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1. FC Köln - Borussia Dortmund 1:3: BVB entführt nach 0:1-Rückstand drei Punkte aus Köln

Von Philipp Schmidt
Geduld schlägt Frechheit: Am Ende jubelten im RheinEnergieStadion nur die Spieler des BVB und nicht die des 1. FC Köln.

Borussia Dortmund hat eine umkämpfte Partie beim 1. FC Köln mit 3:1 (0:1) gewonnen und dadurch nach zwei Spieltagen die maximale Punkteausbeute auf dem Konto. Der Effzeh belohnte sich für eine engagierte Leistung nicht, was auch an BVB-Juwel Jadon Sancho und dem belebenden Element Julian Brandt lag.

Sancho hatte zwar über weite Strecken der Begegnung wenig Bindung zum Spiel, sorgte jedoch nach 70 Minuten für den immens wichtigen Ausgleich für den BVB. In der Folge ließen beim FC die Kräfte nach, der eingewechselte Achraf Hakimi sowie Paco Alcacer in der Nachspielzeit sorgten für einen perfekten Dortmunder Saisonstart.

"Wir sind in Rückstand geraten, haben eine tolle Moral bewiesen und am Ende verdient gewonnen. Alle in der Mannschaft geben Gas und bei uns herrscht ein gesunder Konkurrenzkampf. Das zeigt, welche Qualität das Team in der Breite hat", sagte Julian Brandt, dessen Einwechslung das Spiel der Gäste belebte und die Kölner zunehmend vor Probleme stellte.

Kölns Trainer Achim Beierlorzer wollte seiner phasenweise frech aufspielenden Mannschaft keine Vorwürfe machen, sondern zur "Leistung nur gratulieren. Dortmund hatte in der ersten Hälfte keine Torchance und das 1:1 fällt dann aus einer Ecke. Danach waren wir einfach zu gierig." Die Geißböcke warten somit nach zwei Partien immer noch auf den ersten Punktgewinn.

Für BVB-Kapitän Marco Reus war der Ausgleich in der 70. Minute jedoch nur "eine Frage der Zeit". Favre habe der Mannschaft gesagt, "dass wir das Tempo weiter hochhalten müssen, denn dann werden die Kölner müde. Der Plan ist am Ende dann auch aufgegangen."

Am 3. Spieltag tritt der BVB erneut auswärts an, mit der Partie bei Union Berlin geht es wieder zu einem Aufsteiger. Der FC muss beim SC Freiburg ran.

1. FC Köln - Borussia Dortmund: Die Analyse

Lucien Favre vertraute jener Elf, die am 1. Spieltag nach frühem Rückstand einen überzeugenden 5:1-Sieg gegen den FC Augsburg feierte. Einzig Stammkeeper Roman Bürki, der zum Auftakt aufgrund einer Risswunde am Schienbein passen musste, ersetzte zu Beginn Marwin Hitz.

Die Kölner tauschten im ersten Heimspiel nach der Bundesliga-Rückkehr dreifach aus: Neuzugang Ellyes Skhiri, nach seiner Einwechslung in Wolfsburg ein belebendes Element, ersetzte Marco Höger in der 4-4-2- Startformation im zentralen Mittelfeld. Weiterhin standen Innenverteidiger Sebastiaan Bornauw (für Jorge Mere) und Stürmer Jhon Cordoba (nach Sperre für Florian Kainz) zu Beginn auf dem Feld.

Der FC zeigte sich ab der ersten Minute enorm präsent, insbesondere Cordoba wühlte sich in jeden Zweikampf. Nach und nach gelang es dem BVB, über Passstafetten die Spielkontrolle zu erlangen, indem sich Axel Witsel immer wieder tief die Bälle abholte. Abschlüsse blieben jedoch Mangelware.

Erstmals gefährlich für den Kölner Kasten wurde es in der 14. Minute, als Mats Hummels nach einer Ecke zum Kopfball hochstieg, dabei aber von Jonas Hector entscheidend gestört wurde. Köln antwortete nach starker Balleroberung von Kingsley Ehizibue in Person von Cordoba, der eine Flanke von Anthony Modeste nur knapp verpasste.

