Fussball

Thomas Müllers Wandel beim FCB unter Hansi Flick: Bayerns Stimmungsbarometer auf Höchststand

Von Dennis Melzer

Thomas Müller hat beim FC Bayern München unter Hansi Flick den Spaß am Fußball wiedergefunden. Nun schickt sich der FCB-Star an, einen Bundesliga-Bestwert zu knacken.

Wer am Samstagabend wissen wollte, wie es um die Gemütslage beim FC Bayern bestellt ist, musste lediglich warten bis Thomas Müller, der seit jeher als aussagekräftiges Stimmungsbarometer für den gesamten Klub dient, aus der Kabine geschlendert kam. Er habe doch aber schon Interviews bei sämtlichen TV-Sendern gegeben, ließ er die anwesenden Reporter mit einem Augenzwinkern wissen, um sich letztlich doch noch überreden zu lassen, nebst Spielanalyse eine Einschätzung zu seiner persönlichen Situation loszuwerden.

Diese gestaltet sich aktuell nämlich durchaus erfreulich, was sich merklich in Müllers Laune widerspiegelte. "Dass man bei fünf Toren als Offensivspieler auch irgendwie seine Füße im Spiel haben sollte, dürfte klar sein", sagte der 30-Jährige im Anschluss an das berauschende 5:0 der Münchner gegen Schalke 04 in seiner typischen, bisweilen flapsigen Art und verwies auf die Tatsache, einen Treffer beigesteuert zu haben.

Generell hatte Müller in den vergangenen Wochen und Monaten bezüglich Torbeteiligungen ziemlich häufig "irgendwie seine Füße im Spiel." Speziell seit Hansi Flick das Traineramt von Niko Kovac im Oktober übernahm, blüht das FCB-Urgestein wieder auf. Neunmal kam er, der unter seinem Ex-Coach zeitweise ins zweite Glied gerückt war, unter Flick in der Bundesliga zum Einsatz und brachte dabei vier Tore sowie acht Vorlagen zustande. Lediglich in einer Partie tauchte Müller nicht auf dem Scoreboard auf (beim 3:1-Sieg der Bayern in Freiburg). Zum Vergleich: In zehn Spielen unter Kovac sprangen "lediglich" vier Assists heraus.

Thomas Müller nach 19 Spieltagen auf Rekordkurs

Macht nach Adam Riese zwölf Vorlagen. Eine Bilanz, die bis dato noch keinem Bundesliga-Spieler vor Müller zu diesem Zeitpunkt der Saison gelungen war. Kevin de Bruyne, der in der Spielzeit 2014/15 seinen Kollegen insgesamt 20 Tore auflegte und damit einen neuen Rekord in Deutschlands Beletage aufstellte, hatte nach 19 Spieltagen damals elf Vorlagen auf dem Konto. Dass Müller überhaupt aussichtsreiche Chancen hat, den Bestwert des Belgiers zu knacken, ist nicht nur aus statistischer Hinsicht eng an das Engagement von Flick geknüpft.

"Ich stehe länger auf dem Platz und habe wieder ein bisschen mehr Verantwortung und Vertrauen vom Trainer" bilanzierte Müller nach dem Sieg gegen Schalke. Dies sei aber keine "neue Situation", da die Mannschaft den viel zitierten "Bock, schon vor vielen Wochen umgestoßen" habe. Anders als noch zuletzt im Interview mit dem Sportbuzzer, als der langjährige Nationalspieler noch einmal seinen Unmut über die fehlende Wertschätzung seitens Kovac äußerte, gab er sich am Samstag diplomatischer.

"Habe nach dem Trainerwechsel eine andere Rolle bekommen"

"Ich habe nach dem Trainerwechsel schon eine andere Rolle bekommen, nicht nur auf die Spielzeit bezogen", sagte Müller im ZDF Sportstudio und führte aus: "Hansi hat mich in die Pflicht genommen. Ich habe vorher als zweiter Kapitän auch versucht, Verantwortung zu übernehmen. Aber wenn man nicht auf dem Platz steht, ist es nicht ganz so einfach. Aber ich möchte nicht in die Vergangenheit schauen." Doch, wie sieht die von Müller skizzierte "andere Rolle" neben dem entgegengebrachten Vertrauen und der damit verbundenen Spielzeit aus?

