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Fussball

VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach 2:2: Wamangituka verwandelt in letzter Sekunde Aufreger-Elfmeter

Stuttgart hat sich von Gladbach mit 2:2 getrennt.

Der VfB Stuttgart hat Borussia Mönchengladbach am 16. Spieltag der Bundesliga ein 2:2 (1:0) abgetrotzt. Silas Wamangituka trifft mit der letzten Aktion des Spiels per Elfmeter.

Eine lange eher aufregerfreie Partie ist - sehr zum Ärger der Gladbacher - mit einem Tor in letzter Sekunde zu Ende gegangen. Stuttgarts Silas Wamangituka erzielte per Elfmeter in der sechsten Minute der Nachspielzeit den Treffer zum 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach. Kalajdzic war zuvor im Strafraum nach einer recht sanften Umarmung Bensebainis von hinten zu Boden gegangen. Die TV-Bilder legen aber nahe, dass der Stürmer eher über den Fuß seines Mitspielers Waldemar Anton stolperte und danach erst mit Bensebaini zu Boden fiel. Schiedsrichter Brych hatte zunächst auf Weiterspielen entschieden, war aber vom VAR umgestimmt worden.

Brych erkannte nach dem Spiel - und dem neuerlichen Sichten der TV-Bildern - seinen Fehler und sagte bei Sky: "Bensebaini geht ein hohes Risiko, weil er seinen Gegenspieler umklammert. Aber letztlich gibt es noch einen Kontakt vom eigenen Spieler am Fuß und der war wohl mitentscheidend. Wenn man den Elfmeter direkt gibt, dann muss er akzeptiert werden. Mit dem Eingriff des Videoschiedsrichters bleiben Restzweifel."

Er habe lediglich gesehen, wie Bensebaini die Hände um Kalajdzic gehabt habe. Den Fußtritt Antons habe er nicht gesehen und er sei ihm auch nicht vom VAR vorgespielt worden. "Es liegen zwei Kontakte vor, es ist eine komplexe Szene. Der Kontakt unten ist verborgen geblieben. Live war mir das einen Tick zu wenig. Stuttgart kann mit dem Elfmeter glücklich sein", sagte Brych.

Die entscheidende Szene hatte unmittelbar nach Abpfiff die Emotionen hochkochen lassen. "Das ist eine absolute Frechheit. Breel Embolo hat 50-mal im Spiel die Arme so um seinen Körper herum. Und in der Situation den Hinweis zu kriegen, dass das eine klare Fehlentscheidung gewesen sein soll - Oh Mann", sagte ein sehr aufgebrachter Jonas Hofmann.

"Ich hab keine Schwalbe gemacht. Ich habe mich ein bisschen in den Gegner hineingelegt und habe gespürt, wie ich Arme am Bauch hatte und nicht nach vorne rennen konnte. Vielleicht bin ich auch über Antons Fuß gestolpert, das kann ich nicht genau sagen. Ich hatte aber schon das Gefühl, dass ich ein bisschen gezogen wurde", meinte Kalajdzic.

Stuttgarts Trainer Pellegrino Matarazzo sagte diplomatisch: "Ich glaube, dass man den Elfmeter geben kann, aber ist das eine 100-prozentige Fehlentscheidung? Ich weiß es nicht."

Den Unterschied in der insgesamt ausgeglichenen Partie hatte auf der anderen Seite zuvor, wie so oft in den letzten Wochen, Lars Stindl gemacht. Der Techniker erzielte per Elfmeter seinen neunten Saisontreffer und bereitete den Siegtreffer Zakarias mit einem Steilpass vor.

VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach: Die Analyse

Zuletzt hatte der VfB Stuttgart im April 2019 ein Samstagabendspiel in der Bundesliga bestritten. Dementsprechend hatte sich VfB-Coach Pellegrino Matarazzo, der damals noch Co-Trainer von Julian Nagelsmann bei der TSG Hoffenheim gewesen war, vor dem Anpfiff der Partie gegen Borussia Mönchengladbach gefreut. "Das ist für uns unsere Champions League heute: Abendspiel, dazu ein schöner, frisch verlegter Rasen", hatte Matarazzo bei Sky gesagt.

Leider war der Unterhaltungswert des Spiels des Überraschungsaufsteigers gegen den Champions-League-Teilnehmer auf dem frisch verlegten, aber offensichtlich etwas rutschigen Rasen dann bis zum sehr lauten Schlussakkord nicht champions-league-würdig.

