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Borussia Dortmund - Schalke 4:0: Machtdemonstration im Geister-Derby! BVB führt S04 vor

Borussia Dortmund behauptete sich mit 4:0 gegen Schalke 04 - und jubelte vor leeren Rängen.

Machtdemonstration im Geister-Derby: Borussia Dortmund hat den höchsten Sieg gegen den FC Schalke 04 seit 54 Jahren gefeiert. Die Mannschaft von Lucien Favre setzte sich im heimischen Signal Iduna Park mit 4:0 (2:0) gegen das Team von David Wagner durch, das nach einer ordentlichen Anfangsphase in allen Belangen enttäuschte.

Damit rutschte Schalke auf Platz acht ab, der BVB verkürzte indes den Rückstand auf den FC Bayern auf einen Punkt. Der Tabellenführer aus München gastiert am Sonntag bei Aufsteiger Union Berlin (ab 18 Uhr im LIVETICKER).

"Was gibt es Schönes, als mit so einem Sieg in die Saison zurückzustarten? Wir haben es gut gemacht, es war definitiv nicht ganz perfekt, aber für das erste Spiel nach so langer Zeit fand ich es gut", freute sich Julian Brandt bei Sky über den 16. Dortmunder Saison-Sieg, den die Mannschaft mit einer La-Ola-Welle vor der leeren Südtribüne feierte. "Es war eine spontane Aktion", erklärte der Offensivspieler den bizarren Jubel. "Ich muss aber gestehen, dass ich auf der Bank gesessen und nicht mehr die Kraft zusammenbekommen habe, aufzustehen. Ich denke, dass die Jungs mich gut vertreten haben."

BVB - S04: Die Stimmen zum Derby

Lucien Favre (Trainer Borussia Dortmund): "4:0 gegen Schalke - das ist ganz okay. Der Schlüssel war, dass die Mannschaft gut zusammengespielt hat, auch defensiv. Das war sehr, sehr speziell. Du hast keinen Lärm, du schießt aufs Tor, machst einen Top-Pass, ein Tor - und nichts passiert. Das ist sehr, sehr komisch. Unser Publikum fehlt uns sehr. Es war ein ganz anderes Spiel als sonst."

David Wagner (Trainer Schalke 04): "Wir haben es läuferisch einigermaßen gut hinbekommen und alle gesund durch das Spiel bekommen. Natürlich hat in Sachen Abstimmung und Laufwege einiges gefehlt - sowohl in der Konterabsicherung als auch im Positionsspiel. Wir werden weiter dran arbeiten und hoffen, dass es von Spiel zu Spiel besser wird."

Julian Brandt (Borussia Dortmund): "Mir wäre es natürlich lieber, wenn die Rahmenbedingungen ganz normal wären. Aber wir hatten heute vielleicht einen kleinen Vorteil. Wir kennen diese Stille von unserem letzten Spiel (in der Champions League gegen PSG; Anm. d. Red.) Wir halten uns an die Regeln."

Clemens Tönnies (Aufsichtsratsvorsitzender Schalke 04): "Ich bin ein bisschen geprügelt. Dortmund hat verdient gewonnen. Ich hatte den Eindruck, unsere Spieler waren sehr beeindruckt. Sie haben nicht so frei aufgespielt wie normal. Ich will ihnen das nicht zugute halten. Es geht um das Derby, da muss man kämpfen. Das hat heute gefehlt."

BVB - S04: Die Analyse

Sowohl die Dortmunder als auch die Schalker agierten in einem 3-4-3, wobei die Hausherren ihr System nach einer kurzen Abtastphase wie erwartet offensiver interpretierten und die Gäste früh unter Druck setzten. Dadurch ergaben sich schon in der Anfangsphase einige Ballgewinne in der Hälfte der Königsblauen, aus denen die Schwarz-Gelben jedoch zunächst kein Kapital schlugen, weil sich die neu formierte Schalker Abwehr um Rückkehrer Sane stabil präsentierte.

