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Fussball

Der Geist von Norderney

Von Adrian Franke
Der Kader von Eintracht Frankfurt in der Saison 2014/2015
© getty

Vor dem Start der 52. Bundesliga-Saison stellt SPOX alle 18 Klubs vor - mit allen Transfers, Hintergründen und der Saison-Prognose. Diesmal: Eintracht Frankfurt.

2:5 gegen Waldhof Mannheim, 1:2 gegen Terek Grozny, 1:1 gegen den VfR Aalen, dazu die scheinbar endlose Suche nach einem neuen Stürmer - schon Ende Juli wurde der Eintracht die erste Krise der Saison angedichtet.

Für den neuen Trainer Thomas Schaaf war es gleichzeitig eine erste Kostprobe, was ihn in der Mainmetropole erwarten kann. Das Team musste einige Säulen ziehen lassen und läuft Gefahr, mit neuem System vor allem in der ersten Saisonhälfte Probleme zu bekommen.

Das ist neu:

Zunächst wäre da eben jener Thomas Schaaf. "Es reicht ja, wenn die Stadt aufgeregt ist, da muss es der Trainer nicht auch noch sein", erklärte Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen mit einem Augenzwinkern.

Nachdem klar war, dass Armin Veh seinen Vertrag nicht verlängern wird, gelang den Hessen mit Schaaf ein kleiner Coup. Der langjährige Bremer muss jetzt allerdings beweisen, dass er nach wie vor auf hohem Niveau erfolgreich sein kann.

"Ich will Eintracht Frankfurt möglichst interessant machen", erklärte Schaaf, der nicht müde wird zu betonen, dass sein Projekt Zeit braucht.

Schließlich will er seinem Team nicht nur eine neue Spielweise einimpfen, der Verein hatte über den Sommer auch einen kräftigen Aderlass zu verkraften: Mit Taktgeber Pirmin Schwegler (Hoffenheim), Sebastian Jung (Wolfsburg) und Sebastian Rode (FC Bayern) gingen drei der wichtigsten Spieler.

Darüber hinaus wechselte Stürmer Joselu, der nach Leihe nicht fest verpflichtet werden konnte, nach Hannover. Stefan Aigner konnte gehalten werden, fällt wegen eines Eingriffs am rechten Knie aber wohl bis Ende September aus.

Mit Alexander Ignjovski, Timothy Chandler, Makoto Hasebe und Nelson Valdez wurde zumindest positionsgetreuer Ersatz geholt, der vermeintliche Königstransfer gelang aber erst Anfang August: Die Frankfurter Stürmersuche fand mit der Verpflichtung von Haris Seferovici hr Ende. Der Schweizer kam für 3,2 Millionen Euro aus San Sebastian.

Immerhin: Im Vergleich zur Vorsaison muss Frankfurt nicht die zusätzliche Belastung durch die Europa League stemmen. Zwar genoss der Klub die Europapokal-Nächte sichtlich, der neu zusammengebastelten Mannschaft dürften die zusätzlichen Trainingseinheiten aber zugutekommen.

Die Taktik:

Schaaf machte nach dem 3:1-Testspielsieg gegen Inter Mailand zwar seine Hoffnung klar, "dass wir uns nicht auf dieses Team begrenzen müssen". Trotzdem war es ein klarer Fingerzeig auf die taktische Vorstellung des ehemaligen Bremers, die im Trainingslager auf Norderney eingeübt und auch beim Pokalauftakt umgesetzt wurde.

Die Frankfurter bauen auf ein 4-2-3-1-System, in dem Hasebe und Martin Lanig die defensiv solide Doppelsechs bilden. Ignjovski spielt rechts in der Viererkette, auf den Flügeln kommen die Neuzugänge Valdez und der vom FC Chelsea ausgeliehene Lucas Piazon zum Einsatz. Im Sturmzentrum wird Seferovic spielen. "Ich habe andere Ideen, wenn es darum geht, Aufgaben zu erfüllen. Da habe ich andere Ansätze", betonte der neue Frankfurter Trainer.

Schaaf, der jedes Training mit Kameras aufzeichnet, will ein schnelleres, direkteres und anspruchsvolleres Offensivspiel aufziehen als sein Vorgänger, mit mehr Risiko- als Querpässen - und hat die Rückendeckung des Klubs. "Der Trainer bekommt die Zeit, um diesen Prozess und seine Spielphilosophie erfolgreich umzusetzen", versprach Manager Bruno Hübner: "Ich bin überzeugt, dass er es schafft."

Unter anderem agieren die Außenverteidiger etwas flacher, um die defensive Stabilität nicht zu gefährden und den Innenverteidigern im Spielaufbau als Anspielstationen zu dienen. Die offensive Dreierreihe genießt dagegen größere Freiheiten.

Erste kritische Position in Schaafs System war dabei die des Spielmachers. Takashi Inui war in der Vorbereitung einer der Besten und darf unter Schaaf, im Gegensatz zum Vorjahr, im zentralen offensiven Mittelfeld ran. Diese Rolle kann und soll der Japaner extrem frei interpretieren und sich fallen lassen, aber auch immer wieder in die Spitze vorstoßen.

"Als ich zur Eintracht kam, dachte ich, ich kann überall spielen. Jetzt habe ich doch gemerkt, dass ich im Zentrum meine beste Leistung zeigen kann. Deswegen ist das die Position, auf der ich unbedingt spielen möchte", zeigte sich Inui zufrieden.

Gleichzeitig bedeutet das aber auch: Alexander Meier, der in den Testspielen oft etwas deplatziert wirkte, muss seinen Platz im offensiven Zentrum hinter der Spitze räumen. Ihm droht in Schaafs auf Geschwindigkeit, Spielstärke und einen spielgestaltenden Zehner ausgerichteten System ein Bankplatz.

Einen Namensbonus schloss Schaaf ohnehin früh aus: "Jeder muss sich immer neu beweisen, wirklich jeder. Tag für Tag. Der Konkurrenzkampf ist wichtig."

Auf die Frage, was sich unter Schaaf geändert hatte, antwortete Publikumsliebling Meier mit Bezug auf das langjährige Lieblingstrainingslager seines Trainers trotzig: "Wir waren auf Norderney."

Der Spieler im Fokus:

Geht Schaafs schnelles, flügellastiges und variables Kombinationsspiel auf, sollte Seferovic oftmals am Ende der Passstafette stehen. Frankfurt stellte letztes Jahr eine der harmlosesten Offensiven der Liga (40 Tore, nur Nürnberg und Braunschweig hatten weniger). Der Schweizer soll helfen, dieses Manko zu beheben.

Der Einstand gelang ihm immerhin schon mal: In der ersten Pokalrunde gegen Viktoria Berlin brachte Seferovic seinen neuen Klub mit seinem Treffer zum 1:0 auf die Siegerstraße.

Haris Seferovics Statistiken im DFB-Pokal 2014/15

Die Prognose:

Neuer Trainer, neues System und fehlende Leistungsträger - der Eintracht steht ein schwieriges Jahr und vor allem ein holpriger Start bevor. Vieles wird davon abhängen, wie schnell die Mannschaft Schaafs Forderungen umsetzen kann. Gleichzeitig muss sich auch der 53-Jährige wieder in der Bundesliga beweisen.

Dauert die Anpassung länger, muss sich Frankfurt wieder auf einen langen Abstiegskampf gefasst machen. Spätestens in der Rückrunde sollte Schaafs System aber besser greifen und somit dürfte eine Endplatzierung zwischen Rang 11 und Rang 14 realistisch sein.

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