Der VfB überließ den Gladbachern zunächst den Ball, zog erst tief in der eigenen Hälfte ein recht zurückhaltendes Pressing auf, während die schnellen Spitzen Wamangituka, Gonzalez und Klimowicz vergeblich auf Zuspiele warteten oder die wenigen Bälle, die sie bekamen, entweder bald wieder verloren oder nicht im Tor unterbringen konnten (Gonzalez/17., 30.). Weil die Gladbacher aber auch nicht gerade vehement die Abwehrlinie anrannten, entwickelte sich eine Partie, in der sich beide Mannschaften lange abtasteten, ohne dass viel mehr passierte.

So geriet eine Aktion, die rein gar nichts mit dem Spielgeschehen zu tun hatte, für den unbeteiligten Zuschauer zum Höhepunkt der ersten halben Stunde: zwei VfB-Mitarbeiter flickten während einer kurzen Verletzungsunterbrechung mit einem Kabelbinder das Tornetz hinter Gregor Kobel.

Die Mitarbeiter leisteten tadellose Arbeit, zumindest blieb der Ball im Tor, als Lars Stindl in der 35. Minute seinen Foulelfmeter geradezu ins Netz knallte. Sosa hatte Lainer zuvor einigermaßen unnötig, weil noch recht weit von der Gefahrenzone und mit genügend Mitspielern um sich, umgegrätscht, Schiedsrichter Brych sofort auf Strafstoß entschieden. Stindl, seit Wochen in bestechender Form, hatte die Szene mit einem präzisen Durchstecker selbst eingeleitet.

Auch das Tor brachte keine der beiden Mannschaften, die in dieser Saison ja durchaus schon spektakuläre Spiele gezeigt haben, von ihrer Linie ab. Die Spieler schienen so sehr darauf bedacht, keine Fehler zu machen, dass sie darüber ein wenig das Fußballspielen vergaßen.

Matarazzo hatte in der zweiten Halbzeit ein glückliches Händchen mit seiner ersten Auswechslung: Sasa Kalajdzic war kaum auf dem Platz, als der neue Stürmer eine kurze Unordnung in der Gladbacher Staffelung zu einem weiten Ball auf Gonzalez nutzte, der per Kopf den 3000. Bundesligatreffer des VfB erzielte (58.).

Lange über den Jubiläumstreffer freuen konnten sich die Stuttgarter nicht: Zakaria rannte nach Vorlage von, wem sonst?, Stindl nur drei Minuten später dem viel zu langsamen Stenzel davon und vollendete mit der ersten Gladbacher Chance im zweiten Durchgang zum 2:1.

Der VfB ließ sich von dem neuerlichen Rückstand nicht lange beeindrucken und rannte die Gladbacher nun mutiger und konsequenter an. Insgesamt war die zweite Halbzeit deutlich rassiger als die erste, jedoch war der VfB vor dem Tor zu ineffektiv. Umso glücklicher waren die Stuttgarter, dass Brych und der VAR ihnen in der sechsten Minute der Nachspielzeit den Elfmeter schenkten - Wamangituka verwandelte.

VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach: Die Stimmen zum Spiel

Pellegrino Matarazzo (Trainer VfB Stuttgart) bei Sky ...

... zum Spiel: "Wir glauben immer daran, weil wir uns immer wieder für den Aufwand belohnt haben. Die Leistung war positiv. Wir waren ab der 20. Minute im Spiel und haben gut gepresst, es war eine gute Leistung der Jungs. Darauf kann man aufbauen."

... zur Frage, weshalb Stuttgart zu Hause nicht gewinnen kann: "Ich werde immer darauf angesprochen. Aber ganz ehrlich. Die Leistung hat gestimmt. Wir haben gegen eine sehr starke Gladbacher Mannschaft gepunktet. Das Umfeld macht sich mehr Gedanken darüber als ich. Wenn die Leistung nicht stimmen würde, dann hätte ich Bedenken."

... zum Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit: "Er hat beide Hände an ihm und zieht ihn zurück. Ich glaube, dass es ein Elfmeter ist. Ob es eine 100-prozentige Fehlentscheidung ist, weiß ich nicht. Normalerweise kann man das pfeifen."

 

Sasa Kalajdzic (VfB Stuttgart) ...

... zum Spiel: "Wir haben richtig gut mitgespielt, aber ein bisschen gebraucht, bis wir im Spiel waren. Ich hatte nicht das Gefühl gehabt, dass die Gladbacher gefährlicher waren, sondern eher, dass wir das nächste Tor schießen würden. Die Mannschaft hat immer den Willen, eine Niederlage noch abzuwenden."