Erst eine kaum zu verteidigende Kombination zwischen dem spielfreudigen Brandt und dem schnellen Hazard hebelte die blaue Wand aus und mündete in dem Führungstor von Haaland, der S04-Keeper Schubert mit seinem perfekten Direktabschluss keine Chance ließ (29.). Von diesem Moment an begannen die Schalker immer mehr zu wackeln - allen voran in Person von Schubert, der bei den Treffern zum 2:0 und 3:0 aus Sicht des BVB durch Guerreiro (45.) und Hazard (48.) kräftig mithalf.

Es lag aber nicht nur an Schubert, dass der Restart für die Gelsenkirchener trostlos verlief. Von Wagners Team kam spielerisch viel zu wenig - daran änderten auch die Einwechslungen der Offensivkräfte Burgstaller und Matondo zur Pause nichts. Harit, der einzige Kreativposten, wurde konsequent von Delaney beackert, der in seinem ersten Pflichtspiel nach über einem halben Jahr eine starke Doppelsechs mit Dahoud bildete. Bis auf einen Schuss aus kurzer Distanz von Caligiuri (26.) blieb BVB-Torhüter Bürki nahezu beschäftigungslos.

BVB - S04: Die Aufstellungen

Borussia Dortmund: Bürki - Piszczek, Hummels, Akanji - Hakimi, Dahoud (87. Götze), Delaney (68. Balerdi), Guerreiro (87. Schmelzer) - Hazard (79. Sancho), Brandt, Haaland

Schalke 04: Schubert - Todibo (46. Burgstaller), Sane, Nastasic - Kenny (87. Becker), McKennie, Serdar (74. Schöpf), Oczipka - Halit, Caligiuri (76. Miranda), Raman (46. Matondo)

Die Daten des Spiels Borussia Dortmund gegen Schalke 04

  • Tore: 1:0 Haaland (29.), 2:0 Guerreiro (45.), 3:0 Hazard (48.), 4:0 Guerreiro (63.)

  • Mit dem 4:0 landete der BVB seinen höchsten Derbysieg seit 1966. Damals siegte Dortmund zu Hause mit 6:2. Nur beim 7:0 im Februar 1966 gewannen die Schwarz-Gelben das Revierderby mit mehr als 4 Toren Differenz.
  • Der BVB traf auch im 38. Bundesliga-Heimspiel in Folge und baute damit seinen Vereinsrekord weiter aus.
  • S04 traf in den letzten 477 Bundesliga-Minuten nur 1-mal (McKennie zuletzt gegen Hoffenheim), die Borussia in diesem Zeitraum 14-mal.
  • Rekord eingestellt: Haaland erzielte in seinen ersten 12 Pflichtspielen für den BVB 13 Tore, das schaffte zuvor nur ein anderer Spieler eines Bundesligisten: Klaus Matischak für Werder Bremen (1965).

Der Star des Spiels: Raphael Guerreiro (Borussia Dortmund)

Der auffälligste Mann einer auffälligen Dortmunder Offensive. Schnürte seinen ersten Bundesliga-Doppelpack in bester Mittelstürmer-Manier. Gewann zudem starke 60 Prozent seiner Zweikämpfe und legte eine präzise Passquote in Höhe von 91 Prozent an den Tag. Außerdem überzeugend: Hazard und Haaland, die das Spiel mit jeweils zwei Torbeteiligungen beendeten.

Der Flop des Spiels: Markus Schubert (Schalke 04)

Schwarzer Tag mit vielen Fehlern. Leitete mit einem Ball zum Gegner das 0:2 ein - nicht sein erster schwacher langer Ball in diesem Spiel. Griff auch beim 0:3 daneben - ein strammer Schuss, aber sicherlich nicht unhaltbar. Ebenfalls schwach: Raman, der als Mittelstürmer überhaupt keinen Zugriff zum Spiel hatte (nur 12 Ballaktionen) und zur Pause folgerichtig ausgewechselt wurde.

Der Schiedsrichter: Deniz Aytekin

Entschied in der 11. Minute vertretbarerweise nicht auf Elfmeter für den BVB, als Haaland Kenny den Ball aus kurzer Distanz an die Hand schoss. Trat ansonsten nicht mehr in den Mittelpunkt. Eine alles in allem souveräne Vorstellung des 41-jährigen Referees aus Nürnberg.

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