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Fussball

"Spieler-Forderungen sind unendlich"

Klaus Allofs nahm die Spieler nach der Pleite in Mainz deutlich in die Pflicht
© Getty

Bei der 0:2 (0:1)-Niederlage in Mainz präsentierte sich der VfL Wolfsburg wieder einmal von seiner schwachen Seite. Geschäftsführer Klaus Allofs brachte seinen Spielern entsprechend wenig Verständnis entgegen - und forderte ein Umdenken.

Frage: Herr Allofs, die Szene des Spiels ereignete sich schon in der 13. Minute. Wie haben Sie die Rote Karte gegen Julian Draxler gesehen?

Klaus Allofs: Es war eine zu harte Entscheidung. Das sind solche Szenen, in denen man dem Spieler überhaupt keine Absicht unterstellen kann. Auch wenn es gefährliches Spiel ist, musste keiner verletzt raus. Die Entscheidung hätte anders aussehen müssen.

Frage: Die meisten Spieler befanden die Entscheidung als hart, aber durchaus vertretbar.

Allofs: Wie gesagt, ich glaube es ist eine falsche Entscheidung. Die Situation ist falsch ausgelegt. Aber noch einmal: Dieses Foul ist nur eine Randnotiz, eine Randerscheinung heute.

Frage: Wie hat Ihnen das Schiedsrichtergespann die Szene erklärt? Wie lief die Kommunikation mit dem vierten Offiziellen ab?

Allofs: Er wusste auch nicht direkt, was der Schiedsrichter gesehen hat. Die Sichtweisen sind da ja durchaus unterschiedlich. Wir haben das jetzt erlebt, in der letzten Woche war es ein Abseitstor und im Verlauf des Spiels ein klarer Elfmeter, der nicht gegeben worden ist... Wir müssen mit diesen Fehlern leben, deswegen ist es weder mein Ansatz, noch der des Trainers, diese Niederlage anhand der Roten Karte zu erklären. Wir brauchen an solchen Tagen eine Strategie, auch mit zehn Leuten gut zu spielen. Seit dem Beginn meiner Tätigkeit hier beim VfL war das heute eines meiner frustrierendsten Spiele.

Frage: Wieso?

Allofs: Wir waren zu keiner Sekunde in der Lage, unsere Fähigkeiten auch nur ansatzweise zu zeigen.

Frage: Wo setzen Sie Ihre Fehleranalyse an?

Allofs: Die Probleme beginnen bei den zahlreichen Ballverlusten und taktischen Unsauberkeiten. Zudem hatten wir kein Durchsetzungsvermögen in den Zweikämpfen - sowohl offensiv als auch defensiv. Das kommt alles zusammen. Wir haben uns zwei Spiele hintereinander keine Torchance erspielt. Das geht so nicht. Die Forderungen der Spieler sind immer unendlich. Sie haben ganz andere Erwartungen an uns, den Verein, aber auch an die Rolle, die sie bei uns spielen sollen. Jetzt müssen auch wir mehr fordern. Diese Leistung war nicht zufriedenstellend und damit kann ich sehr schlecht leben - in jeglicher Art und Weise.

Frage: Es liegt aber nicht daran, dass die Spieler das Potenzial dazu nicht haben, oder?

Allofs: Absolut nicht. Wenn sie das Potenzial nicht hätten, würde ich hier stehen und sagen: 'Mit zehn Mann können wir hier in Mainz nicht gewinnen.' Wir können mit zehn Mann ein besseres Spiel abliefern. Man kann uns ja nicht sagen, dass wir nicht in der Lage sind, zwei oder drei Bälle hintereinander in den eigenen Reihen zu halten oder ein paar Stationen ohne technischen Fehler durchzuspielen. Diese Frage sollten Sie aber mal den Spielern stellen.

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Frage: Ist es eine Kopfsache? Mangelt es den Spielern an Selbstvertrauen?

Allofs: Fußball ist ganz schwer - und ganz einfach. Das haben wir auch zu Beginn der Saison schon gesagt. Wer jetzt denkt, dass wir oben angekommen sind, und es sich gemütlich machen will - auf dem Platz oder im Kopf -, der wird scheitern. Wir müssen wieder an unsere Grenzen gehen und mehr tun. Wir müssen wieder den unbedingten Siegeswillen haben und nicht fragen: 'Warum spiele ich heute nicht, warum spielt der Andere?' Das gilt nicht nur für einen, sondern für elf Spieler auf dem Platz und alle 18 im Kader. Wir reden zwar viel davon, haben in dieser Hinsicht aber auf jeden Fall noch Reserven.

Frage: Dennoch: Ihre Mannschaft hat fast 80 Minuten in Unterzahl gespielt.

Allofs: Wir können doch nicht sagen, dass wir nur verloren haben, weil wir einen Mann weniger auf dem Feld hatten. Ich habe schon Mannschaften erlebt, die mit zehn Mann stärker waren - auch unsere eigene.

Frage: Muss man von einem Spieler wie Luiz Gustavo nicht erwarten, dass er sich kurz nach der Roten Karte für Draxler nicht auch noch Gelb abholt? War er nicht clever genug?

Allofs: Ich möchte meine Aussagen nicht auf Luiz beschränken. Natürlich mussten wir in der Halbzeit reagieren und da er schon Gelb vorbelastet war, blieb uns nicht viel anderes übrig, als ihn rauszunehmen. Dennoch: Man hätte auch einige andere Spieler vom Platz nehmen können.

Frage: Dabei ist Gustavo doch eigentlich ein Spieler, der gerade bei einem Rückstand vorangehen und die Mannschaft anführen soll.

Allofs: Da kann ich Ihnen auch noch ein paar Andere nennen. Oder wollen wir Luiz nun vorne aufbauen, damit sich die anderen Spieler dahinter verstecken können? Diesen Anspruch haben andere auch - und sie können das auch.

Frage: Diego Benaglio erinnerte noch einmal an die Kaderveränderungen vor der Saison: Zum Beispiel die Abgänge von De Bruyne und Perisic.

Allofs: Natürlich kann man gewisse Dinge darauf zurückführen. Kevin war immer in der Lage, eine besondere Situation zu kreieren. Trotzdem kann ich diese Abgänge nicht als Ausrede gelten lassen. Das ist nur ein Aspekt.

Frage: Dauert die Eingliederung der Neuen aber dennoch länger als gewollt? Zurzeit fehlt offensichtlich die Konstanz.

Allofs: Natürlich kann es nach einem Umbruch immer mal Ausschläge nach unten geben, da man sich erst einspielen muss - aber nicht in dieser Form. Damit kann ich nicht leben.

Frage: Welche Auswirkungen hat die aktuelle Phase auf die Saisonziele?

Allofs: Jetzt haben auch die Letzten begriffen, dass wir gegen die Bayern keine Chance haben. Jetzt geht es aber weiter darum, oben dabei zu sein. Vielleicht bekommt Werder in zwei Wochen unsere Erkenntnisse zu spüren. Ich hoffe es jedenfalls.

Frage: Was fangen Sie mit diesen Erkenntnissen an?

Allofs: Der Zauberkasten wird jetzt geöffnet. (lacht) Natürlich nicht. Wir müssen die Werte und Einstellungen der Vergangenheit wieder abrufen. Darum geht es jetzt.

Mainz - Wolfsburg: Daten zum Spiel

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