... zum Elfmeterpfiff und dem Foulspiel in der Nachspielzeit: "Ich kann mich nicht genau erinnern, aber ich habe keine Schwalbe gemacht. Ich habe mich ein bisschen in den Gegner hineingelehnt und wollte mit dem richtigen Timing zum Ball gehen. Dann habe ich gespürt, dass ich am Bauch festgehalten werde und nicht nach vorne rennen konnte. Vielleicht bin ich auch über den Fuß von Waldemar Anton gestolpert. Ob es ein Foul war oder nicht, ist schwer zu sagen. Ich will mich nicht festlegen, aber ich einfach nur froh, dass wir noch den Punkt geholt haben."

... zur Frage, ob es ein Elfmeter war oder nicht: "Jein."

Marco Rose (Trainer Borussia Mönchengladbach) ...

... zum Spiel: "Insgesamt haben wir ein gutes Spitzenspiel gesehen. Viel Tempo und zwei gute Mannschaften. In der ersten Halbzeit waren wir gut. Stuttgart hat aber auch da schon Phasen gehabt, in denen sie gezeigt haben, dass sie Umschaltstark sind. Trotzdem haben wir das gut gespielt, sind aber schlecht aus der Pause herausgekommen. Dennoch ist es schade für die Jungs, weil sie viel investiert haben. Aber wir sind aktuell in einer solchen Phase, in der wir so ein Tor bekommen."

... zum Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit: "Grundsätzlich kann man sich cleverer anstellen und die Hände weglassen. Aber wenn man die Szene aus unterschiedlichen Winkeln betrachtet, dann sieht man relativ deutlich, dass Anton seinen eigenen Mitspieler ins Straucheln bringt und Kalajdzic in Bensebaini hineinfällt.

... zum Effekt des Sieges gegen den FC Bayern (vor dem Spiel): "Das Ergebnis heute gegen Stuttgart muss man nicht zwingend auf einen Effekt zurückführen. Aber wir wollen ausschließen, dass wir in irgendeiner Form nachlassen. Wir haben ein Bundesligaspiel gewonnen und unsere Aufgabe ist es heute dranzubleiben, gegen einen schwierigen Gegner."

Jonas Hofmann (Borussia Mönchengladbach) ...

... zum Spiel: "Es war super, wie wir nach dem Ausgleich zurückgekommen sind und noch die Führung erzielt haben. Danach haben wir aber kaum noch etwas nach vorne kreiert und nur noch verteidigt. Man muss aber auch mal dreckig Spiele gewinnen."

... zum Stuttgarter Elfmeter: "In der heutigen Zeit ist es so, dass die Spieler kaum ihre Meinung sagen dürfen. Wenn ich sie jetzt kundtun würde, würde ich wohl für den Rest der Saison gesperrt werden. Das ist eine absolute Frechheit, ganz klar. Ich weiß nicht, was man da denkt. Breel Embolo wird 50-mal so gefoult, aber wir bekommen keinen einzigen Pfiff und in der 94. Minute pfeift dieser Schiedsrichter ein Foul, oder er kriegt einen Hinweis, dass es eine klare Fehlentscheidung war. Es ist Wahnsinn, sowas habe ich noch nie erlebt. Ich weiß nicht, wofür wir einen Videoschiedsrichter haben. Das Spiel wurde heute durch zwei, drei Personen entschieden, das wissen sie hoffentlich selber."

Christoph Kramer (Borussia Mönchengladbach) ...

... zum ersten Gegentor: "Die Flanke aus dem Halbfeld ist natürlich gut. Wir haben einen Ballverlust, sind aufgerückt und dann spielen die das gut über die Außen. Wir stehen nicht schlecht, aber der Ball ist überragend und schwer zu verteidigen."

... zum Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit: "Ich bin ein großer Fan davon, dass man sich strittige Szenen anguckt. Aber wenn man sich die Szene anguckt, dann kann man nie und nimmer auf die Entscheidung kommen, dass das eine klare Fehlentscheidung ist."

Felix Brych (Schiedsrichter) ...

... zum Elfmeterpfiff in der Nachspielzeit: "Bensebaini geht ein hohes Risiko, weil er seinen Gegenspieler umklammert. Aber letztlich gibt es noch einen Kontakt vom eigenen Spieler am Fuß und der war wohl mitentscheidend. Wenn man den Elfmeter direkt gibt, dann muss er akzeptiert werden. Mit dem Eingriff des Videoschiedsrichters bleiben Restzweifel."

