Fussball

Lucien Favre beim BVB offenbar vor dem Aus - Schicksalsspiel gegen den FC Barcelona?

Von SPOX/sid
Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc (l.) und Cheftrainer Lucien Favre

Marco Reus und Mats Hummels stärkten Lucien Favre den Rücken. Doch die Luft wird für den Trainer von Borussia Dortmund nach dem 3:3 gegen Schlusslicht SC Paderborn dünner. Laut Bild und Sport Bild bekommt Favre beim BVB ein Schicksalsspiel - beim FC Barcelona.

Bei Borussia Dortmund bestand erhöhter Redebedarf. Nach übereinstimmenden Medienberichten fand nach dem Spiel gegen den SC Paderborn eine Krisensitzung im Stadion statt. Laut Bild und Sport Bild dabei anwesend: Sportdirektor Michael Zorc, BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, Klub-Justiziar Robin Steden, der Anwalt und Watzke-Vertraute Dr. Thilo Igwecks sowie Watzkes Sohn Andre.

Knapp zwei Stunden soll die Unterredung gedauert haben. Das Ergebnis: Favre steht in Dortmund vor dem Aus, soll aber noch ein Schicksalsspiel bekommen - am kommenden Mittwoch in der Champions League beim FC Barcelona.

BVB am Samstag: Erst reden, dann trainieren

Dieser Darstellung widerspricht jedoch der kicker. Demnach bestreite man in Dortmund, dass eine Krisensitzung stattgefunden habe. Vielmehr soll sich Watzke wie üblich nach den BVB-Spielen "mit Freunden und Familienmitgliedern" getroffen haben. Dem Bericht zufolge halte man bei der Borussia eine Favre-Entlassung für "puren Aktionismus" - der Schweizer soll voraussichtlich auch im nächsten Bundesligaspiel bei Hertha BSC auf der Bank sitzen.

"Wir gehen mit Lucien Favre in das Spiel in Barcelona und erwarten, dass wir da eine deutliche Leistungssteigerung sehen", sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc der Funke-Mediengruppe. "Es ist ja klar, dass das Thema öffentlich diskutiert wird, denn unsere Situation ist mehr als unbefriedigend. Natürlich analysieren wir das sehr intensiv. Es ist natürlich klar, dass Worte jetzt nicht mehr reichen, wir brauchen Leistung."

Eine weitere Einordnung der Geschehnisse wird am Sonntag zudem von Watzke erwartet, wenn dieser auf der mit Spannung erwarteten Jahreshauptversammlung spricht.

Die Ruhr Nachrichten schreiben zudem, dass Favre, seine Co-Trainer, Kapitän Reus und Lukasz Pisczcek den Signal Iduna Park erst drei Stunden nach dem Abpfiff verließen. Am Samstag stand laut Verein "viel im Bereich Analyse" an. Am Samstagmorgen saß die Mannschaft zwei Stunden zusammen - erst anschließend wurde trainiert. Ob dabei nur mit oder auch über den Schweizer Coach geredet wurde, blieb zunächst offen.

Reus und Hummels nehmen Favre in Schutz

"Wir werden das zusammen analysieren, das ist sehr, sehr nötig. Das kann nicht so weitergehen", sagte Favre nach einer "desaströsen ersten Halbzeit von uns." Bei den Gegentreffern von Streli Mamba (5., 37.) und Gerrit Holtmann (43.) ließ sich der BVB naiv auskontern.

Die Fans pfiffen die Spieler trotz der Aufholjagd durch die Tore von Jadon Sancho (47.), Axel Witsel (84.) und Marco Reus (90.+2) gnadenlos aus, vereinzelt waren auch Favre-raus-Rufe zu hören.

Die Spieler nahmen ihren Trainer aber in Schutz. "Jeder muss sich an die eigene Nase fassen. Darüber müssen wir reden, nicht über unseren Trainer", sagte Kapitän Reus und fügte an: "Der Trainer stellt uns jedes Mal super ein. Wir sind dafür verantwortlich."

Auch Mats Hummels übte Selbstkritik. "Wir sind es auf dem Platz, die diese Fehler machen. Ich will ganz deutlich sagen, dass es nichts mit der Trainerposition zu tun hat, wenn wir ohne Druck die Bälle herschenken", sagte der Rio-Weltmeister.

Zorc zugeknöpft: "Morgen ist auch noch ein Tag"

Doch rettet das Favre den Job? Mit 20 Punkten aus zwölf Spielen hinkt der selbst ernannte Titelanwärter seinen Ansprüchen in der Bundesliga hinterher. Die Leistungen geben Rätsel auf. Nach einer berauschenden zweiten Halbzeit in der Champions League gegen Inter Mailand folgte vor zwei Wochen das Debakel beim deutschen Rekordmeister Bayern München (0:4). Immer wieder verschläft der BVB in dieser Saison die erste Halbzeit (Köln, Union Berlin, Wolfsburg, Paderborn).

Die Verantwortlichen um Watzke und Zorc sind nun vor dem Champions-League-Duell beim FC Barcelona gefordert. Sprechen sie Favre das Vertrauen aus oder endet das Arbeitsverhältnis nach nicht einmal anderthalb Jahren? Im letzteren Fall müsste schnell eine Alternative gefunden werden. Eine interne Lösung wie in München mit Hansi Flick scheint nicht möglich.

Zorc hielt sich am späten Freitagabend bedeckt. "Die erste Halbzeit war komplett inakzeptabel. Dafür muss man sich bei den Zuschauern entschuldigen", erklärte Zorc. Mehr wollte er zunächst nicht sagen: "Morgen ist auch noch ein Tag."

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