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Borussia Dortmund - SC Paderborn 07 3:3: Nach 0:3-Rückstand: BVB verhindert Blamage gegen Aufsteiger

Von Tim Ursinus

Borussia Dortmund hat eine Blamage nach einer völlig desaströsen ersten Hälfte gerade noch so verhindert und am 12. Spieltag der Bundesliga ein 3:3 gegen den SC Paderborn 07 geholt. Vor dem Seitenwechsel war der BVB noch mit 0:3 in Rückstand gelegen.

"Wir müssen uns bei allen Zuschauern im Stadion für unsere Leistung entschuldigen. Ich weiß nicht, was wir in der ersten Halbzeit fabriziert haben", sagte Marco Reus nach dem Spiel am DAZN-Mikrofon. "Wir haben uns dafür richtig geschämt. So dürfen wir nie, nie, nie spielen. Darüber müssen und werden wir definitiv sprechen. Das war absolute scheiße."

Nach der Fast-Blamage dürfte auch wieder die Zukunft von Trainer Lucien Favre in den Vordergrund rücken. Für Reus jedoch liegt das Hauptproblem woanders: "Der Trainer stellt uns jedes Mal super ein. Wir sind dafür verantwortlich, auf dem Platz unsere Leistung zu bringen. Wir müssen nicht über den Trainer reden, sondern über uns. Wenn hier am Freitagabend 80.000 Zuschauer kommen, dürfen wir so etwas nicht anbieten."

BVB-Sportdirektor Michael Zorc gab sich in der Mixed Zone zugeknöpfter: "Bitte um Verständnis, dass ich heute nicht viel sage - außer, dass die erste Halbzeit komplett inakzeptabel war und man sich dafür bei den Zuschauern entschuldigen muss. Morgen ist auch noch ein Tag."

Auch Favre war bedient: "Das war eine desaströse erste Halbzeit von uns. Wir kriegen drei Tore. Das war unglaublich. Das einzig Positive ist das 3:3. Wir werden das gründlich analysieren. So kann es nicht weitergehen."

Auf der Gegenseite fasste man sich natürlich an die eigene Nase. SCP-Trainer Steffen Baumgart sagte: "Das ist natürlich bitter, wenn man die letzten zehn Minuten sieht. Das ist schade, aber ich bin absolut stolz auf die Mannschaft und zufrieden, auch wenn das Ergebnis nach einem 3:0-Vorsprung bitter ist."

BVB - Paderborn: Die Analyse

Im Vergleich zur 0:4-Niederlage gegen den FC Bayern nahm BVB-Coach Favre gleich fünf Veränderungen vor. Weigl rückte für Akanji in die Innenverteidigung, Dahoud bildete gemeinsam mit Witsel das defensive Mittelfeld, Piszczek spielte für Hakimi und Schulz durfte links hinten ran, sodass Guerreiro eine Position nach vorne rutschte. Außerdem kehrten Reus (Grippe) und Alcacer (Achillessehnenreizung) in die Startelf zurück. Auf der anderen Seite stellte Paderborns Trainer Baumgart auf ein 4-2-3-1-System um, in dem Mamba die einzige Spitze darstelle.

Und die Partie startete gleich mit einem großen Knall - mit Mamba in der Hauptrolle. In der fünften Spielminute ließ sich Schulz von Pröger in einem Laufduell auf der rechten Seite spielend leicht abkochen. Dieser bereitete für den im Sechzehner völlig freistehenden Mamba mustergültig vor, der den Ball eiskalt am machtlosen Bürki vorbeischob.

Vom frühen Rückstand geschockt, agierte der BVB in der Anfangsphase sehr verunsichert. Die schnellen Gegenangriffe der Paderborner bereiteten der schwarz-gelben Hintermannschaft gleich mehrmals größere Probleme. Der BVB gewann zwar zunehmend an Kontrolle, ließ aber nur selten die offensiven Stärken aufblitzen. Die beste Chance hatte Guerreiro, der die Kugel per Direktabnahme nach einer schönen Hereingabe von Piszczek knapp am Tor vorbeisetzte (25.).

