmal aus Verletzungsgründen, manchmal entzog ihm Flick schlicht das Vertrauen. Womöglich aber um seiner Nachfolger-Aussage Nachdruck zu verleihen, beorderte der Trainer Hernandez nach drei Bundesligaspielen ohne Einsatz in Augsburg statt Alphonso Davies in die Startelf.

Lucas Hernandez überzeugte in Augsburg offensiv und defensiv

Hernandez durfte zwar erneut nicht auf seiner Paradeposition spielen, überzeugte aber auf links: Oft schaltete er sich ins Offensivspiel ein und holte bei einem solchen Vorstoß den Elfmeter heraus, den Robert Lewandowski zum letztlich entscheidenden 1:0 verwandelte (13.). Defensiv stand Hernandez unterdessen sicher und bestritt beim FC Bayern die meisten Zweikämpfe, von denen er rund 58 Prozent gewann. Mehrmals warf er sich gar so energisch in ein Duell, dass er anschließend auf dem Rasen landete und behandelt werden musste.

"Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht, war sehr aggressiv und hat auch nach vorne gute Akzente gesetzt", lobte Flick. Das Worte "aggressiv" benutzt er in fast jedem seiner Sätze über Hernandez, das mit den "guten Akzenten nach vorne" ist aber eine eher neue Beobachtung Flicks und dürfte ihm als Freund der Spielkultur ganz besonders gefallen.

Offensiv glänzte Hernandez wie die ganze Mannschaft hauptsächlich in der überzeugenden ersten Halbzeit. Als der FC Bayern nach der Pause immer ideenloser und wackeliger wurde, war er vor allem mit seiner ureigenen Fähigkeit als aggressiver Fighter gefragt. "Wenn man aus der zweiten Halbzeit etwas Positives herausziehen will", sprach Flick, "dann, dass die Mannschaft gefightet hat und die Null gehalten hat."

Erstmals seit dem 5:0 gegen Eintracht Frankfurt am 5. Spieltag kassierte der FC Bayern in der Bundesliga kein Gegentor. Entscheidenden Anteil daran hatten neben Hernandez und Manuel Neuers rechtem Torpfosten, der in der 76. Minute Alfred Finnbogasons Elfmeter parierte, auch die in den vergangenen Wochen so viel kritisierten Innenverteidiger.

FC Bayern: Die unklare Zukunft der Innenverteidiger

Alaba ließ sich die neu aufflammenden Spekulationen über seine Zukunft in Augsburg nicht anmerken und wird bis zu seinem Abschied der unumstrittene Abwehrchef bleiben. An seiner Seite überzeugte Jerome Boateng. Auch sein Vertrag läuft im kommenden Sommer aus, eine finale Entscheidung ist noch nicht gefallen. Niklas Süle saß dagegen erneut 90 Minuten lang auf der Bank, seine Formkrise erscheint eklatant.

Die Zukunft der drei am meisten eingesetzten Innenverteidiger des FC Bayern ist aktuell völlig offen, die finanziellen Mittel des Klubs für Transfers aufgrund der Corona-Pandemie gleichzeitig begrenzt. Für Hernandez ist das eine durchaus vielversprechenden Gemengelage. Er kann sich nach Flicks Nachfolger-Aussage mit guten Leistungen als Linksverteidiger wie in Augsburg eine hervorragende Position schaffen im Kampf um die Rolle des Erben Alabas, der einst auch von der Seite in die Mitte gewechselt war.

Mit dem 1:0-Sieges in Augsburg setzte Hernandez unterdessen auch eine beachtliche Serie fort: Der FC Bayern hat noch kein Bundesligaspiel verloren, in dem er auf dem Platz stand.

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