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Fussball

Dortmund siegt glücklich weiter

Von Oliver Wittenburg/Martin Gödderz
Nuri Sahin (l.) schoss einen Traum-Freistoß zur 1:0-Führung für Borussia Dortmund

Borussia Dortmund hat sein dickes Punktepolster an der Spitze der Bundesliga-Tabelle verteidigt. Gegen Werder Bremen setzte sich die Elf von Trainer Jürgen Klopp mit 2:0 (1:0) durch.

Vor 80.720 Zuschauern im Dortmunder Signal Iduna Park brachte Nuri Sahin den BVB schon früh mit einem gefühlvollen Freistoßschlenzer in Führung (9.).

Als die Bremer Gäste in der zweiten Halbzeit auf den Ausgleich drängten, entschied Shinji Kagawa die Partie nach einer Hereingabe von Lukasz Piszczeck mit seinem achten Saisontor (70.).

Dortmund verteidigte mit dem siebten Sieg in Serie seine elf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen. Werder Bremen blieb im vierten Auswärtsspiel in Folge ohne eigenen Treffer und steckt weiter im unteren Mittelfeld fest.

Reaktionen:

Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund): "Wir haben hochverdient gewonnen- von der Elfmeterszene abgesehen, wenn er einer war. Es sind schon größere Fouls nicht zu Elfmetern gemacht worden. Dementsprechend habe ich kein wahnsinnig schlechtes Gewissen, auch wenn ich verstehen kann, dass sich Bremen aufregt. Das ist eine richtig gute Mannschaft und dass Werder Bremen nur 18 oder 19 Punkte hat - das ist die eigentliche Überraschung an der Geschichte."

zum vermeintlichen Elfmeter in der 52. Minute:

Claudio Pizarro (Werder Bremen): "Der konnte nicht mehr bremsen, er kommt und trifft mich. Klarer Elfmeter. Der kann nicht mehr bremsen, das ist klarer Elfmeter. Ich verstehe das nicht. Der Schiri ist in der Nähe - der muss es ganz klar sehen."

Thomas Schaaf (Werder Bremen): "Ich will ich nicht darüber reden - ich habe keine Lust dazu und es bringt nichts. Wir brauchen nur hingucken. Komischerweise haben viele Leute viele Dinge gesehen -  und das ist schade."

Roman Weidenfeller (Borussia Dortmund): "Er sucht den Elfmeter. Ich bleibe weg. Ich ziehe zurück und er rennt weg, weil er den Elfmeter haben will. Ich glaube nicht, dass ich ihn so treffe, wie er fällt. Vielleicht minimaler Körperkontakt, aber er muss sich nicht so dramatisch fallen lassen."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Beim BVB kehrt Barrios nach Kapselverletzung im Knie in die Startformation zurück. Kuba spielt anstelle von Großkreutz. Weil Arnautovic verletzt und Almeida gesperrt ist, beginnt Pizarro erstmals seit dem elften Spieltag für Werder.

5.: Erste Großchance BVB! Da sieht man die ungemeine Konterstärke. Kuba läuft blitzschnell auf rechts aus der eigenen Hälfte über das halbe Feld. Vor dem Strafraum die Flanke zu Barrios am langen Pfosten. Der legt ab zu Kagawa, doch der trifft den Ball nicht richtig.

9., 1:0, Sahin: Gefährliche Freistoßposition für Dortmund. Sahin tritt aus 18 Metern von halbrechts an. Wiese steht ganz weit in der anderen Ecke. Mit viel Gefühl zwirbelt Sahin den Ball ins rechte Eck. Wiese kommt nicht mehr ran.

23.: Pasanen hat den Ball an der rechten Eckfahne. Er klärt nur halbherzig, Kuba macht die Beine auf und lässt zu Sahin durch. Der zieht von rechts zum Tor und haut aus 25 Metern drauf. Wiese hat den harten Flachschuss im Nachfassen.

52.: Gleich die nächste strittige Szene. Wieder stürmt Pizarro im Strafraum auf Weidenfeller zu, ist aber einen Schritt schneller. Er spitzelt den Ball am BVB-Keeper vorbei. Weidenfeller fährt dem Peruaner etwas ungestüm in die Parade. Das roch ganz gewaltig nach Strafstoß.