Marco Reus testete Timo Horn per Freistoß, im Gegenzug verbuchte der FC drei Halbchancen durch Cordoba und Modeste, ehe sich Köln für eine gute erste Halbzeit mit dem 1:0 durch Drexler, der nach einer von Skhiri verlängerten Ecke am langen Pfosten Nico Schulz entwischte, belohnte. In der Folge nahm die Verunsicherung bei der Borussia weiter zu, ein Dribbling von Bürki im eigenen Fünfmeterraum ging beinahe nach hinten los. Der FC gewann in Halbzeit eins 67 Prozent der Zweikämpfe.

BVB dreht durch Sancho und Hakimi das Spiel

Hummels sorgte nach dem Seitenwechsel aus der Distanz für die erste harmlose Torannäherung, brisanter wurde es bei einem Abschluss von Paco Alcacer aus der Kurzdistanz. Die Kölner, bei denen Cordoba verletzungsbedingt für Simon Terodde weichen musste, standen größtenteils stabil und setzten durch Standards immer wieder Nadelstiche. Nach einem solchen traf Modeste aus Abseitsposition.

Reus scheiterte nach Schnittstellenpass des eingewechselten Julian Brandt an Horn. Nach der Umstellung auf 4-1-4-1 häuften sich die Abschlüsse des BVB, Jadon Sancho brach den Bann zum verdienten Ausgleich (70.). Als das Spiel einem 1:1 entgegensteuerte, brachte Piszczek eine punktgenaue Flanke ins Zentrum, die der aufgerückte Hakimi veredelte. Nachdem der FC in der Nachspielzeit nach einer Ecke am Ausgleich schnupperte, sorgte Alcacer nach einem blitzsauberen Konter für die Entscheidung.

Die Daten des Spiels 1. FC Köln gegen Borussia Dortmund

  • Tore: 1:0 Drexler (29.), 1:1 Sancho (70.), 1:2 Hakimi (86.), 1:3 Alcacer (90.+4.).
  • Jadon Sancho ist mit 19 Jahren und 151 Tagen der jüngste Spieler der Geschichte, der sein 15. (und 16.) Bundesliga-Tor erzielt. Er schlägt den Rekord von Horst Köppel, der 1967 bei seinem 15. Bundesliga-Tor 34 Tage älter war.
  • Dortmund traf in den letzten 8 Spielen in Köln immer, insgesamt 18-mal. Letztmals ohne Treffer beim FC blieb der BVB beim torlosen Remis im Februar 2006.
  • Nach ruhenden Bällen traf Köln vergangene Saison 26-mal. Kein anderer Zweitligist kam 2018/19 auf mehr als 21 Standardtore (Kiel).
  • Kölns Torserie hält: Der FC traf zu Hause in jedem seiner letzten 30 Pflichtspiele - eine solche Heimtor-Serie hatte der FC letztmals zwischen April 1999 und Dezember 2000 (30 Heimspiele in Folge mit einem Tor).

Der Star des Spiels: Jadon Sancho

Lange blieb der junge Engländer blass, in den entscheidenden Momenten aber war er mal wieder zur Stelle: Sancho traf gekonnt zum Ausgleich, wurde im Laufe der zweiten Halbzeit immer stärker und servierte in der Nachspielzeit nach Sololauf perfekt für Alcacer.

Der Flop des Spiels: Julian Weigl

Weigl führte bis zu seiner Auswechslung in der 62. Minute die meisten Zweikämpfe auf BVB-Seite (19),gewann davon jedoch nur 42,1 Prozent. Zu wenig, um in der Schaltzentrale für Stabilität zu sorgen. Auch seine Passquote von 86,8 Prozent fiel im Vergleich zu Nebenmann Witsel deutlich ab. Auch schwach: Hazard, der gegen Ehizibue kaum Land sah.

Der Schiedsrichter: Christian Dingert

Schenkte dem FC in Halbzeit eins eine Ecke, als Roman Bürki den Ball nur vermeintlich berührte. Insgesamt unaufgeregt und vor keine großen Aufgaben gestellt. Teilweise nicht konsequent in der Zweikampf-Beurteilung, was jedoch keinerlei Einfluss auf den Spielausgang hatte.

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