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Fussball

FC Bayern München - 1. FSV Mainz 05 5:2 nach 0:2! Das Imperium schlägt doch noch zurück

Von Filippo Cataldo/Dennis Melzer
Der FC Bayern besiegte Mainz 05 dank einer starken zweiten Halbzeit.

Dank einer Energieleistung in der zweiten Halbzeit hat der FC Bayern München den FSV Mainz 05 am 14. Bundesliga-Spieltag nach einem 0:2-Rückstand noch 5:2 besiegt und die Tabellenführung zurückerobert (die Highlights im Video).

Der FSV Mainz 05 dürfte im Abstiegskampf aber viel Selbstvertrauen ziehen aus dem Auftritt der Mannschaft - auch wenn die Rheinhessen mit weiterhin nur sechs Punkten ihre schwächste Saison spielen. Anfang der zweiten Halbzeit hätten die Mainzer bei der Rückkehr der Funktionäre Christian Heidel und Martin Schmidt sogar mit 3:0 in Führung gehen können. Doch Latza traf nur den Pfosten. In der Folge schlug das bayerische Imperium zurück.

"In der zweiten Halbzeit sind wir mit einer komplett anderen Einstellung rausgekommen, das war in der ersten Hälfte zu wenig", sagte Joshua Kimmich bei Sky: "Wichtig war, dass wir eine Reaktion zeigen. Und wir hatten Glück, dass Mainz nicht das dritte Tor macht." Kimmich lobte den Gegner: "Sie hatten einen Plan, haben das Zentrum dicht gemacht, sind immer wieder auf die zweiten Bälle gegangen." Obwohl die Bayern gewusst hätten, dass sie auch so ein Spiel immer wieder drehen könnten, "müssen wir auch mal wieder einfacher Spiele gewinnen", sagte er, "so kostet es natürlich wahnsinnig viel Kraft, immer wieder Rückstände aufzuholen. Und wir haben in den nächsten Wochen sehr viele Spiele."

Leroy Sane, dem das Tor zum 2:2 gelang, sagte: "Zur Zeit brauchen wir immer einen Weckruf".

FC Bayern München - FSV Mainz 05: Die Analyse

Jan Siewert leitet normalerweise das Mainzer Nachwuchsleistungszentrum. Nach der Freistellung von Jan-Moritz Lichte und vor der Anfang der Woche erwarteten Installierung von Bo Svensson sprang der 38-Jährige als Cheftrainer beim Tabellenvorletzten ein. Und das beim FC Bayern. Und das mit Keeper Finn Dahmen, der vorher noch keine Bundesligaminute auf dem Buckel hatte und den am Rücken maladen Zentner vertrat. Was sollte da schon schiefgehen? Eben.

Siewert hatte seine Spieler genauso aufgestellt, wie man gegen Bayern spielen muss. Die 05er sortierten sich in einer 4-4-2-Grundordnung mit Raute, in der Barreiro, Fernandes und Latza im Mittelfeld mit großem Laufpensum versuchten, Bayerns Pressing zu unterbinden und Boetius die zwei Sturmspitzen unterstützte. Das klappte bemerkenswert gut, die Mainzer verschoben klug, verlagerten sich wie eine Ziehharmonika und zwangen Bayern so die gesamte Breite des Spielfelds auf. Zudem deckten sie Müller und Lewandowski konsequent und hielten die beiden meist im mittleren Spieldrittel. Die Münchner kamen kaum zum Atmen - auch, weil die Mainzer dazu noch immer wieder unwiderstehlich umschalteten.

Nach einer halben Stunde stellte Burkardt in Manier eines Eishockeyspielers klug den Körper gegen Boateng und später auch gegen Lewandowski und hämmerte den Ball ins Tor (32.). Ein Willenstreffer des Underdogs, der alles andere als unverdient war.

Bayern ging also zum achten Mal in Serie in Rückstand, Manuel Neuer blieb sogar zum neunten Mal hintereinander nicht ohne Gegentor. Und das, obwohl der Keeper wieder mal die Weltklasseleistung abrief, zu der die Mainzer ihn zwangen. In der 40. Minute rettete er vor Quaison. Mainz erhöhte dennoch - in rotzfrecher Manier. Brosinski schnibbelte einen Freistoß ins Zentrum, Müller bekam Hack nicht gestellt, der zum 2:0 köpfelte. Die Sensation lag spätestens jetzt in der Luft.

Flick wechselte zur Pause zwei Verteidiger aus, brachte für die enttäuschenden Boateng und Pavard Süle und Goretzka. Kimmich nahm Pavards Rolle als Rechtsverteidiger ein - und interpretierte sie sehr laufintensiv und dominant.

Doch ehe das Imperium zurückschlug, geriet Bayern beinahe mit 0:3 in Rückstand. Latza traf völlig freistehend aus der Drehung aus wenigen Metern den Pfosten, auch da war Neuer noch ganz leicht am Ball.

