Fussball

Werder Bremen - FC Bayern München 0:1: Robert Lewandowski schießt FCB zum achten Meistertitel in Folge

Robert Lewandowski bejubelt seinen Siegtreffer gegen Werder Bremen.

Der FC Bayern feiert seine erste Geister-Meisterschaft und holt zum insgesamt 30. Mal den Titel. Dank Robert Lewandowski gewannen die Münchner mit 1:0 (1:0) beim Abstiegskandidaten Werder Bremen und sind nach 32 Spieltagen nicht mehr von der Tabellenspitze zu verdrängen.

Am Ende machte es der Dauerchampion nach dem Platzverweis gegen Alphonso Davies sogar noch einmal spannend, so dass die Freude nach dem Schlusspfiff umso größer war. Vorstandsboss Karlheinz Rummenigge sprang um 22.24 Uhr im leeren Weserstadion jubelnd in die Höhe, auch seine Vorstandskollegen um Oliver Kahn ballten die Fäuste und applaudierten dem Team.

Auf dem Platz umarmten sich die Spieler mit Meistertrainer Hansi Flick, der wild umherhüpfende Thomas Müller schrie: "Wo sind die Bengalos?" Wenig später zog die Mannschaft in roten Titel-T-Shirts und Kappen mit einer großen 8 für die achte Meisterschaft in Folge vor die fast leere Ehrentribüne und machte mit den wenigen Bayern-Führungsmitgliedern die Welle.

"Wir werden uns regelkonform dem Abend widmen und den Emotionen freien Lauf lassen", kündigte Thomas Müller eine kleine Feier an. Und Präsident Herbert Hainer meinte: "Ich hoffe, wir werden noch eine Minibar finden, wo wir noch ein Gläschen kriegen."

Wie Hainer zeigte sich auch Müller stolz auf die Erfolgsserie von 19 Siegen in den vergangenen 22 Bundesligaspielen, seit Flick Anfang November Niko Kovac bei den damals kriselnden Bayern abgelöst hatte. "Wir mussten hart kämpfen, aber das beschreibt auch unsere Saison in letzten Wochen. Mit dem Comeback, das wir gestartet haben und der Art und Weise war es schon eine der emotionalsten Meisterschaften", sagte Müller.

Gegner Bremen zeigte zwar eine gute Leistung, bleibt aber nach der 18. Saisonniederlage auf dem vorletzten Tabellenplatz und muss darauf hoffen, dass die direkten Konkurrenten Düsseldorf (gegen Leipzig) und Mainz (gegen Dortmund) am Mittwoch nicht punkten.

Werder Bremen gegen FC Bayern München: Die Stimmen

Hansi Flick (Trainer FC Bayern): "Es ist sensationell, was wir in den letzten Monaten für einen Fußball gespielt haben. Man spürt Leidenschaft, Spielfreude und Kampfgeist, auch heute nach dem Platzverweis. Heute gibt es keine Kritik, weil man die Art und Weise herausstellen muss. Deswegen sind wir sehr, sehr froh. Man hat nie alleine Erfolg, sondern immer nur gemeinsam. Wir sind einfach eine Einheit und das macht mir sehr viel Spaß, da dabei zu sein.

Wir haben jetzt den ersten Schritt gemacht und unser erstes großes Ziel erreicht. Aber wir haben noch den Pokal als nächstes Ziel. Klar ist auch, die Champions League kann man nicht planen, es wird schwer genug, erstmal die Spiele gegen Chelsea zu überstehen und dann schauen wir, was da kommt. Es wird nur ein Spiel sein, da müssen wir auf den Punkt fit sein."