... zur Frage, ob er den Kontakt am Fuß übersehen hat: "Das habe ich nicht gesehen. Das kann man auf dem Platz nicht erkennen, weil man nur auf einen Bereich des Körpers gucken kann. Ich habe nur die Hände gesehen. Vom Gefühl her war es einen Tick zu wenig. Auf den Kontakt am Fuß wurde ich nicht hingewiesen, den habe ich erst jetzt, mit einer zeitlichen Verzögerung, gesehen. Es ist eine komplexe Szene, weil zwei Kontakte vorliegen. Der Kontakt unten ist uns verborgen geblieben. Stuttgart kann mit dem Elfmeter glücklich sein."

VfB Stuttgart - Borussia Mönchengladbach: Die Aufstellungen

Stuttgart: Kobel - Stenzel (82. Didavi), Anton, Kempf - Wamangituka, Endo, Sosa - Mangala, Castro (74. Klement) - Klimowicz (56. Kalajdzic), Gonzalez (82. Coulibaly). - Trainer: Matarazzo

Mönchengladbach: Sommer - Lainer, Ginter, Elvedi, Bensebaini - Kramer (71. Herrmann), Neuhaus, Zakaria (89. Benes) - Hofmann, Stindl (72. Wolf), Embolo (61. Plea). - Trainer: Rose

Die Daten des Spiels VfB Stuttgart gegen Borussia Mönchengladbach

  • Tore: 0:1 Stindl (35./FE), 1:1 Gonzalez (58.), 1:2: Zakaria (61.), 2:2 Wamangituka (90.+6)
  • Bes. Vorkommnisse: Lars Stindl verwandelt Foulelfmeter (37.). Brych entscheidet nach VAR auf Foulelfmeter für VfB (90.+6), den Wamangituka verwandelt.

  • Gladbach traf im 15. BL-Spiel in Folge, das war der Borussia innerhalb einer BL-Saison zuvor letztmals 1990/91 gelungen (16 Spiele in Folge).
  • Mit seiner 12 Torbeteiligung in dieser BL-Saison stellt Stindl bereits jetzt seinen Wert aus der kompletten Vorsaison ein.
  • 8 seiner 9 Saisontore erzielte Stindl auswärts - 8 Auswärtstore sind Ligabestwert zusammen mit Robert Lewandowski.
  • Jubiläum: Nicolas Gonzalez erzielte das 3000. Bundesliga-Tor des VfB Stuttgart.
  • Zu Hause kassierte in diser BL-Saison nur der 1. FC Köln mehr Gegentore (18) als Stuttgart (15).
  • Der VfB erzielte 11 Tore in der Schlussviertelstunde, so viele wie kein anderes Team.

Der Star des Spiels: Lars Stindl (Borussia M'Gladbach)

Fünf seiner neun Saisontore erzielte Gladbachs bester Torschütze und seit Wochen mit Abstand auch bester Spieler per Elfmeter. Stindl ist nervenstark, wo es starke Nerven braucht. Doch er ist viel mehr als das. In einem insgesamt eher trüben Spiel sorgte er, auch während der Ball lief, für die lichten Momente und bereitete etwa auch das 2:1 durch Zakaria vor. Mit nun 13 Torbeteiligungen hat er seine Quote aus der Vorsaison übertroffen.

Der Flop des Spiels: Gonzalo Castro (VfB Stuttgart)

Als Mittelfeldspieler auf die wenigsten Ballkontakte aller Feldspieler zu kommen, ist eine Leistung für sich. Jedoch eher keine sehr gute. Castro schaffte dies in der ersten Halbzeit. Auch nach dem Wiederanpfiff tauchte der Ex-Nationalspieler weitgehend ab, kam bis zu seiner Auswechslung in der 74. Minute auf nur 35 Ballkontakte.

Der Schiedsrichter: Felix Brych

Der Münchner ließ sich zunächst immerhin nicht einlullen von der Partie und war blitzwach, als er zum ersten Mal gebraucht wurde. Entschied nach Sosas Grätsche an Lainer sofort - und völlig zu Recht - auf Strafstoß. Verlor aber danach die Linie in seinen Entscheidungen. Lag beim zweiten Elfmeter, den er nicht geben wollte, zunächst richtig. Ließ sich aber vom VAR und den Bildern umstimmen - und sorgte so für den verständlichen Ärger auf Gladbacher Seite. Gab seinen Fehler hinterher zu - bemerkenswert.

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