68.: Die Riesenmöglichkeit zum Ausgleich. Ein Marin Freistoß segelt aus dem rechten Halbfeld in den Strafraum. Subotic kommt mit dem Fuß ran und schießt fast ins eigene Tor. Schmelzer wehrt auf der Linie ab vor die Füße von Pasanen, doch der legt irgendwie mit der Hacke zurück. Chance vertan.

70., 2:0, Kagawa: Mitten in die Bremer Drangphase der kalte Schlag. Kuba schießt von rechts, Wiese reagiert klasse. Der Ball segelt durch den Strafraum. Kagawa kommt am langen Pfosten zum Ball und schießt aus unmöglichem Winkel. Der Ball tuschiert Lewandowskis Kopf in abseitsverdächtiger Position und geht rein.

Fazit: Das Spiel ist vorbei. Dortmund siegt mit 2:0. Letztendlich geht der Sieg vor allem wegen der ersten Hälfte in Ordnung, fällt aber wohl um ein Tor zu hoch aus.

Der Star des Spiels: Es kam nicht von ungefähr, dass Shinji Kagawa leise aufkommende Zweifel an einem Dortmunder Sieg mit seinem Treffer zum 2:0 zerstreute, auch wenn das Tor irregulär war. Der Japaner drehte von der ersten Minute gewohnt quirlig auf, zeigte das eine oder andere atemberaubende Dribbling und war, auch wenn ihm nicht alles gelang, auffälligster Dortmunder.

Die Gurke des Spiels: Aaron Hunt. Als es Dortmund in der zweiten Halbzeit schleifen ließ, sorgten der unermüdliche Einzelkämpfer Pizarro und Marin zumindest für etwas Durcheinander in der BVB-Hintermannschaft. Von Hunt kam von zwei ordentlichen Schüssen Ende der ersten bzw. zweiten Halbzeit viel zu wenig.

Die Pfeife des Spiels: Florian Mayer fing stark an und zeigte gerade in der Bewertung der Zweikämpfe gutes Gespür, leistete sich aber mit zunehmender Spielzeit mehr Fehler. Er übersah Weidenfellers Foul an Pizarro, das durchaus mit Strafstoß geahndet hätte werden können. Er übersah Lewandowskis Eingreifen aus Abseitsposition bei Kagawas Schuss zum 2:0. Und er verzichtete darauf, Kuba für eine Schwalbe Gelb zu zeigen.

Analyse: Dortmund ging die Partie wie immer mit sehr hohem Tempo an, stand extrem hoch und sorgte in Ballnähe für permanente Überzahl. Werder war nur mit Verteidigen beschäftigt und igelte sich gezwungenermaßen mit acht, neun Mann hinten ein. Vor allem über die rechte Seite stürzte der BVB die Bremer von einer Verlegenheit in die nächste. Auch nach der Führung durch Sahins Kunstschuss hielt der Tabellenführer Druck und Tempo hoch.

Erst ab Mitte des ersten Durchgangs ging Dortmund etwas vom Gas, ohne aber zunächst die Kontrolle über die Partie zu verlieren.

Wer mit der üblichen BVB-Druckwelle nach Wiederanpfiff gerechnet hatte, sah sich dann aber getäuscht. Der Spitzenreiter schien sich darauf beschränken zu wollen, das Spiel mit dem geringst möglichen Aufwand nach Hause zu schaukeln und lud Werder ein, seinerseits in die Offensive zu gehen.

Ein Spiel mit dem Feuer, das durchaus hätte schief gehen können und der jungen Truppe und Klopp eine Warnung sein sollte.

Hätte Schiedsrichter Mayer Werder einen durchaus berechtigten Foulelfmeter zugesprochen (52.) und hätte Mayer gesehen, dass der eingewechselte Lewandowski bei Kagawas Schuss zum 2:0 noch bewusst am Ball war und dabei im Abseits stand, hätte das Spiel ganz anders ausgehen können.

So kann man Dortmund zugute halten, dass man das Europa-League-Spiel in Sevilla im Hinterkopf eben nicht an die letzten Kraftreserven gehen wollte.

Dortmund - Bremen: Daten zum Spiel

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