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Fussball

Hamburg zittert sich zum Punktgewinn

Von Frank Oschwald / Stefan Rommel
Jonathan Pitroipa (M.) traf ausgerechnet gegen seinen Ex-Klub Freiburg zu seinem zweiten BL-Tor
© Getty

Der Hamburger SV ist bei Aufsteiger SC Freiburg nur mit einem mageren 1:1-Unentschieden in die neue Bundesliga-Saison gestartet.

Im ersten Bundesligaspiel des SC ohne Volker Finke auf der Trainerbank und bei der Bundesliga-Premiere von Robin Dutt als Coach trennten sich beide Mannschaften 1:1 (0:1), wobei die Gäste mit dem Punktgewinn noch gut bedient waren.

Vor 24.000 Zuschauern erzielte ausgerechnet der Ex-Freiburger Jonathan Pitroipa bereits in der 3. Minute die frühe Führung für die Gäste. Mitte der zweiten Halbzeit glich Tommy Bechmann dann für den SCF aus (65.).

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Freiburg ohne Stammkeeper Pouplin und Innenverteidiger Toprak. Salz steht dafür im Kasten, Barth verteidigt im Zentrum. Butscher rückt dafür links raus.

Der HSV wieder mit Jarolim neben Ze Roberto im defensiven Mittelfeld. Bis auf den Brasilianer sitzen alle Neuzugänge zunächst nur auf Bank.

3., 0:1, Pitroipa: Eine Ecke segelt von der rechten Seite in die Mitte. Idrissou schafft es nicht, den Ball zu klären. Pitroipa fällt der Ball vor die Füße. Er schließt sofort ab. Der Ball schlägt flach im linken Eck ein.

20.: Überragender Flugball über das komplette Spielfeld von Flum auf Cha. Der steht am rechten Flügel und leitet den Ball volley in die Mitte. Bechmann stürmt heran und setzt den Ball aus fünf Metern hart bedrängt von Boateng rechts neben das Tor.

22.: Banovic aus 20 Metern. Strammer Schuss, Rost schon geschlagen - der Ball zischt aber hauchdünn links am Tor vorbei.

Halbzeit-Fazit: Unverdiente Führung für den HSV nach 45 Minuten. Ein echter Torschuss, ein Tor. Und Freiburg? Mehr Spielanteile, mehr Chancen, weniger Tore.

65., 1:1, Bechmann: Laufduell zwischen Rozehnal und Idrissou. Der Freiburger schubst klar mit dem Arm, Rozehnal fällt. Sippel lässt aber weiterlaufen. Flanke zur Mitte, wo Bechmann den Ball stoppen will - und ihn dabei unfreiwillig über Rost ins Tor hebt.

80.: Aogo zwirbelt den Ball aus dem rechten Halbfeld in die Mitte. Wieder kommt keiner an den Ball. Keeper Salz taucht ins linke Eck und hat ihn.

87.: Guerrero legt eine Flanke per Kopf auf Petric ab. Der versucht es am Fünfer mit dem Fallrückzieher, haut den Ball aber knapp rechts vorbei.

Fazit: Ein schmeichelhafter Punktgewinn für den HSV gegen eine vor allem gedanklich und läuferisch um Klassen stärkere Freiburger Mannschaft.

Der Star des Spiels: Johannes Flum zeigte in seinem ersten Bundesligaspiel überhaupt eine erstaunlich reife Vorstellung. Der 21-Jährige zog ruhig und abgeklärt die Fäden im Freiburger Mittelfeld. Flum variierte das Spieltempo geschickt, wobei ihm so gut wie keine Fehler unterliefen. Erst gegen Ende der Partie baute der Youngster kräftemäßig etwas ab.

Die Gurke des Spiels: Paolo Guerrero rutschte kurz vor Spielbeginn doch noch in die Startelf und verwirkte seine Chance recht fahrlässig. Der Peruaner hatte kaum Bindung zum Spiel, gewann kaum Zweikämpfe (17 Prozent), hatte keinen einzigen Torschuss und fiel umhin nur durch recht sinnfreie Fouls auf. Eigenwerbung geht anders.

Die Pfeife des Spiels: Peter Sippel hatte in einem teilweise hitzigen Spiel einige Male über brenzlige Situation zu richten und machte seine Sache ausreichend. Drei potenziellen Freiburger Elfmetersituationen stand ein Foul von Idrissou vor dem Ausgleich entgegen. Immerhin: Sippel zeigte sich auf beiden Seiten generös.

So diskutierten die User während des Spiels!

Die Lehren des Spiels: Freiburg spielte, als ob es nie weg gewesen wäre: Ein feines Kurzpassspiel mit wenigen Kontakten - aber eben nicht zielstrebig genug. Der SC hatte gegenüber dem etablierten HSV die deutliche reifere Spielanlage, machte aber aus seiner Überlegenheit viel zu wenig.

Dutts Elf hat dessen Vorstellungen schon fest verinnerlicht, die Automatismen funktionieren. So ist der SCF eine angenehme Bereicherung für die Bundesliga. Dagegen war beim HSV von einem Konzept oder einer bestimmten Ausrichtung nach Labbadias Gusto noch gar nichts zu sehen.

Hamburg war wie schon im Pokal gegen Düsseldorf und in der EL-Quali gegen Randers im Abwehrzentrum teilweise ganz furchtbar konfus. Da stimmte die Zuordnung überhaupt nicht, sobald einer der Außenverteidiger einrücken musste - was sehr oft der Fall war. Aogo fand in der Rückwärtsbewegung kaum Unterstützung durch seinen Vordermann Pitroipa, weshalb die linke Hamburger Seite sehr anfällig war.

Selbst die Routiniers Ze Roberto und Jarolim brachten trotz der Führung keine Ruhe ins Hamburger Spiel. Statt anständiger Laufarbeit gepaart mit Passspiel versuchten es die Gäste immer wieder mit langen Schlägen in die Spitze - so gingen die Bälle aber fast jedes Mal schon früh verloren und der HSV war dadurch gleich wieder unter Druck.

Einzig die individuelle Überlegenheit rettet dem HSV den schmeichelhaften Punkt. Fazit: Auf Labbadia wartet noch ein ganzer Berg voll Arbeit. Die Euphorie nach den Verpflichtungen vieler namhafter Neuzugänge wird nach zuletzt drei schwachen Spielen in Folge erstmals deutlich abflauen.

Freiburg - Hamburg: Daten & Fakten

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