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Fussball

"Wir funktionieren seit Wochen"

Ein Bild sagt oftmals mehr als tausend Worte
© getty

Nach dem 103. Nordderby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen könnte die Stimmung in beiden Lagern unterschiedlicher nicht sein. Während der HSV langsam nach oben schielen darf, befindet sich Werder in einer handfesten Krise.

Bruno Labbadia (Trainer Hamburger SV): "Für unsere Fans, die uns im Abstiegskampf so extrem unterstützt haben und auch mit uns gelitten haben - denen tut das auch mal gut. Aber uns vor allen Dingen. Wenn man sieht, wie die Jungs grade in der Kabine abgehen, dann merkt man, wie viel sie dafür getan haben."

... über Pierre-Michel Lasogga: "Das ist jetzt der sechste Stammspieler, der uns abgeht. Umso höher ist die Leistung der Mannschaft heute zu bewerten."

Ivo Ilicevic (Hamburger SV): "So ein Derby ist immer etwas Besonderes. Der Trainer hat uns gut darauf eingestellt und die Mannschaft war von Anfang an heiß, deshalb gehen wir auch als verdienter Sieger vom Platz."

Analyse: HSV siegt im Nordderby

Nicolai Müller (Hamburger SV): "Wir haben heute zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht. Die Taktik ist aufgegangen. Wir funktionieren seit Wochen als Mannschaft sehr gut. Man kann sich wirklich auf jeden im Team verlassen."

Thomas Eichin (Sportdirektor Werder Bremen): "Wir fangen jetzt keine Trainerdiskussion an. Wir werden den Kopf nicht in den Sand stecken, nicht den Überblick verlieren und dann gucken wir einfach, dass wir in den nächsten drei Spielen die Punkte machen. Und dann werden wir am Ende der Hinrunde sehen, wo wir stehen und wo die Reise hingeht."

Philipp Bargfrede (Werder Bremen): "Im Moment brauchen wir über nichts anderes als Abstiegskampf zu sprechen - wir stehen unten mit drin."

Ein Blick genügte und Ivo Ilicevic wusste, wohin der Ball sollte. Genau genommen genügten dem Kroaten im 103. Nordderby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen zwei Blicke, um das Spiel zu entscheiden.

Den ersten entscheidenden Blick machte er relativ früh in der Partie, in der 3. Minute, als ihn der spätere Pechvogel Pierre-Michel Laogga aus dem Zentrum links im Strafraum bediente. Ilicevic wackelte Theodor Gebre Selassie aus, der laut Ex-Keeper Frank Rost "wohl zu wenig Bundesliga geschaut hat in den letzten Jahren", schaute kurz in Richtung Kasten von Felix Wiedwald und schlenzte die Kugel unhaltbar für den Werder-Torhüter in den rechten Winkel.

Den zweiten großen (Augen)-Blick hatte Ilicevic dann, als Werder eigentlich drauf und dran war, die Führung der Hamburger auszugleichen. Nach einer Bremer Ecke und einem Getümmel im HSV-Strafraum kam der Ball zu Ilicevic, der gedankenschnell handelte und den startenden Nicolai Müller mit einem feinen Pass aus der eigenen Hälfte auf die Reise schickte. Der ehemalige Mainzer blieb cool, kreuzte den Laufweg von Philipp Bargfrede und blieb vor dem fast schon bemitleidenswerten Wiedwald cool und sorgte so für die Entscheidung (67.).

Mehr als fehlendes Selbstvertrauen?

Zuvor hatte Michael Gregoritsch mit einem kuriosen Freistoßtreffer aus 30 Metern für das 2:0 gesorgt und somit die deutliche Überlegenheit der Hamburger zum Ausdruck gebracht. In Durchgang eins fand Werder kaum statt, weil das Team noch nicht im Derby-Modus zu sein schien. Das fehlende Selbstvertrauen nach fünf Niederlagen in Folge war den Bremern deutlich anzumerken. Das frühe 0:1 durch Ilicevic tat dann sein Übriges.