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender FC Bayern): "Ich bin sehr glücklich, dass wir Meister sind, das hat die Mannschaft toll gemacht. Wir hatten zu Saisonbeginn Probleme. Dann hat Hansi die Mannschaft übernommen, seitdem haben wir attraktiven und erfolgreichen Fußball gespielt. Es ist eine kuriose Meisterschaft, weil wir hier in einem leeren Stadion sind. Aber wir haben eine Serie hingelegt und sind total zufrieden, die Mannschaft hat es sich verdient. Man kann der Mannschaft und dem Trainerteam, vor allem Hansi Flick, nur ein großes Kompliment machen."

Herbert Hainer (Präsident FC Bayern): "Durch die Corona-Krise stand der Fußball vor einer Herausforderung, die wir nicht kannten. Aber ich glaube, der FC Bayern hat es sportlich wie gesellschaftlich gut gemacht. Ich bin wirklich stolz auf diesen Verein. Was Hansi Flick aus der Mannschaft gemacht hat, ist schon klasse. Wir haben alle Möglichkeiten in Pokal und Champions League und ich traue der Mannschaft alles zu. Ich bin da absolut optimistisch und zuversichtlich."

Robert Lewandowski (FC Bayern): "Das ist natürlich ein besonderer Moment, aber ohne Fans zu feiern ist ein bisschen kompliziert, da fehlt die Extra- Stimmung und Leidenschaft. Aber wir sind sehr zufrieden, dass wir Meister sind. Es war keine einfache Saison für uns, wir haben lange gekämpft, aber zum Glück haben wir es am Ende geschafft. Jetzt können wir ein bisschen feiern. Wir haben gezeigt, dass wir die beste Mannschaft in Deutschland sind."

Florian Kohfeldt (Trainer Werder Bremen): "Wir hätten heute in der Summe mehr verdient gehabt. Ein Sieg wäre vermessen, aber ein Punkt wäre drin gewesen - daher sind wir enttäuscht. Auch wenn heute Abend der Frust überwiegt, werden wir ihn nicht mit nach Mainz nehmen."

Werder Bremen gegen FC Bayern München: Die Analyse

Die Gäste, bei denen Lewandowski und Müller erwartungsgemäß nach ihren Gelbsperren wieder in die Startelf rückten, begannen furios und drängten auf die frühe Führung. Werder verlor in den Anfangsminuten fast jeden Ball sofort wieder, doch auch bei den klar überlegenen Bayern kam der letzte Pass nicht an.

Nachdem Gebre Selassie nach einem Konter nur das Außennetz traf (9.), bissen sich die Bremer mehr und mehr ins Spiel und konnten die Begegnung aus ihrer massiven Defensive heraus bis zur Pause überraschend ausgeglichen gestalten. Die Münchner hatten lediglich eine nennenswerte Chance, als der freistehende Coman am Tor vorbei köpfte (24.).

Doch als alles nach einem gerechten 0:0 zur Pause aussah, traf Lewandowski nach schöner Chip-Vorlage von Boateng doch noch zum 1:0 (43.) - der 31. Saisontreffer des alten und ziemlich sicher auch neuen Torschützenkönigs.

Nach dem Wechsel versuchten die Bremer zwar mit ihren beschränkten Mitteln, auf den Ausgleich zu spielen, doch die Münchner Hintermannschaft mit den starken Alaba und Boateng stand gewohnt sicher. Durch die offensiveren Gastgeber wurden die Räume für die ballsicheren Bayern aber immer größer, sodass der FCB in der zweiten Hälfte mehr als 60 Prozent Ballbesitz hatte und zwangsläufig häufiger zum Abschluss kam, allerdings nicht zwingend genug für das entscheidende 2:0 agierte.

So blieben die mutigen Bremer im Spiel, zumal es der FC Bayern durch Davies' unnötigen Platzverweis (79.) selbst nochmal spannend machte. Die Platzherren warfen tatsächlich alles nach vorne und Trainer Florian Kohfeldt brachte sogar in Füllkrug und Oldie Pizarro zwei weitere Stürmer. Doch Neuer verhinderte mit einer Glanztat gegen Osako in der 90. Minute den Ausgleich.

