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Fussball

Schwarz, weiß, zu grün

Auch Tony Jantschke gelang es nicht, Ordnung in die Gladbacher Defensive zu bringen
© getty

Borussia Mönchengladbachs Trainer Lucien Favre setzt gegen Borussia Dortmund trotz anderer Alternativen auf zwei Youngster in der Innenverteidigung und muss sein Experiment schon nach einer halben Stunde als gescheitert ansehen. Dabei wären die Alternativen durchaus vorhanden gewesen.

"Es gibt bequemere Gegner zum Auftakt", sagte BVB-Trainer Thomas Tuchel, angesprochen auf das bevorstehende Match gegen Borussia Mönchengladbach am 1. Spieltag - und machte damals keinesfalls auf Unterstatement. Immerhin erwartete Dortmund mit Gladbach die beste Rückrunden-Mannschaft und den Zweiten der Auswärtstabelle im Signal-Iduna-Park. Auch die Vorbereitungs-Ergebnisse der Elf vom Niederrhein waren ordentlich, dazu das 3:1 im Pokal gegen St. Pauli.

Keine halbe Stunde wird Tuchel gebraucht haben, um festzustellen, dass diese Gäste-Mannschaft entgegen seiner Annahme am heutigen Tag sehr wohl ein dankbarer Kontrahent ist. 0:4 ging die Fohlen-Elf in Dortmund unter, ohne eine einzige wirkliche Torchance zu haben, ohne jemals Zugriff zum Spiel zu haben. "Damit war nicht zu rechnen", sagte Tuchel nach dem Spiel sichtlich überrascht gegenüber Sky und ergänzte: "Wir wussten, wie schwer es ist, Tore gegen sie zu schießen und ihre Konter zu verhindern." An diesem Samstag war es das nicht.

Gladbach harmlos, Dortmund konsequent

Die harmlose und blasse Vorstellung der Gäste hatte mehrere Gründe: Ein konzentriert und konsequent stark aufspielender BVB, das Fehlen jeglicher Bindung zwischen Mittelfeld und Angriff, zwei nicht existente Sechser, der mangelnde Einsatzwillen in Zweikämpfen.

Besonders auffällig war jedoch die völlig überforderte Viererkette der Borussia. Dort hatte sich Lucien Favre wie schon im Pokal für Chelsea-Leihgabe Andreas Christensen und Eigengewächs Marvin Schulz entschieden. Nach 90 Minuten musste man feststellen: die falsche Entscheidung.

Christensen und Schulz überfordert

Die beiden Youngsters bekamen das Spiel und ihre Gegenspieler zu keiner Zeit unter Kontrolle, vor allem aber kamen sie überhaupt nicht in die Zweikämpfe. Ganze drei direkte Duelle führte Christensen in 90 Minuten, Schulz immerhin zehn. Zum Vergleich: Ihre Gegenüber Mats Hummels und Sokratis, die nicht annährend ähnlich beschäftigt wurden, führten fast doppelt so viele.

Dazu kamen individuelle Fehler, die Gegentore zur Folge hatten. Beim 0:1 durch Marco Reus rückte Schulz zu spät raus, beim 0:2 übersprang Pierre-Emerick Aubameyang Christensen, der den Gabuner wenige Minuten beim 0:3 erst nicht stellen und dann nicht mehr einholen konnte. Auch vor dem 0:4 ließ sich der Däne aus der Abwehr locken.

Jantschkes Ansagen bleiben wirkungslos

Bei allen Gegentreffern fehlte die Abstimmung - zwischen den beiden Innenverteidigern, mit den Außenverteidigern, mit den Sechsern. Tony Janschkte versuchte zwar, mit lauten Ansagen im Minuten-Takt Struktur und Ordnung in den Gladbacher Defensiv-Verbund zu bekommen, konnte auf seiner rechten Seite aber nur bedingt Einfluss nehmen.

Favre muss sich die Frage gefallen lassen, warum er in so einer Partie nicht wenigstens einen erfahrenen Mann in das Zentrum zog, sondern auf zwei Bundesliga-Debütanten setzte. Die Alternativen dafür gab der Kader trotz des Fehlens von Martin Stranzl und Alvaro Dominguez durchaus her. So hätte Tony Jantschke in der Zentrale spielen können, Julian Korb in dem Fall rechts.

Auch Routinier Roel Brouwers stand Gladbachs Coach zur Verfügung. Der Niederländer ist zwar nicht der Schnellste, bewies in der Partie gegen Dortmund (3:1) in der Rückrunde der vergangenen Saison, aber, dass er durchaus in der Lage ist, diese Defizite durch seine Routine und sein Stellungsspiel auszugleichen.

Vorderleute decken Schwachstellen auf

Natürlich ist es falsch, Christensen und Schulz nun an den Pranger zu stellen oder ihnen die Schuld an der Niederlage ganz alleine in die Schuhe zu schieben. "Wenn die beiden in das Laufduell mit Aubameyang oder Reus müssen, ist schon vorher etwas falsch gelaufen", merkte Manager Max Eberl richtigerweise an. Vielmehr deckten die Fehler und Nachlässigkeiten ihrer Vorderleute die Schwachstellen von Christensen und Schulz erst auf.

Auch Favre nahm seine Verteidigung nach dem Spiel in Schutz und verwies auf das Tempo der gegnerischen Offensive, dem man schon in den vorderen Reihen entgegenwirken muss. Dies gelang Gladbach zu keiner Zeit, zu oft fanden sich die Abwehrspieler in Eins-gegen-eins-Situation oder Sprintduellen wieder. Die beiden Youngster wurden regelmäßig alleine gelassen und wussten sich selber nicht mehr zu helfen.

"Weil sie gut sind"

Ob Jantschke oder Brouwers diese Situationen besser hätten lösen können, ist fraglich. Sicher wäre es ihnen aber gelungen, auf eine andere Art von Weise Einfluss auf ihre Vorderleute zu nehmen, um so schon der Entstehung entgegenzuwirken, Signale zu setzen, oder zu ordnen.

Gladbachs Weg, jungen Spielern das Vertrauen zu schenken, ist zweifelsohne zukunftsorientiert und richtig - wenngleich er auch mit einem gewissen Risiko behaftet ist. Favre nahm dies beim Saisonauftakt bei einer der besten und spielstärksten Mannschaften der Liga in Kauf und wurde nicht belohnt.

Die Noten und Einzelkritiken zur Partie im Überblick

Die Reaktionen der VfL-Verantwortlichen nach der Partie zeigten aber gleichzeitig, wie gut man in Gladbach mit eben jener Erkenntnis umgeht. Schon am kommenden Wochenende werden Schulz und Christensen aller Voraussicht nach wieder die Innenverteidigung der Fohlen bilden. Den nicht weniger simplen als plausiblen Grund liefert Favre energisch: "Weil sie gut sind!"

Dortmund - Gladbach: Daten zum Spiel

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