Doch in der Halbzeit schien Viktor Skripnik die passenden Worte gefunden zu haben, denn nach der Pause zeigte Werder endlich Leidenschaft, Willen und kam durch Anthony Ujah in der 62. Minute zum verdienten Anschlusstreffer. Dass es letztlich dann doch nicht zum Remis reichte, lag zum einen an Ilicevics Blick du zum anderen am souveränen Auftreten der Rothosen im Anschluss.

In der vergangenen Saison wären solche Spiele unter Umständen noch ganz anders ausgegangen. In dieser Spielzeit aber wirkt der HSV als Mannschaft gefestigter und hat in den richtigen Momenten auch mal das Quäntchen Glück, das man braucht, um solche Spiele zu gewinnen.

HSV blickt "nach oben"

Rene Adler, sonst eigentlich eher ein zurückhaltender Charakter, wollte nach dem Spiel in der Tabelle "nach oben schauen" - zu Recht. Vor den Sonntagsspielen liegt Hamburg mit 21 Punkten auf Platz 6 und hat damit am 14. Spieltag schon vier Punkte mehr geholt als in der kompletten Vorrunde in der vergangenen Saison.

Einziger negativer Aspekt beim 33. Sieg im Derby war die Verletzung Lasoggas, der sich die Schulter nach einem harmlosen Zweikampf auskugelte und wohl für mehrere Wochen fehlen wird. "Es sieht nicht gut aus, es ist das zweite Mal, dass die Schulter raus ist. Normalerweise sagt man, dass es dann auch operiert werden müsste. Wenn das der Fall wäre, würden das drei Monate Pause für ihn bedeuten", sagte Bruno Labbadia nach dem Spiel.

Mit Werders sportlichen Problemen ist das aber nicht vergleichbar, befinden sich die Grün-Weißen doch im freien Fall. Acht der letzten zehn Spiele wurden verloren, bei sechs der sieben Heimspiele in dieser Saison verließ Bremen Platz als Verlierer. Statistiken, die eigentlich eine Trainerdiskussion nach sich ziehen. Allerdings nicht in Bremen - zumindest aktuell noch nicht. Wie die Sache nach der Hinrunde aussieht, wird man dann betrachten, wie Thomas Eichin nach dem Spiel verlauten ließ.

Was ist los mit Junuzovic und Co.?

Stuttgart, Köln und Frankfurt heißen die Gegner in den nächsten drei Spielen vor der Winterpause. Bislang steht Werder nicht auf einem Abstiegsplatz, was aber eher an der Unfähigkeit der anderen Teams liegt, als an der Leistung, die Bremen seit Rundenbeginn an den Tag legt.

Die Verletzungsprobleme, die Skripnik in der Tat hat (Johansson, Ulisses Garcia), sollten dabei nicht als Ausrede gelten. Vielmehr muss man hinterfragen, warum Spieler wie Zlatko Junuzovic oder Claudio Pizarro seit Wochen in einem Leistungsloch stecken. Vor allem Ersatzkapitän Junuzovic gab gegen den HSV ein mehr als durchwachsenes Bild ab. Symptomatisch war sein schwacher Freistoß kurz vor der Pause, als er aus erfolgsversprechender Situation den Ball unmotiviert in die Mauer setzte.

Derzeit tut sich keiner der Werder-Akteure auf, um die Mannschaft aus einer Krise zu führen, die nun spätestens nach dieser Derby-Niederlage ein bedrohliches Ausmaß annimmt. Die Stimmung beim Hamburger Sport-Verein könnte derzeit besser nicht sein.

Geographisch sind beide Teams nicht weit voneinander entfernt, sportlich aber liegen derzeit mehr als nur knapp 130 Kilometer zwischen Bremen und Hamburg.

Bremen - Hamburg: Die Statistik zum Spiel

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