Werder Bremen gegen FC Bayern München: Die Aufstellungen

  • Bremen: Pavlenka - Veljkovic (88. Pizarro), Vogt (46. Langkamp), Moisander - Gebre Selassie, Maximilian Eggestein, Klaassen (84. Füllkrug), Friedl - Bittencourt (62. Sargent), Osako, Rashica (62. Bartels).

  • München: Neuer - Pavard, Jerome Boateng, Alaba, Davies - Kimmich, Goretzka - Coman, Thomas Müller, Gnabry (82. Hernandez) - Lewandowski.

Die Daten des Spiels Werder Bremen gegen FC Bayern München

Tor: 0:1 Lewandowski (43.)

Gelb-Rote Karte: Davies (79.)

  • Von seinen 30 Meisterschaften hat der FC Bayern 29 seit Gründung der Bundesliga 1963 gewonnen - mehr als alle anderen Konkurrenten zusammen (28).
  • Für Müller und Alaba ist es die neunte deutsche Meisterschaft, womit sie mit Bundesliga-Rekordhalter Franck Ribery gleichzogen.
  • Der FC Bayern gewann die letzten 22 Pflichtspiele gegen den SV Werder Bremen, davon 19 in der Bundesliga - das ist die längste Siegesserie eines Teams gegen ein anderes in der Bundesliga-Historie.
  • Der letzte Bremer Sieg gegen Bayern liegt fast zwölf Jahre zurück, als die Hanseaten im September 2008 5:2 in der Allianz Arena gewannen. Der letzte Heimerfolg ist sogar beinahe 14 Jahre her (3:1 im Oktober 2006).
  • Werder kassierte gegen Bayern mit Abstand die meisten Bundesliga-Niederlagen (57) und Gegentore (218).
  • Nur 6 seiner 28 Punkte in dieser Saison holte Bremen in Heimspielen, der letzte Dreier datiert vom 1. September 2019. In der Bundesliga holte nur eine Mannschaft jemals aus den ersten 15 Heimspielen weniger Punkte: Fürth 2012/13 (nur 4).
  • Bayerns Alphonso Davies stellte mit 36,51 Stundenkilometern in der ersten Halbzeit eine neue Bundesliga-Bestmarke auf.
  • Lewandowski hat erstmals in seiner Bundesliga-Karriere 31 Tore erzielt und ist insgesamt der fünfte Spieler der Liga-Historie, der mehr als 30 mal in einer Saison getroffen hat. Vor ihm erreichten das nur Lothar Emmerich, Gerd Müller, Dieter Müller und Pierre-Emerick Aubameyang.

Der Star des Spiels: Robert Lewandowski (FC Bayern)

Der Pole avancierte abermals zum absoluten X-Faktor der Bayern, da sein Treffer sieg- und meisterbringend war. Sein 31. Saisontor war zudem eines der Kategorie "absolute Weltklasse".

Der Flop des Spiels: Davy Klaassen (Werder Bremen)

In der insgesamt sehr engagierten Bremer Mannschaft fiel der Niederländer etwas ab. Gewann im defensiven Mittelfeld nur 33 Prozent seiner Zweikämpfe und verzeichnete 16 Ballverluste.

Der Schiedsrichter: Harm Osmers

Der FIFA-Referee aus Hannover hatte die Begegnung weitgehend im Griff. Allerdings mit einer Ausnahme: Beim Nachtreten von Davies gegen Bittencourt (19.) wäre Rot statt Gelb vertretbar gewesen, allerdings kam auch kein entsprechender Hinweis aus dem Kölner Keller.

Korrekt hingegen, das vermeintliche 2:0 von Lewandowski (55.) wegen der Abseitsstellung von Flankengeber Müller abzuerkennen. Auch Gelb-Rot für Davies nach Foul an Veljkovic war absolut in Ordnung (79.).

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