Fussball

FC Bayern - "Sehr beeindruckende Geste": Lewandowski, Coutinho und die Harmonie

Der FC Bayern ist erster Verfolger hinter RB Leipzig.

Robert Lewandowski hätte einen Dreierpack schnüren können, doch er überließ den Elfmeter beim Spiel gegen den 1. FC Köln (4:0) Neuzugang Philippe Coutinho. Nicht nur wegen dieser Szene scheint es beim FC Bayern München gerade sehr harmonisch zuzugehen.

Nach 59 Minuten wechselte Trainer Niko Kovac Jerome Boateng beim Spiel gegen den 1. FC Köln aus und weil der sich gerade auf der auswechselbankfernen Spielfeldseite befand, stand ihm noch ein langer Marsch bevor. Boateng ging also los, währenddessen foulte Kingsley Ehizibue Philippe Coutinho. Es gab Elfmeter für den FC Bayern und Rot für den Kölner. Boateng nahm es zu Kenntnis, schritt weiter, klatschte auf halbem Weg, hinter dem Tor mit den sich aufwärmenden Alphonso Davies und Thiago ab und schritt weiter.

Just als Boateng vor der Trainerbank ankam, lief Coutinho zum Elfmeter an (und zirka 21 andere Spieler mit ihm in den Strafraum), traf zum 3:0 und erzielte somit sein vermeintlich erstes Tor für den FC Bayern. Kovac aber war das in dem Moment völlig egal: Er umarmte zeitgleich lieber den ausgewechselten Boateng und flüsterte ihm ein paar Worte ins Ohr. Was, das ist nicht überliefert. Aber es wirkte vertraut.

Robert Lewandowski überlässt Philippe Coutinho den Elfmeter

Überliefert ist dagegen, was dem gefoulten Coutinho irgendwann während Boatengs Marsch ins Ohr geflüstert wurde. Vom nominellen Elfmeterschützen Robert Lewandowski bekam er die Freigabe, den Elfmeter selbst zu schießen. Ganz spontan hätte er das entschieden, erzählte Lewandowski danach. Statt nach seinen beiden Treffern zum 1:0 (abgefälschter Schuss) und 2:0 (Kopfball) selbst einen Dreierpack zu erzielen, wollte er Coutinhos "Selbstvertrauen aufbauen". Erstmals in diesem Kalenderjahr durfte jemand anderes als Lewandowski einen Elfmeter für den FC Bayern schießen.

"Es war eine sehr beeindruckende Geste", sagte Coutinho später, nachdem er gleich doppelt Selbstvertrauen aufgebaut hatte. Wegen der reingelaufenen Spieler musste der Elfmeter nämlich wiederholt werden und den zweiten schoss Coutinho sogar noch besser als den ersten. Das sahen dann auch Kovac und Boateng, die mit ihren Zärtlichkeiten zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen hatten.

Die Umarmung zwischen dem einst abwanderungswilligen und meisterfeierunwilligen Boateng und Kovac, der ihn in der vergangenen Saison oft außen vor ließ. Die Geste zwischen Lewandowski und Coutinho, zwei Spielern mit durchaus Star- und Ego-Potenzial. Es waren zwei Szenen, die sinnbildlich stehen für die Harmonie, die offenbar in der Mannschaft herrscht (während in Person von Präsident Uli Hoeneß nach außen hin gepoltert wird).

Hasan Salihamidzics Konzept geht gerade sehr gut auf

Einen beträchtlichen Anteil an dieser Harmonie hat Kovac, der den Kader gerade ganz ausgezeichnet moderiert. Seit dem Abschied von Renato Sanches wurde kein Murren mehr vernommen, weil jeder ein bisschen ran darf und die meisten auch ein bisschen jubeln dürfen. Von den 19 Spielern mit ernsthaften Einsatzansprüchen waren in dieser noch jungen Saison alle bis auf sieben an mindestens einem Tor direkt beteiligt. Und alle kamen mindestens zweimal zum Einsatz, viele schon auf unterschiedlichen Positionen.

"Die Idee der Kaderplanung ist, dass wir flexible, vielseitige Spieler haben, die auf mehreren Positionen einsetzbar sind", hatte Sportdirektor Hasan Salihamidzic vor der Saison gesagt. "Das bedeutet für jeden Spieler eine hohe Verantwortung und eine besondere Wertschätzung." Ein Konzept, das gerade sehr gut aufgeht.

Joshua Kimmich spielt bei Bedarf rechts hinten oder im Mittelfeld, Lucas Hernandez und Benjamin Pavard zentral oder Außen in der Viererkette, Serge Gnabry links oder rechts vorne. Ernsthafte Leistungseinbrüche und Ergebniskrisen rief dieses muntere Herumrotiere anders als im Herbst der vergangenen Saison bisher nicht hervor.

Robert Lewandowski spielt immer und trifft immer

Das liegt natürlich auch am Sonderfall Lewandowski, der immer und immer auf der gleichen Position spielt (was womöglich auch an einem fehlenden Ersatzmann liegt) und immer trifft (aktuell in sieben Pflichtspielen in Folge). Mit seinem Doppelpack gegen Köln erhöhte er seine Toranzahl in dieser Bundesligasaison auf neun, mehr schaffte in der Geschichte kein Spieler bis zum 5. Spieltag. Wahrscheinlich stellte er auch noch ein paar mehr Rekorde auf, die noch gar nicht recherchiert wurden.

"Er ist ein unglaublicher Spieler und Mensch", sagte Coutinho, der Lewandowski erst seit gut einem Monat kennt. Als Dank für die Elfmeterschenkung versprach er mit einem Lächeln, das seine ohnehin erstaunlich weißen Zähne noch einen Tick weißer erscheinen ließ: "Ich hoffe, dass ich ihm in Zukunft viele Assists liefern werde."

Bundesliga: Torjägerliste am 5. Spieltag

SpielerVereinTore
Robert LewandowskiFC Bayern9
Paco Alcacer*Borussia Dortmund5
Timo WernerRB Leipzig5

*ein Spiel weniger

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