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Fussball

Wenn Bayern München zum FC Nebenkriegsschauplatz wird: Hat Nagelsmann es schwerer als seine Vorgänger?

FC Bayern München, Julian Nagelsmann, Pep Guardiola

Julian Nagelsmann ist beim FC Bayern dieser Tage fast mehr Krisenmanager als Fußballtrainer. Weil sich die Bosse eher wegducken, gehört es auch zu seinen Aufgaben, den ständigen Corona-Ärger und das Chaos um die jüngste Jahreshauptversammlung wegzumoderieren.

"Es gab wahrscheinlich schon einfachere Situationen, um Bayern-Trainer zu werden: Erst die sehr erfolgreiche Zeit, dann Corona und die Thematik der Jahreshauptversammlung", sagte der 34-Jährige am Rande des Bundesliga-Spiels gegen Arminia Bielefeld (1:0).

Minderkomplex sind Nagelsmanns Aufgaben gerade wirklich nicht. Doch wie war es für seine Vorgänger? SPOX und GOAL blicken zurück.

Hansi Flick

  • Amtszeit: 3. November 2019 bis 30. Juni 2021
  • Titel: 7 (2x Deutsche Meisterschaft, 1x Champions League, 1x DFB-Pokal, 1x DFL-Supercup, 1x UEFA-Supercup, 1x Klub-Weltmeisterschaft)

Der heutige Bundestrainer übernahm in einer sportlich prekären und dementsprechend unruhigen Situation das Ruder. Die Bayern wollten ihn zunächst aber nur als Übergangslösung, wodurch er ohne großen Druck seiner Arbeit nachgehen konnte. Corona war zu dieser Zeit noch kein Thema und auch von anderen Störfaktoren fehlte jede Spur. Flick hatte insofern deutlich weniger Probleme, den Fokus seiner Spieler auf das Sportliche zu lenken. Ohnehin wollten alle beweisen, es besser zu können als in den Monaten zuvor unter Niko Kovac. Der Rest ist Geschichte - auch wenn im zweiten Flick-Jahr die Streitereien mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic durchaus von dem Geschehen auf dem Rasen ablenkten.

Niko Kovac

  • Amtszeit: 1. Juii 2018 bis 3. November 2019
  • Titel: 3 (1x Deutsche Meisterschaft, 1x DFB-Pokal, 1x DFL-Supercup)

Kovac wechselte nach dem Pokalsieg mit Eintracht Frankfurt nach München, wo er von Anfang an von einigen Verantwortlichen kritisch beäugt wurde. Karl-Heinz Rummenigge zum Beispiel hätte lieber Thomas Tuchel als Nachfolger für Jupp Heynckes verpflichtet. Dass Kovac auch prompt in der Vorbereitung auf die Saison bei einigen Stars in Ungnade fiel, machte es nicht einfacher für ihn.

Dennoch blieb seine erste Spielzeit an der Isar noch halbwegs von Turbulenzen befreit, zumal ihm sein größter Befürworter im Verein, Uli Hoeneß, immer wieder öffentlich den Rücken stärkte und an der Seite von Rummenigge mit jener legendären Würde-des-Menschen-Pressekonferenz lieber selbst für Wirbel sorgte. Am Ende holte Kovac immerhin das Double - und musste Monate später infolge mehrerer schwacher Leistungen und wachsender Probleme mit einigen Spielern (etwa Thomas Müller) gehen.

Jupp Heynckes

  • Amtszeit: 9. Oktober 2017 bis 30. Juni 2018
  • Titel: 1 (1x Deutsche Meisterschaft)

"Don Jupp", der Triple-Coach von 2013, folgte im Herbst 2017 als Interimstrainer auf den entlassenen Carlo Ancelotti. Mit ihm kehrte wieder Ruhe, zugleich aber auch Zucht und Ordnung beim Rekordmeister ein. Kein Wunder, dass die Bosse um Hoeneß ihn nur wenige Wochen nach seiner Rückkehr zu überreden versuchten, über die Saison hinaus an der Seitenlinie zu bleiben.

Spielerversteher Heynckes hingegen stellte klar, nur einen "Freundschaftsdienst" erfüllen zu wollen. Ständig mit Hoeneß' Avancen konfrontiert zu sein und diese immer wieder abzuschlagen, erfordete womöglich die größte Anstrengung während dieser Amtszeit. Er brachte die Saison mit dem Gewinn der Meisterschaft zu Ende. Die wenigen Nebenkriegsschauplätze wischte der Routinier mit seiner lockeren, entspannten Art weg.

Carlo Ancelotti

  • Amtszeit: 1. Juli 2016 bis 28. September 2017
  • Titel: 3 (1x Deutsche Meisterschaft, 2x DFL-Supercup)

Der Italiener kam nach einer sportlich attraktiven Zeit unter Guardiola. Was allen im Verein fehlte, war der Gewinn der Champions League. Zusätzlich beflügelt wurde die Ankunft Ancelottis durch das Comeback von Hoeneß als Präsident im November 2016 - von Störfaktoren also keiner Spur, im Gegenteil. Nur die Führungsspieler, die intensives und forderndes Training gewöhnt waren, waren angesichts von Andelottis lockerer Gangart früh skeptisch. Doch nach einer guten ersten Saison mit dem Gewinn der Meisterschaft und dem knappen Aus in der Königsklasse gegen Real Madrid glaubten die Verantwortlichen an den großen Coup im zweiten Jahr.

Schnell stimmten da die Ergebnisse nicht mehr, weil sich innerhalb der Mannschaft Unruhe breitmachte. Einige Spieler waren mit den Arbeitsmethoden von "Carletto" nicht zufrieden. Im September 2017, nach einer bitteren Niederlage gegen Paris Saint-Germain und einer Spielerrevolte, folgte das Aus.

Pep Guardiola

  • Amtszeit: 1. Juli 2013 bis 30. Juni 2016
  • Titel: 7 (3x Deutsche Meisterschaft, 2x DFB-Pokal, 1x UEFA-Supercup, 1x Klub-Weltmeisterschaft)

Die Verpflichtung von Guardiola war ein absolutes Highlight für den Verein, aber auch für einige Spieler. Dem Spanier wurde nach Heynckes' Triple-Gewinn jedoch eine entsprechend hohe Erwartungshaltung zuteil - vergleichbar mit Nagelsmann, von dem jetzt alle erwarten, dass er die Erfolge unter Flick bestätigt.

Im Gegensatz zu Nagelsmann musste sich Guardiola aber nicht mit FC-Hollywood-ähnlichen Themen wie Corona oder dem Ärger um das Katar-Sponsoring herumschlagen. Es ging bis auf ganz wenige Ausnahmen nur um Fußball - eine Situation, von der Nagelsmann aktuell nur träumen kann.

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