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Fussball

Weiter in der Findungsphase

Von Andreas Lehner
Selten gewordenes Bild: Die enttäuschten Bayern-Spieler Neuer, Kroos und van Buyten (v.l.)
© Getty

Freiburg bestraft die Bayern für altbekannte Fehler. Guardiola tüftelt weiter an seinem Team. Der Trainer muss sich Fragen nach der Rotation gefallen lassen, entscheidend war der Personaltausch aber nicht.

Jose Mourinho hatte Recht. Der FC Bayern sei unter Jupp Heynckes die beste Mannschaft Europas gewesen. Ob das mit dem neuen Trainer Pep Guardiola und einigen neuen Spielern auch noch so ist, da sei er sich nicht so sicher.

Die Heynckes-Bayern waren eine Maschine, 7:0 gegen den FC Barcelona in zwei Spielen des Champions-League-Halbfinals, 4:0 gegen Juventus Turin in den beiden Partien eine Runde zuvor. Bei dieser Mannschaft passte einfach alles.

Sie befand sich aber auch auf dem Höhepunkt einer Entwicklung. Eine Entwicklung, die Heynckes und sein Trainerteam in zwei Jahren vorantreiben konnten und die ihnen im ersten Jahr als Triple-Vize viel Häme beschert hatte.

Einzelteile der Maschine

Pep Guardiola hat diese Maschine nach seiner Ankunft erstmal in seine Einzelteile zerlegt, um sie genau kennenzulernen und sie nach seinen Wünschen und Vorstellungen wieder zusammenzubauen. Es war also keine allzu steile These, die Mourinho vor dem Duell seines FC Chelsea mit den Bayern am Freitag um den europäischen Supercup (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) da aufstellte.

Knapp zwei Monate nach Guardiolas Amtsantritt in München befinden sich Trainer und Mannschaft weiter in der Findungsphase. Das neue System und der anders angelegte Spielaufbau über den in die letzte Linie zurückgezogenen Bastian Schweinsteiger bringen eine neue Herausforderung mit sich.

Offensiv stimmen die Abläufe zum Teil und aufgrund der individuellen Klasse springen in jedem Spiel auch eine Reihe von Torchancen heraus. Die Balance und Stabilität in der Defensive, die prägenden Eigenschaften der letzten Saison, sind dagegen in der aktuellen taktischen Ausrichtung weiterhin noch nicht gegeben.

Guardiola verteidigt Rotation

Dazu muss sich Guardiola nach seinem ersten Punktverlust in der Liga auch Fragen nach seiner Aufstellung gefallen lassen. Im Vergleich zum Sieg über Nürnberg baute er seine Mannschaft gleich auf sieben Positionen um. Die zuletzt spielentscheidenden Franck Ribery und Arjen Robben saßen genauso draußen wie Philipp Lahm, Mario Mandzukic, Jerome Boateng und David Alaba.

Thiago: "Mir gefällt die offensive Position besser"

"Ich bin Trainer. Ich habe mich für diese Aufstellung entschieden. Alle Spieler verdienen es, sie arbeiten jeden Tag sehr gut. Sie haben heute sehr gut gespielt", verteidigte Guardiola seine Rotation.

Schweinsteiger angeschlagen

Schon gegen Chelsea könnte er zu einer weiteren, noch zentraleren Umstellung gezwungen sein. Schweinsteiger musste in der 78. Minute wegen einer Stauchung im Sprunggelenk ausgewechselt werden.

Da selbst im Kader des FC Bayern die Möglichkeiten endlich, Javi Martinez und Thiago Alcantara verletzt sind und Luiz Gustavo verkauft wurde, kam Ribery für ihn in die Partie, weil kein zentraler Mittelfeldspieler auf der Bank saß.

Schweinsteigers Rolle als alleiniger Sechser nahm in der Schlussphase der ebenfalls zuvor eingewechselte Lahm ein. Der versuchte ähnlich wie Guardiola jede Personaldiskussion im Keim zu ersticken: "Wenn man in allen Wettbewerben dabei sein will, braucht man einen kompletten Kader. Das war heute auch eine Mannschaft mit sehr guten Einzelspielern, und sie hat auch ein gutes Spiel gemacht."

Fehler unabhängig vom Personal

Komplett falsch lagen Trainer und Kapitän da natürlich nicht. Die Bayern beherrschten die Partie vor allem in der zweiten Halbzeit, verpassten aber trotz sehr guter Möglichkeiten das entscheidende zweite Tor.

Unabhänging vom Personal sind die Fehler im Spiel der Bayern bisher in jeder Partie dieser Saison zu beobachten gewesen. Entweder der Gegner kommt nach relativ einfachen Fehlern im Spielaufbau (Dante, van Buyten, Schweinsteiger) die Gelegenheit zum Konter, oder das Gegenpressing der Münchner läuft nach Ballverlust tief in der gegnerischen Hälfte ins Leere, das Mittelfeld ist schnell überspielt und die Defensivspieler sind beim Verteidigen oft auf sich allein gestellt.

"Wir haben das in den letzten Spielen auch ein bisschen verpasst, Klarheit ins Spiel zu bringen. Heute wurden wir dafür bestraft", sagte Lahm. Schon in Frankfurt hätte es offensiv fahrlässig und defensiv schludrige Bayern erwischen können.

Freiburgs Frustration geht auf

Die Freiburger bekamen so das Spiel, das sie wollten. Sie betrieben einen sehr hohen Aufwand, um die Passwege der Bayern zuzulaufen und das Spiel so lange wie möglich offen zu gestalten. Schon vor dem Spiel hatte Trainer Christian Streich eine "extreme Frustrationstoleranz" von seinen Spielern eingefordert, weil sie ja ständig nur dem Ball hinterher rennen durften.

Am Ende kamen die Freiburger auf 128,7 gelaufene Kilometer (Bayern 119,9), bei einem Ballbesitzanteil von 31 Prozent. So war es eng bis zum Schluss. Und das ermöglicht jeder Mannschaft mit einer noch so dezenten Schlussoffensive die Chance auf einen Treffer.

"Wenn du 1:0 führst in dieser Bundesliga, kann so was immer passieren", wusste auch Guardiola. "Wir haben immer nach vorne gespielt, haben viele Chancen gehabt." Aber eben auch diesen einen Konter zugelassen, der zum 1:1 führte. Auswärts, in der 86. Minute.

Freiburg - Bayern: Daten zum Spiel

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