Fussball

Lewandowski-Hiobsbotschaft nach Gala-Auftritt - jetzt bleibt dem FC Bayern nur eine echte Option

Von Dennis Melzer
Robert Lewandowski wird dem FC Bayern wochenlang fehlen.

Robert Lewandowski muss verletzungsbedingt rund vier Wochen pausieren. Eine ungewohnte Situation für den FC Bayern. Hansi Flick bleiben nicht viele Optionen.

Anmerken ließ sich Robert Lewandowski nichts, als er um kurz vor Mitternacht mit seinen Mannschaftskollegen beim traditionellen Champions-League-Bankett ankam. Kein Humpeln, keine Regungen im Gesicht, die einen Hinweis darauf hätten geben können, dass etwas nicht stimmt. Ausgelassen war sie, die Laune beim deutschen Rekordmeister, der kurz zuvor an der nahegelegenen Stamford Bridge den FC Chelsea im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League mit 3:0 abgewatscht hatte.

Daran, dass der Einzug in die Runde der letzten Acht in drei Wochen nur noch Formsache sein dürfte, hatte der polnische Stürmer erheblichen Anteil - einmal mehr. In herausragender Manier bediente er gleich zweimal binnen drei Minuten Serge Gnabry, der sein persönliches Torkonto in der englischen Hauptstadt in der laufenden Saison auf sechs schraubte, nachdem er in der Gruppenphase bei Tottenham Hotspur zum Viererpacker avanciert war. Ein sehenswertes Solo über die linke Seite von Shootingstar Alphonso Davies veredelte Lewy eine Viertelstunde vor Abpfiff dann selbst.

Robert Lewandowski trifft nach 673 Minuten wieder in einem K.o.-Spiel

Ein besonderer Treffer, hatte im Vorfeld der Begegnung mit den Blues doch eine gewisse Statistik die Berichterstattung dominiert. "Misere", "Krise" oder "Fluch" waren die Schlagworte, die im Zusammenhang mit dem 31-Jährigen auftauchten. Der Hintergrund: Lewandowski hatte seit sieben K.o.-Spielen, sprich seit Februar 2018, in der Königsklasse kein Tor mehr erzielt, auch als Vorlagengeber war der Angreifer nicht in Erscheinung getreten. Ungewöhnlich für den verlässlichen Goalgetter, der den Torlos-Minutenzählern aber letztlich nach 673 Minuten ein Schnippchen schlug.

Dass es sich dabei um seinen vorerst letzten Treffer handeln würde, ahnte zu jenem Zeitpunkt wohl niemand. Wenige Stunden später, quasi aus dem Nichts, gab der FCB via Social Media die Hiobsbotschaft bekannt.

Anbruch der Schienbeinkante am linken Kniegelenk lautete die Diagnose, die Lewandowski nach Angaben seines Arbeitgebers circa vier Wochen, somit mindestens für das Rückspiel gegen Chelsea, das DFB-Pokal-Duell mit Schalke 04 sowie die Bundesliga-Partien gegen Hoffenheim, Augsburg, Union Berlin und Frankfurt außer Gefecht setzt. Zum Spitzenspiel bei Borussia Dortmund soll die Münchner Lebensversicherung wieder an Bord sein.

Robert Lewandowski verpasste erst zwölf Spiele wegen Verletzungen

Das Fehlen von Lewandowski ist für die Bayern eine ungewohnte Situation. Seit seinem Wechsel an die Isar im Jahr 2014 musste er verletzungsbedingt allerhöchstens zwei Spiele am Stück aussetzen, insgesamt verpasste der 112-malige Nationalspieler in beinahe sechs Jahren nur zwölf Partien.

In regelmäßigen Abständen, nämlich wenn das Transferfenster wieder einmal geöffnet ist, wird dennoch über die Sinnhaftigkeit einer Backup-Verpflichtung debattiert. Für den Fall, dass Lewy wider Erwarten doch einmal zwangspausieren muss. Nun ist ebenjener Fall eingetreten, ein Ersatzmann im klassischen Sinne steht seit Sandro Wagners Weggang im vergangenen Jahr nicht zur Verfügung. Welche Optionen hat Trainer Hansi Flick, um seinen eigentlich Unersetzbaren bestmöglich zu vertreten?

Für Joshua Zirkzee, der als typischer Neuner agiert und seinen Torriecher bei den Profis kurz vor Weihnachten zweimal unter Beweis stellte, dürften die Fußstapfen noch zu groß sein. Der Niederländer wird aller Voraussicht weiterhin als Joker eingeplant, darf sich aber Hoffnungen auf weitere Einsätze machen.

Thomas Müller auf der Zehn derzeit zu stark

Auch Thomas Müller ist tendenziell im Stande, an vorderster Front zu stürmen. Allerdings glänzt der Weltmeister von 2014 dieser Tage auf der Zehn und hat sich hinter der Spitze nahezu unverzichtbar gemacht.

Jann-Fiete Arp, gelernter Stürmer, der im Sommer vom Hamburger SV zu den Münchnern wechselte, erlebt keine gute Spielzeit, hatte immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. Derzeit kommt das Nordlicht nicht einmal in der zweiten Mannschaft regelmäßig zum Einsatz. Tatsächlich kommt eigentlich nur Gnabry infrage.

Der 24-Jährige bekleidet die Position im Sturmzentrum auch in der Nationalmannschaft erfolgreich. 13 Tore in 13 Länderspielen stehen für den gebürtigen Schwaben zu Buche. Bei seinem Verein wirbelt er über die Außenbahnen, präsentierte sich aber vor des Gegners Kasten kaltschnäuzig. Wettbewerbsübergreifend markierte Gnabry in dieser Saison schon satte 17 Tore für die Bayern und belegt somit hinter Lewandowski Platz zwei im klubinternen Ranking.

Am Dienstagabend wusste er ganz genau, bei wem er sich zu bedanken hatte. "Ich habe ihn schon ein paar Mal umarmt", verriet Gnabry nach der Partie im Gespräch mit Sky mit Blick auf Lewandowskis Vorlagen. "Wir freuen uns einfach. Es war super von ihm aufgelegt und so haben wir gewonnen. Ich glaube, Robert hat bis jetzt in fast jedem Spiel getroffen. Er hat uns in dieser Saison so weit gebracht." In den nächsten vier Wochen wird es nun vermehrt auch an Gnabry selbst hängen, den FC Bayern weiter zu bringen.

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