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Borussia Mönchengladbach - BVB 0:2: Dortmunds Meisterträume platzen in Gladbach

Aus der Traum von der Meisterschaft: Mario Götze, Axel Witsel und Julian Weigl müssen dem FC Bayern beim Meisterjubel zuschauen.

Borussia Dortmund hat sich am 34. und letzten Spieltag der Bundesliga zwar mit 2:0 (1:0) bei Borussia Mönchengladbach durchgesetzt, die Meisterschale wanderte aber dennoch erneut zum FC Bayern München. Die Gladbacher verpassten durch die Heimniederlage gegen den BVB die Champions-League-Qualifikation.

Welches Gefühl am Ende dieser Saison genau bei den Spielern des BVB überwog, als sie nach Spielschluss im Bourssia Park eng umschlungen von den eigenen Fans in der Gästekurve gefeiert wurden, konnte nicht gänzlich aufgeklärt werden. Dortmunds Schlussmann Roman Bürki etwa war einerseits "sehr enttäuscht", weil man so nah dran gewesen sei, andererseits aber auch "stolz" auf die Leistung des BVB in dieser Saison.

Enttäuschung und Stolz. Das war alles, was den Schwarz-Gelben nach dem 2:0-Sieg bei Borussia Mönchengladbach nach Toren von Jadon Sancho und Marco Reus geblieben war. Der Meistertitel ging zum siebten Mal in Folge nach München zum FC Bayern - und das obwohl der BVB zwischenzeitlich einen Neun-Punkte-Vorsprung an der Spitze innehatte.

Zum ersten Mal in der Bundesligageschichte verspielte eine Mannschaft diesen Vorsprung noch, zum vierten Mal in den letzten sieben Jahren mussten sich die Schwarz-Gelben mit Platz zwei begnügen. Und dennoch stellte Hans-Joachim Watzke klar, dass definitv der Stolz über das Geleistete überwiegen werde. "Die Mannschaft ist heute wie ein Champion aufgetreten", erklärte Watzke nach der punktemäßig drittbesten Spielzeit der Vereinsgeschichte (76 Punkte).

Dass das alles am Ende nicht gereicht hatte, lag auch daran, dass der FC Bayern seine Hausaufgaben gegen Eintracht Frankfurt erledigte und die SGE mit 5:1 aus der Allianz Arena schoss. Nur einmal kurz schien das Geschehen am 34. Spieltag zu kippen, als Sebastien Haller kurz nach Wiederbeginn zum Ausgleich traf. "Nach dem 1:1 von Frankfurt haben wir wieder gehofft", sagte Lucien Favre nach dem Spiel, daher sei "die Enttäuschung natürlich da".

Borussia Mönchengladbach - BVB: Stimmen und Reaktionen

Dieter Hecking (Trainer Borussia Mönchengladbach): "Wir haben 20 bis 25 Minuten sehr gut gespielt. Nach dem aus unserer Sicht strittigen 1:0 waren wir zu passiv, sodass der Dortmunder Sieg völlig in Ordnung geht. Mit Platz vier ist es eine sehr gute Sekunde, mit der Champions League Qualifikation wäre es eine herausragende geworden. Ich bin dankbar, dass ich zweieinhalb Jahre in so einem tollen Verein arbeiten durfte."

Lucien Favre (Trainer Borussia Dortmund): "Gladbach hat sehr gut angefangen, aber wir haben es nach und nach besser gemacht und schießen dann zu einem guten Zeitpunkt das 1:0. In der zweiten Halbzeit waren wir sehr dominant und haben verdient gewonnen. Die Enttäuschung ist natürlich da, vor allem nach dem 1:1 von Frankfurt haben wir wieder gehofft. Glückwunsch an Bayern München und seinen Trainer Niko Kovac!"

Hans-Joachim Watzke (Vorstandschef Borussia Dortmund): "Das 2:1 für Bayern fiel ein bisschen früh. Sonst hätte es vielleicht ein bisschen mehr Dynamik gegeben, aber die Art, wie wir hier aufgetreten sind, war große Klasse, von daher überwiegt momentan bei uns der Stolz. Wir wissen aber natürlich auch, dass wir Meister geworden wären, wenn wir ein Spiel mehr gewonnen hätten, das drückt das ein bisschen. Man muss aber neidlos anerkennen, dass Bayern eine Top-Rückrunde gespielt hat. Wir haben auch eine gute Rückrunde gespielt und haben 34 Punkte geholt, das ist normalerweise schon eine ganz gute Leistung, aber die Bayern haben fast alles gewonnen und insofern sind sie verdient Meister geworden. Wir werden jetzt aber versuchen, in den nächsten Jahren dranzubleiben, das ist ambitioniert, aber wir werden es versuchen."

Marco Reus (Kapitän Borussia Dortmund)...

... zur verpassten Meisterschaft: "Für mich ist der Meistertitel nicht alles im Leben. Es ist richtig, dass das in dieser Saison möglich war, aber in den entscheidenden Momenten hatte uns Bayern etwas voraus. Es war nicht der Abschluss, den wir uns erhofft haben."

... ob der Ball vor seiner Vorlage auf Sancho zum 1:0 im Aus war: "Der Ball war im Aus. Ganz ehrlich. Wir stehen jedes Mal nach dem Spiel hier und diskutieren über den VAR. Für mich war er aus."