Die Tore machte aber der SCP! Wieder war es Pröger, der die BVB-Abwehr narrte. Mit einem einfachen hohen Ball aus der eigenen Hälfte schickte er Mamba allein auf die Reise, der Weigl davonlief und Bürki mit seinem zweiten Treffer erneut keine Chance ließ (37.). Doch es kam noch dicker für den BVB: Holtmann nahm dem erneut zu langsamen Weigl gleich mehrere Meter in einem kurzen Sprint auf der linken Seite ab, zog in den Strafraum und erteilte Bürki mit einem Beinschuss die Höchststrafe zum 3:0 (43.).

Dass Alcacer mit einer Knieverletzung bereits in Hälfte eins unter Tränen vom Feld gehen musste, war das bittere i-Tüpfelchen eines bisher gebrauchten Dortmunder Abends. Den Spanier ersetzte Brandt.

Nach dem Seitenwechsel kamen auf Dortmunder Seite Hazard und Hakimi für Dahoud und Schulz. Die Wechsel zeigten Wirkung: Hakimi bediente Sancho, der den BVB 109 Sekunden nach dem Wiederanpfiff per trockenem Flachschuss zurück in die Partie brachte (47.). Kurz darauf vereitelte SCP-Keeper Zingerle einen Reus-Schuss mit einer herausragenden Parade.

Der BVB schaffte es tatsächlich noch, der Blamage von der Schippe zu springen. Erst köpfte Witsel nach einer schönen Flanke von Hummels den Anschlusstreffer (84.), ehe Reus in der zweiten Minute der Nachspielzeit eine Sancho-Flanke per Kopf zum 3:3-Endstand veredelte.

Die Daten des Spiels BVB gegen SC Paderborn 07

  • Tore: 0:1 Mamba (5.), 0:2 Mamba (37.), 0:3 Holtmann (43.), 1:3 Sancho (47.), 2:3 Witsel (84.), 3:3 Reus (90.+2.)
  • Streli Mamba erzielte mit seinen Treffern sein drittes und viertes Saisontor - Höchstwert beim SC Paderborn.
  • Nur gegen Augsburg kassierte der BVB ein früheres Gegentor (1. Minute durch Niederlechner).
  • Paderborn ist erst das 5. Team überhaupt in der Bundesliga, welches mit einer 3-0-Führung beim BVB in die Pause ging (zuvor Stuttgart 1771, 1860 München 1978, Gladbach 1981 und Leverkusen 1983).
  • Der BVB traf zum 31. Mal in Folge im eigenen Stadion und baute den Vereinsrekord somit weiter aus.
  • Piszczek zog mit seinem 339. Pflichtspiel für Borussia Dortmund mit Stefan Klos auf Platz zehn der BVB-Rekordspieler im Profi-Fußball gleich.
  • Hakimi stand erstmals seit dem 2. Spieltag nicht in der Startelf Dortmunds bei einem Bundesligaspiel, spielte am Dienstag allerdings noch mit Marokko in der Afrika-Cup-Qualifikation.

Der Star des Spiels: Streli Mamba (SC Paderborn 07)

Der deutsch-kongolesische Stürmer brachte den SCP mit seinem Doppelpack in Führung, überzeugte mit seinem starken Antritt sowie Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor und ließ Bürki jeweils alt aussehen. Für Mamba, der einen Dreierpack nur knapp verpasste (64.), waren es die Saisontreffer drei und vier - bester Schütze der Paderborner.

Der Flop des Spiels: Julian Weigl (BVB)

Eigentlich hätte diesen Titel jeder Profi der BVB-Hintermannschaft verdient, doch Julian Weigl stach bei den Gegentreffern zum 0:2 und 0:3 besonders negativ heraus. Der in die Innenverteidigung zurückgezogene Mittelfeldspieler zeigte bei beiden Szenen große Tempo-Defizite. Sowohl Mamba als auch Holtmann liefen Weigl einfach davon.

Der Schiedsrichter: Christian Dingert

Erlebte trotz der überraschenden Ereignisse auf dem Platz einen weitestgehend ruhigen Abend und hatte dementsprechend wenig zu tun. Zeigte bei Alcacers Verletzung zurecht keine Karte, da Collins ohne jegliche Schuld mit dem Spanier kollidierte.

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