Die Bayern benötigten daraufhin eine starke Einzelaktion ihres Mittelfeldchefs Kimmichs, der nach seiner Meniskus-OP sein Startelf-Comeback gab, um den Anschlusstreffer zu erzielen. Vor seinem Kopfball hatte Kimmich die Chance selbst eingeleitet. Über Gnabry und Lewandowski war der Ball wieder bei ihm gelandet (50.). Auch am 2:2 war Kimmich beteiligt. Von ihm kam der letzte Pass auf Sane, der mit dem Robben-Trick unwiderstehlich netzte (56.).

Mainz gab sich auch nach dem 2:2 nicht auf, drei Minuten später traf Quaison mit einem Dropckick die Latte. Doch Bayern war nun im Raubtiermodus angekommen. Davies zwang mit einer scharfen Flanke den Mainzer Barreiro zum Eigentor (65.) - der Treffer wurde jedoch wegen Abseits annuliert. Dennoch ging's dahin, die Bayern-Lawine überrolte Mainz: Süle erhöhte auf 3:2 (70.), Lewandowski per Elfmeter zum 4:2 (76.).

FC Bayern München - FSV Mainz 05: Die Aufstellungen

FC Bayern: Neuer - Pavard (46. Goretzka), Boateng (46. Süle), Alaba, Davies - Tolisso (88. Costa), Kimmich - Sane, T. Müller (88. Choupo-Moting), Gnabry (76. Musiala)- Lewandowski.

FSV Mainz 05: Dahmen - Brosinski (80. Stöger), St. Juste, Hack, Mwene (89. Papela),- Barreiro, Latza, Fernandes - Quaison (88. Szalai), Boetius (71. Onisiwo), Burkardt (80. Mateta).

FC Bayern München - 1. FSV Mainz 05: Die Daten des Spiels

  • Tore: 0:1 Burckardt (32.), 0:2 Hack (44.), 1:2 Kimmich (50.), 2:2 Sane (55.), 3:2 Süle (70.), 4:2 Lewandowski (76.), 5:2 Lewandowski (82.)
  • Bes. Vorkommnis: VAR annuliert 3:2 für FC Bayern wegen Abseits (65.).
  • Torhüter Finn Dahmen (22) feierte bei Mainz seine Bundesliga-Premiere, er vertrat Robin Zentner (26), der es am Rücken hatte.
  • Spezialist für schwere Gegner: Burkhardt erzielte sein 2. BL-Tor - das erste schoss er vergangene Saison auswärts in Dortmund.
  • Bayern geriet zum achten Mal in Serie in Rückstand - das war den Münchnern nie zuvor in ihrer BL-Historie passiert.
  • Obwohl die Bayern auch im 8. BL-Spiel in Rückstand gerieten, gingen sie nicht als Verlierer vom Platz - in 8 Spielen in Folge trotz Rückstand nicht zu verlieren gelang noch keinem Team zuvor in der BL-Historie.
  • Die Bayern holten in dieser Saison bereits 18 Punkte nach Rückstand, so viele wie noch nie zuvor ein BL-Team nach 14 Spieltagen.
  • Manuel Neuer blieb zum neunten Mal in Serie ohne Weiße Weste - das war ihm zuvor nur im Herbst/Winter 2018 passiert.
  • Bayern lag zuletzt im Oktober 2018 zur Pause mit zwei Toren zurück. Am Ende verlor der Rekordmeister zu Hause 0:3 gegen Gladbach.
  • Mit 6 Punkten nach 14 Spielen und nur einem Saisonsieg (3 Remis, 10 Niederlagen) spielt Mainz weiterhin die schwächste BL-Saison der Vereinsgeschichte. Mit maximal 6 Punkten nach 14 Spielen stiegen in der BL-Historie alle 8 Mannschaften ab.

Der Star des Spiels: Jan Siewert (FSV Mainz 05)

Auch wenn der Mut des Interimstrainers letztlich nicht belohnt wurde: So wie der 38-Jährige Nachwuchstrainer der Mainzer muss man sich in die Bundesliga einführen. Trieb die Spieler zu einer erfrischenden Leistung, von ihm dürfte noch zu hören sein.

Der Flop des Spiels: Jerome Boateng (FC Bayern)

Bayerns Innenverteidiger gewann keinen seiner drei Zweikämpfe in der ersten Halbzeit, wirkte bei Burkardts Check vor dem 0:1 fast überrascht, dass ein Gegenspieler so resolut um den Ball kämpfen würde und erhielt fürs Meckern Gelb. Hatte zuvor schon ein Sprintduell gegen den Mainzer verloren, das zur ersten Großchance Burkardts geführt hatte. Flick erlöste ihn nach 45 Minuten, brachte Süle.

Der Schiedsrichter: Markus Schmidt

Scheint ein Anhänger des körperlichen Spiels zu sein. Zeigte Boateng Gelb, als der nach Burkardts leichten Rempler vorm 0:1 allzu laut ein Foul reklamierte. Hielt seine Linie konsequent durch und pfiff auch das ein oder andere robuste Einsteigen der Münchner nicht. Verließ sich bei einem möglichen Handspiel Bayerns bei der Entstehung des 1:2 richtigerweise auf seinen Instinkt.

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