Borussia Mönchengladbach - BVB: Die Analyse zum Spiel

Der BVB - bei dem Bürki, Sancho und Reus in die Startelf zurückkehrten - begann das Spiel behäbig und war zunächst im 4-2-3-1 auf Ballsicherheit bedacht. Durch einige Fehler im Spielaufbau begünstigten die Dortmunder in der Anfangsphase Gegenstöße der schwungvollen Gladbacher, die sich immer wieder gut aus dem BVB-Pressing bei Ballgewinnen lösten.

Einen dieser Gegenstöße verlagerte Hazard herrlich zu Traore auf die rechte Seite, der nach innen zog und aus 20 Metern nur die Latte traf (12.). Während der Meisterrivale aus München gegen Frankfurt schon früh den Türöffner fand, tat sich der BVB extrem schwer, aus dem Spiel heraus Chancen zu kreieren.

Den Dortmundern fehlte es abgesehen von Götze an Bewegung, Genauigkeit und besonders Zielstrebigkeit im letzten Drittel. Nur vier Torschüsse brachte der BVB im ersten Durchgang zustande - zwei davon nach Standards. Dazu stimmten die Abstände zwischen der Doppelsechs Delaney und Witsel und der Dortmunder Offensive nicht, weswegen das Pressing sehr selten griff.

Gladbach zeigte sich hingegen sehr flexibel im Positionsspiel und stand in der Defensive stabil - zumindest bis kurz vor der Pause. Dann kam Reus auf links nach einem Diagonalball von Delaney durch, hielt den Ball wohl gerade noch so im Spiel und bediente Sancho in der Mitte - 1:0 für den BVB (45.).

Der Führungstreffer wirkte wie ein Brustlöser für die Schwarz-Gelben: Während Gladbach nach der Pause höher anlief, kam Dortmund in seinen Spielrhythmus und nach einer starken Kombination über Götze, Sancho und Pulisic zum 2:0 durch Reus (55.). Der BVB legte eine andere Körpersprache an den Tag, ging besser in die Zweikämpfe, kam häufiger in die Tiefe und verdiente sich die Führung nachträglich.

Diese geriet - anders als noch in den Wochen zuvor - nicht mehr in Gefahr. Trotz des Auswärtssiegs muss sich der BVB nach einer zerfahrenen Rückrunde mit Platz zwei begnügen. Der FC Bayern gewann sein Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt und krönte sich zum siebten Mal in Folge zum Deutschen Meister. Gladbach verpasste durch die Heimpleite gegen den BVB die Champions-League-Qualifikation und spielt in der kommenden Saison in der Europa League.

Die Daten des Spiels Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund

  • Tore: 1:0 Sancho (45.), 2:0 Reus (54.)
  • Zum 16. Mal in Folge geht Gladbach nicht mit einer Führung in die Pause - das gab es in der BL-Historie der Fohlen nie zuvor! In den letzten acht Partien gelang kein Tor vor dem Seitenwechsel.
  • Sancho erzielt sein 12. Saisontor - Topwert aller Spieler des Jahrgangs 2000 oder jünger in den Top-5-Ligen Europas!
  • Für den BVB schoss Reus in einer BL-Saison zuvor noch nie so viele Tore wie in dieser Spielzeit (17). Nur für Mönchengladbach 2011/12 war er mit 18 Treffern noch erfolgreicher.
  • Es war das achte Heimspiel in Folge, das Borussia Mönchengladbach nicht gewinnen konnte.

Der Star des Spiels: Marco Reus (Borussia Dortmund)

Benötigte viele Minuten, um einen Zugang zum Spiel zu finden, war dann aber mit einer blitzgescheiten Vorlage auf Sancho vor dem 1:0 und seinem Treffer zum 2:0 der entscheidende Mann. Taute in der zweiten Halbzeit zunehmend auf und war immer wieder an guten Spielzügen beteiligt. Gewann darüber hinaus knapp 60 Prozent seiner Zweikämpfe.

Der Flop des Spiels: Josip Drmic (Borussia Mönchengladbach)

War überhaupt nicht im Spiel. Die Bälle, die er festmachen sollte, bekam er nicht schnell genug unter Kontrolle. Torgefahr strahlte er nach zuletzt zwei Treffern abgesehen von einem Abschluss in der 62. Minute überhaupt nicht aus.

Der Schiedsrichter: Manuel Gräfe

Grundsätzlich eine gute Bewertung der vielen Zweikämpfe, hätte allerdings Raphael Guerreiro im ersten Durchgang Gelb zeigen müssen, nachdem er es zuvor bei einem ähnlichen Foul schon bei Christoph Kramer getan hatte. Das war mit zweierlei Maß gemessen. Kurz vor der Pause dann gleich zweimal im Fokus: Entschied bei einem Solo von Reus und einem Tackling von Gladbachs Elvedi richtigerweise nicht auf Elfmeter. Elvedi spielte zwar nicht den Ball, bringt Reus aber auch nicht wirklich zu Fall. Der Kontakt war letztendlich zu wenig für einen Strafstoß. Beim Dortmunder Führungstreffer hatte Gräfe dann eine Millimeterentscheidung zu treffen, die nicht einmal mit dem VAR gänzlich aufgelöst werden konnte. Ob der Ball vor Reus' Hereingabe auf Sancho tatsächlich im Aus war oder nicht, hätte wohl nur mithilfe der Torlinientechnik endgültig aufgeklärt werden können.

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