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Fussball

Die Schonzeit ist abgelaufen

Von Florian Bogner
Befreiungsschlag? Fehlanzeige! Bayern München hängt im Niemandsland der Tabelle fest
© Getty

Engagement ja, Tore nein: Das galt beim 0:0 im Freitagsspiel des 9. Spieltags zwischen dem Hamburger SV und dem FC Bayern München für beide Seiten. Mit dem Ergebnis können beide Mannschaften nicht zufrieden sein. Bei Bayern ist die Schonzeit für die Wackelkandidaten im Kader nun abgelaufen - und der HSV hat schon wieder ein hausgemachtes Problem mit "Kind" Guerrero.

Reaktionen:

Armin Veh (Trainer Hamburger SV): "Pitroipa hatte eine hundertprozentige Torchance - wenn er die nutzt, gewinnen wir. Immerhin haben wir wieder zu Null gespielt - man findet immer etwas Gutes, wenn man es sucht. Wie sich Guerrero bei der Auswechslung verhalten hat, geht allerdings gar nicht. Er ist ein Kind. Man kann nicht so rauslaufen, ganz einfach. Egal, ob ich ungerecht oder gerecht ausgewechselt werde: So verhalte ich mich nicht."

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Heiko Westermann (Hamburger SV): "Wir hatten die besseren Chancen, ansonsten war es ein ausgeglichenes Spiel. Schade, dass Pitroipa das Tor nicht macht. Das ist natürlich bitter, aber besser ein Punkt als gar keiner."

Louis van Gaal (Trainer Bayern München): "Ich habe in der Kabine zu meinen Spielern gesagt, dass ich es schade finde, dass wir nicht gewonnen haben. Ich hatte das Gefühl, dass mehr möglich war. Hamburg war in den letzten 15 Minuten körperlich kaputt. Ich bin mit der Leidenschaft meines Teams zufrieden, aber nicht damit, dass wir keine Tore gemacht haben. Aber es ist natürlich Wahnsinn, dass wir alle drei Tage ein Spiel haben und nur 14 Spieler haben."

Toni Kroos (Bayern München): "Insgesamt können wir mit dem Punkt nicht zufrieden sein. Vor allem in der 2. Halbzeit waren wir die absolut dominierende Mannschaft und hätten gewinnen müssen."

Nachbetrachtung:

Neuntes Spiel, zum fünften Mal kein eigenes Tor: Bayerns Liga-Krise ist weiter eine Torkrise. Daran konnte auch Gomez' Zwischenfeuer gegen Hannover nichts ändern. In Hamburg spielte der FCB zwar aus einer defensiven Grundhaltung heraus ein paar gefällige Konter - brachte aber auch nur einen einzigen Schuss aufs HSV-Tor (Müller vs. Rost) zustande.

Zu wenig für den schlingernden Meisterschaftsfavoriten, bei dem zu viele Spieler verletzt - oder aber mit sich selbst beschäftigt sind. In Abwesenheit des Spielers mit den spielentscheidenden Qualitäten (Robben) schafft es kaum ein Stammspieler, konstant gute Leistungen zu zeigen.

Nach zuletzt passablen Spielen nahmen sich in Hamburg diesmal die Nationalspieler Schweinsteiger (über 60 Minuten) und Gomez (über 90 Minuten) eine Auszeit.

Andere, die nur wenige Chancen bekommen, nutzen sie nicht. Altintop hadert permanent mit sich selbst, liefert aber nicht ab. Ottl braucht meist das ganze Spiel, um sein Phlegma abzulegen. Pranjic ist ein netter Typ - aber zu wenig Killer für den FC Bayern. Tymoschtschuk ist von dieser Kritik auszunehmen - er erfüllt seinen Part als Aushilfsverteidiger überdurchschnittlich gut.

Dafür ist die Schonzeit für Kroos nun langsam abgelaufen. Van Gaal schiebt das Talent nicht umsonst auf den drei Offensivpositonen hin und her: Trotz passabler Ansätze hat der 20-Jährige seinen Platz bei Bayern noch immer nicht gefunden. So wirkt fast jede seiner Aktionen vor dem Tor umständlich, zu verspielt und/oder zu wenig zielgerichtet.

Sucht er dennoch mal den Abschluss, wäre ein anderer besser gestanden. Kroos wirkt gehemmt und trifft aus dieser Unsicherheit heraus oft falsche Entscheidungen - und ist so weit von der Leichtigkeit entfernt, die in für Leverkusen in den vergangenen eineinhalb Jahren so wertvoll gemacht hatte.

Beim HSV hingegen das alte Lied: Für den Aufwand, den die Mannschaft betreibt, kommt am Ende zu wenig raus. Das Sinnbild dafür ist Pitroipa, der die große Chance zum Sieg vergab. Nicht zum ersten Mal fehlen Hamburg am Ende entweder die berühmten Zentimeter - oder aber Killerinstinkt und Konzentration, um solche Spiele am Ende für sich zu entscheiden. Zudem trüben immer wieder atmosphärische Spannungen des bisweilen unreif wirkenden Kaders die Stimmung.

Immer wieder sind einzelene Spieler mehr mit sich selbst als mit den Zielen der Mannschaft beschäftigt. Diesmal war es Guerrero, der sich nach seiner Auswechslung wie ein trotziges Kind in die Kabine verzog und postwendend einen Anschiss vom Trainer kassierte.

Ziehen in diesem HSV-Team wirklich alle an einem Strang und bekommt der Coach die vielen Wehwehchen seiner Mannschaft in den Griff? Das mit Ja zu beantworten, ist nach wie vor Vehs größte Aufgabe.

Analyse: Pitroipa vergibt den Sieg - Tymoschtschuk noch der beste Bayer

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