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Fussball

Bayern Münchens Sportdirektorin Bianca Rech exklusiv: "Die Marke FC Bayern reicht nicht aus, um zu überzeugen"

Von Ameé Ruszkai
Nach dem Gewinn der Meisterschaft in der Frauen-Bundesliga hat der FC Bayern nicht nur Ambitionen, wenn es um die nationalen Titel geht.

Für die Fußball-Fans, die sich nicht sonderlich gut mit dem Frauenfußball auskennen, dürfte es zwar nicht überraschend sein, dass Deutschland das bislang erfolgreichste Land in der Champions League der Frauen ist. Viel überraschender ist für sie wahrscheinlich die Tatsache, dass der FC Bayern München, bei den Männern mit Abstand der Klub mit den meisten Titeln, noch nie in der Königsklasse der Frauen triumphierte.

Frankfurt, Duisburg, Potsdam und Wolfsburg haben in der Vergangenheit schon die Champions League gewonnen - und drei von ihnen sogar, bevor der FC Bayern auch nur ein Duell in der Königsklasse absolvierte. Denn der FCB feierte sein CL-Debüt erst 2009.

Zwölf Jahre später wird deutlich, welch imposante Entwicklung der Verein durchgemacht hat: Inzwischen haben die Bayern-Frauen drei Meisterschaften in den letzten sechs Jahren gefeiert und standen zweimal im Halbfinale der Champions League. Heute geht es auf der ganz großen Bühne gegen den siebenfachen CL-Sieger Lyon - und der FCB ist ganz sicher nicht chancenlos.

"Wenn man sich anschaut, was in den letzten zehn Jahren passiert ist, ist das unglaublich", sagt Bayerns Sportdirektorin Bianca Rech SPOX und GOAL. Bis 2010 trug sie selbst das FCB-Trikot und kehrte dann 2016 zu den Münchnerinnen zurück, um eine Position im Management zu übernehmen. Zwar hatte der FC Bayern gerade zwei Meistertitel in Folge geholt und den VfL Wolfsburg damit als Nummer eins in Deutschland zeitweilig abgelöst, "aber für mein Gefühl fehlte etwas", wie Rech anmerkt.

Rech: FCB will Serienmeister werden

"Ich habe keinen Plan für die Zukunft entdeckt. Deshalb habe ich mich mit dem Leiter des Frauen-Fußballs hingesetzt und gesagt 'Wenn wir auch in Zukunft Titel holen wollen, müssen wir etwas schriftlich festhalten", erzählt Rech. Gesagt, getan: "Deshalb habe ich ein Strategiepapier entwickelt, in dem ausgeführt wird, wo wir als FC Bayern hinwollen", so die 40-Jährige.

"Unsere Vision war es, die Nummer eins in Deutschland zu werden - aber nicht nur für ein Jahr", erzählt Rech. Wolfsburg holte danach zwischen 2017 und 2020 viermal in Folge den Titel, doch das Ziel des FC Bayern ist und bleibt es, selbst zum Seriensieger in der Liga zu werden.

Damit das gelingt, sind kluge Transfers nötig. Auf diesem Gebiet hat Rech in der jüngeren Vergangenheit eine Weiterentwicklung bei ihrem Klub gesehen: "Letztes Jahr war es ein großer Schritt für uns, als wir Hanna Glas und Viviane Asseyi geholt haben. Spielerinnen von außen, von großen ausländischen Klubs, aus großen Fußball-Nationen", sagt die Sportdirektorin. "Sonst war es immer umgekehrt: Melanie Leupolz und Vivienne Miedema haben uns beispielsweise Richtung England verlassen", ergänzt sie.

Aus England und Spanien kommen auch die großen Bayern-Konkurrenten, wenn es um die Königsklasse geht. "Es gibt momentan viele Top-Klubs, die die Champions League gewinnen wollen und die viel Geld ausgeben können", erklärt Rech. "Das Problem ist, dass es noch nicht die große Anzahl an Top-Spielerinnen gibt", fügt sie hinzu. "Wenn man jemanden für eine Position haben will, gibt es nicht wie bei den Männern fünf bis zehn Kandidaten, sondern nur eine Spielerin, zwei, allerhöchstens drei. Dann wollen fünf Klubs diese eine Spielerin haben", berichtet sie von den Problemen auf dem Transfermarkt. Die Folge: "Dann ist klar, was passiert: Die Spielerinnen werden richtig teuer", so Rech.

Der FC Bayern als "zweite Familie"

Entsprechend glücklich war der FC Bayern, dass es im Sommer mit einem Coup klappte: Mit Saki Kumagai kam ein echter Top-Star aus Lyon nach München. "Sie ist eine tolle Spielerin. Wenn ihr das Geld wichtig gewesen wäre, wäre sie zu einem anderen Verein gegangen. Aber sie wollte zu uns, wegen unseres Projekts und unseres Konzepts", sagt Rech. "Die Marke FC Bayern reicht nicht aus, um Spielerinnen zu überzeugen. Die Bundesliga steht auch nicht so stark in der Öffentlichkeit wie die englische Liga, die viel mehr Geld mit den TV-Rechten macht", nennt sie die Schwierigkeiten, die die Bayern im internationalen Vergleich haben.

Punkten kann der FCB nach Ansicht Rechs mit seiner besonderen Atmosphäre: "Die wird geschaffen von den Spielerinnen und den Leuten, die hier für den Verein arbeiten. Sie sorgen dafür, dass man sich jeden Tag einfach wohlfühlt. Die ausländischen Spielerinnen sagen mir oft: 'Es fühlt sich wie eine zweite Familie hier an'", berichtet Rech.

Als echte Einheit will sich der FC Bayern nun daran machen, das große Ziel zu erreichen. "Als wir das Strategiepapier geschrieben haben, war es unsere Vision, die Champions League zu gewinnen. Seit der Saison 2019/20 entwickeln wir uns gut, und es war und ist unser Ziel, mittelfristig den Champions-League-Titel zu holen", bestätigt Rech. Damit das gelingt, darf es mit der Entwicklung des FC Bayern allerdings nicht vorbei sein: "Wir müssen weiterhin Schritte in die richtige Richtung gehen", sagt Rech. Der nächste könnte schon heute Abend gegen Lyon folgen.

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