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Fussball

Zidan schockt Schalke

Von Haruka Gruber / Daniel Börlein
Dortmunds Subotic (links) hatte mit den Schalker Stürmern (hier Asamoah) seine liebe Not
© Getty

Der FC Schalke 04 hat wegen einer Unachtsamkeit in der Schlussphase den Befreiungsschlag verpasst. Im Revier-Derby spielten die Königsblauen gegen Borussia Dortmund nur 1:1 (1:0).

In der mit 61.673 ausverkaufen Veltins-Arena erzielte Kevin Kuranyi per schönen Seitfallzieher die Führung (20.). In der 81. Minute gelang Dortmunds Ägypter Mohamed Zidan aus dem Nichts aber der Ausgleich. 

"Die Enttäuschung über das Ergebnis ist sehr groß. Wir haben das Spiel taktisch und kämpferisch richtig gut im Griff gehabt. Nur hätten wir das zweite Tor machen müssen", sagte S04-Coach Fred Rutten.

"Nach dem Spielverlauf müssen wir uns über den Punkt freuen, keine Frage", erklärte Dortmund-Trainer Jürgen Klopp.

Beide Teams stecken damit weiter im Mittelfeld fest - was vor allem für Andreas Müller Konsequenzen haben könnte. Der S04-Manager steht wegen des enttäuschenden Saisonverlaufs in der Kritik und hat bei der Führungsspitze kaum mehr Kredit.

"Der Punkt war verdient. Es ist wichtig, dass wir in der Tabelle einen Punkt vor Schalke stehen. Wir konnten die BVB-Fans heute feiern lassen", sagte BVB-Torschütze Zidan.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Spiel: Jones und Westermann, beide zuletzt gesperrt, stehen für Rakitic und Altintop in der Startelf. Westermann im Mittelfeld. Dortmund stellt überraschend auf ein 4-1-4-1 um. Lee (Sperre), Tinga (angeschlagen) und Valdez (Bank) werden durch Schmelzer, Kringe und Sahin ersetzt.

10.: Krstajic wird von Boateng gefoult und muss früh raus. Altintop kommt.

14.: Doppelchance für Schalke! Erst geht ein Kuranyi-Schuss nach einer Kobiaschwili-Flanke knapp links vorbei. Kurz darauf passt Engelaar auf Altintop, der aber nur Subotic anschießt.

20., 1:0, Kuranyi: Schmelzer und Santana bedrängen Altintop an der rechten Eckfahne nur halbherzig. Der Türke bringt die Flanke nach innen, wo sich Kuranyi von Subotic abgesetzt hat und die Kugel aus elf Metern per Seitfallzieher in die linke Ecke hämmert. Traumtor!

34.: Nachdem Schmelzer den Ball mit seinem Schienbein zurück in die Mitte prallen ließ, liegt Kuranyi wieder quer in der Luft. Dieses Mal geht der Ball aber drüber.

44.: Hajnal verliert den Ball an Kobiaschwili. Der Georgier passt auf rechts zu Farfan, der aus 16 Metern abzieht. Weidenfeller klärt mit den Fäusten.

61.: Langer, hoher Ball aus der Schalker Hälfte. Subotic verschätzt sich und semmelt an der Kugel vorbei. Kuranyi ist dadurch alleine durch, aber der Schuss aus 12 Metern ist zu hoch.

72.: Engelaar schickt auf links Farfan auf die Reise. Der Peruaner setzt sich mit etwas Glück gegen Santana durch. Im letzten Moment bekommt Subotic noch die Fußspitze dran.

81., 1:1, Zidan: Zidan passt in den Strafraum auf Hajnal, der von Höwedes geblockt wird, so dass die Kugel wieder Zidan vor die Füße springt. Der Ägypter fackelt nicht lange und drischt den Ball mit links aus zwölf Metern in den linken Winkel.

85.:  Wieder Zidan alleine vor Neuer. Wieder zieht er direkt ab. Neuer kriegt die Finger eben noch so dran.

So lief das Spiel: Schalke spielte nicht brillant - aber das reichte aus, um sehr schwache Dortmunder zu beherrschen. Vor allem das Mittelfeld war das Revier der Königsblauen.

Obwohl der BVB nominell zwei Mittelfeldspieler mehr auf dem Platz hatte, machten diese kaum einen Stich. Selbst nachdem S04 wegen Krstajic' Verletzung umstellen und Westermann in die Innenverteidigung beordern musste. 

Folgerichtig gingen die Gastgeber in Führung und bestimmten auch nach der Halbzeitpause das Geschehen. Bei einer besseren Chancenauswertung hätte bereits früh alles entschieden sein können - doch dann kam Zidans Auftritt. Am Ende hätte Dortmund die Partie sogar noch drehen können, weil S04 auf Teufel komm raus das Siegtor erzielen wollte und die Defensive entblößte.

Der Star des Spiels: Lewan Kobiaschwili. Zwar erst 31 Jahre alt, wirkte der Georgier wegen seiner phlegmatisch-einschläfernden Art in den vergangenen Monaten eher wie ein Bundesliga-Vorruheständler.

Aber dann das: Eine beherzte Leistung gegen Dortmund, die an alte Freiburger Zeiten erinnerte. Dynamische Flankenläufe, giftig im 1-gegen1 (73 Prozent gewonnene Zweikämpfe) und unglaublich passsicher (nur sieben Fehlpässe bei 50 Versuchen). In der Form ist Kobiaschwili der Stammplatz sicher.

Stark auch Zidans Auftritt. Als Joker gekommen, brachte er viel Schwung und hätte nach seinem 1:1 fast das Siegtor für Dortmund erzielt.

Die Gurke des Spiels: Alex Frei. Selbstredend ist es eine undankbare Aufgabe, sich als einzige Spitze gegen derart starke Innenverteidiger wie Höwedes und Westermann aufzureiben. Dennoch: Was Frei ablieferte, war eine Minus-Leistung.

Die Statistik des Grauens: 0 Torschüsse, 0 Torvorlagen, 17 Ballkontakte, vier von fünf Zweikämpfen verloren, kein Freilaufen, kein Anbieten, kein Pressing, nichts. In der 58. Minute hatte BVB-Trainer Jürgen Klopp ein Einsehen und wechselte den Schweizer aus.

Die Lehren des Spiels: Zwar nur ein Punkt, aber immerhin war bei S04 ein Aufwärtstrend erkennbar. Die Gastgeber dominierten Dortmund 80 Minuten lang und waren in allen Belangen überlegen. Ob nun kämpferisch oder spielerisch.

Erstaunlich: Die gute Balance zwischen Angriff und Verteidigung - auch wegen den guten Leistungen der Mittelfeldspieler Jones, Altintop und Engelaar, der sein vielleicht bestes Spiel auf Schalke bot.

Dortmund hingegen enttäuschte. Klopps Taktik, mit einem 4-1-4-1 Schalke zu überraschen, ging in die Hose. Die offensive Vierer-Reihe stand sich gegenseitig auf den Füßen, dafür war die einzige Sturmspitze Frei völlig isoliert. Mit Zidans Einwechslung bewies Klopp aber einen guten Riecher - und kaschierte damit die schwache Leistung der Dortmunder.

Schalke - Dortmund: Daten & Fakten

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