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Fussball

Diego ist der Sündenbock

SID
Die Szene, über die ganz Wolfsburg streitet: Diego (M.) scheitert mit seinem Elfmeter an der Latte
© Getty

Meuterei beim VfL Wolfsburg: Gegen die ausdrückliche Anweisung von Steve McClaren trat Diego zum Foulelfmeter an - und verschoss. Diese Eigenmächtigkeit ärgerte den Trainer weit mehr als die 0:1-Niederlage im Niedersachsen-Derby bei Hannover 96.

Die Meuterei beim VfL Wolfsburg hatte Steve McClaren sichtlich gezeichnet. Noch eine Stunde nach dem Abpfiff war das Gesicht des Trainers dunkelrot, die Ohren glühten.

Weit mehr als die 0:1 (0:1)-Niederlage im Niedersachsen-Derby bei Hannover 96 ärgerte den Engländer die freche Eigenmächtigkeit von Diego. Gegen die ausdrückliche Anordnung des Coaches legte sich der kapriziöse Brasilianer den Ball in der 80. Minute zum Foulelfmeter zurecht - und hämmerte ihn unkonzentriert an die Querlatte.

"Helmes sollte schießen"

"Patrick Helmes sollte schießen, ich drehe mich um, plötzlich schießt Diego - unglaublich", fauchte der 49-Jährige, das letzte Wort rutschte ihm sogar auf Deutsch heraus. Auf Diego, der wohl schon wusste, warum er wortlos das Stadion verließ, warten ungemütliche Tage.

McClaren: "Ich fühle mich überrumpelt, bin wütend und enttäuscht. Gerade weil diese Sache einen sehr großen Einfluss auf das Spielergebnis hatte. Wir werden intern beraten, ob es dafür noch eine Strafe gibt."

Auch Dieter Hoeneß war auf der Tribüne das Gerangel bei der Wahl des Elfmeterschützen nicht entgangen. "Die Spieler haben sich gestritten wie eine Kindergartentruppe", sagte der Wolfsburger Sportdirektor missmutig und legte noch verbal nach: "Und deshalb verlieren wir ein Spiel, das wir nie verlieren dürfen. Das gibt einem schon zu denken."

Tuncay zeigt gute Ansätze

Immer brenzliger wird die Lage für den Meister von 2009, der Relegationsplatz 16 ist nur noch einen Punkt entfernt. Und so müssen die Wölfe notgedrungen hoffen, dass sich das teure personelle Nachrüsten im Januar so schnell wie möglich auszahlt.

Helmes, Jan Polak und Dieumerci Mbokani konnten sich bei ihrem Debüt für den VfL noch nicht profilieren, gute Ansätze zeigte zumindest der türkische Nationalmannschafts-Kapitän Tuncay.

Ganz ohne neue Spieler hingegen beißen sich die Hannoveraner im oberen Tabellendrittel fest, der Traum von der Europacup-Teilnahme wird immer realistischer. "Absteigen werden wir nicht mehr", sagte 96-Trainer Mirko Slomka mit einem Augenzwinkern, auch wenn zu den überstrapazierten 40 Punkten noch drei Zähler fehlen.

Sportdirektor Jörg Schmadtke ergänzte: "Über einen internationalen Wettbewewrb diskutieren wir nicht, andere können das gerne machen."

Pinto mit dem goldenen Treffer

Nach zwei Niederlagen ohne eigenen Torerfolg reichte den Roten vor 37.213 Zuschauern diesmal ein frühes Tor von Sergio Pinto in der fünften Minute zum ersten Sieg über die Wolfsburger nach sechs Niederlagen in Serie.

Der Portugiese schloss eine im Training einstudierte Variante mit einem Aufsetzer aus 25 Metern ab und profitierte dabei von einer Unaufmerksamkeit des Wolfsburger Torhüters Diego Benaglio. Der Schweizer Nationaltorwart unterschätzte den Distanzschuss und ließ ihn ins eigene Tor rutschen.

Dass die sportlichen Ansprüche an der Leine mit den Erfolgen der vergangenen Monate gewachsen sind, ließ sich zwischen den Zeilen beim Mannschaftskapitän Steven Cherundolo herauslesen, mit 88 Ballkontakten der präsenteste Akteur aller Feldspieler.

"Wir haben für diesen Sieg ein bisschen Glück gebraucht. Das wäre nicht nötig gewesen, wenn wir schnell ein zweites Tor gemacht hätten. Dann hätten wir einen ziemlich ruhigen Nachmittag verbracht", merkte der US-Amerikaner bei aller Zufriedenheit durchaus selbstkritisch an.

Hannover - Wolfsburg: Daten zum Spiel

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