Mit Blick auf die von Müller bekleidete Position sind - zumindest auf dem Papier - kaum Veränderungen im Vergleich zur Kovac-Ära auszumachen. Zumeist kam der Weltmeister von 2014 bei beiden Übungsleitern in dieser Saison in der Zentrale zum Zuge, jüngst musste er aufgrund der prekären Personalsituation beim deutschen Rekordmeister allerdings gezwungenermaßen auf der unliebsamen Rechtsaußenposition ran. "Wenn es nicht anders geht, ist das eine Möglichkeit", hatte Müller im Rahmen einer kleinen Medienrunde in Doha während des FCB-Trainingslagers zu Beginn des Monats erklärt. "Dass das nicht das Wunschszenario ist, ist aber klar. Aber wir sind nicht dazu da, um uns Sachen zu wünschen, sondern, um den Status quo anzunehmen."

Hier liegt der wohl größte Unterschied. Anders als unter Kovac überzeugt Müller selbst dort, wo er eigentlich nicht sonderlich gerne spielt. Tauchte er zu Beginn der Saison vor allem auf der Außenbahn immer wieder ab, agiert er dieser Tage wieder ganz im unkonventionellen, aber erfolgreichen Stil, der ihn in der Vergangenheit so wertvoll für die Bayern machte.

Müller fordert Bälle, kreiert mit seinen Laufwegen Räume für die Mitspieler, gestikuliert, motiviert, macht seine Späße. All die Dinge, die ihm unter Kovac ganz offensichtlich abgegangen waren. Nur allzu präsent sind Müllers Auftritte noch, bei denen er schlecht gelaunt durch die Katakomben der Arena schlich und keine Lust hatte, als Sprachrohr zu fungieren.

Bayern-Bosse sprechen sich DFB-Rückkehr von Müller aus

Wie sehr sich der Wind mittlerweile gedreht hat, erkennt man nicht zuletzt daran, dass eine eigentlich für abgeschlossen erklärte Debatte wieder an Fahrt aufnimmt: Müllers mögliche Rückkehr in die Nationalmannschaft. Im Sportstudio auf eine etwaige Teilnahme bei den Olympischen Spielen Ende Juli dieses Jahres angesprochen, machte er darauf aufmerksam, dass vorher noch "viele andere Großveranstaltungen im Fußball" anstünden. "Das Meisterschaftsfinale, das Pokalfinale, die Champions League, die Europameisterschaft."

Rückendeckung bekam er diesbezüglich von den Bayern-Bossen Karl-Heinz Rummenigge und Herbert Hainer. "Ich möchte Jogi Löw grundsätzlich keine Ratschläge geben. Er ist erfahren genug, er hat mit der Nationalmannschaft große Erfolge gefeiert", sagte Rummenigge am Rande einer Gedenkveranstaltung und schob nach: "Aber wenn einer top spielt, und ich hoffe, dass Thomas weiter auf diesem Niveau spielt, dann wird da möglicherweise ein Umdenken stattfinden."

Hainer, der ebenfalls bei der Gedenkveranstaltung anwesend war, pflichtete dem Vorstandschef bei. "Thomas Müller kann man überall gebrauchen, egal ob in München oder bei der Europameisterschaft. Ich kenne natürlich nicht die Planungen - aber ein Thomas Müller tut jeder Mannschaft gut." Für den Moment aber nur dem FC Bayern. Als wichtiger Spieler und aussagekräftiges Stimmungsbarometer.

FC Bayern, Spielplan: Die nächsten Gegner im Überblick

DatumUhrzeitGegnerWettbewerb
1. Februar15.30 UhrFSV Mainz 05 (A)Bundesliga
5. Februar20.45 UhrTSG Hoffenheim (H)DFB-Pokal
9. Februar18 UhrRB Leipzig (H)Bundesliga
16. Februar15.30 Uhr1. FC Köln (A)Bundesliga
21. Februar20.30 UhrSC Paderborn (H)Bundesliga
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