Fussball

FC Bayern zurück auf dem Boden der Tatsachen: Der Plan von Niko Kovac geht schief

Niko Kovac kassierte mit dem FC Bayern die erste Saison-Niederlage.

Vier Tage nach der 7:2-Gala bei Tottenham Hotspur ist der FC Bayern auf dem ungemütlichen Boden der Tatsachen gelandet. Das 1:2 gegen die TSG Hoffenheim offenbarte, dass es dem Rekordmeister nach wie vor an spielerischer Konstanz fehlt. Aber auch Trainer Niko Kovac lag mit seiner Personalplanung daneben - und ließ so das Frustpotenzial in seinem Kader in die Höhe schießen.

7:2 gegen Tottenham. 1:2 gegen Hoffenheim. Wer diese Ergebnisse vor einer Woche vorausgesagt hätte, wäre vermutlich für verrückt erklärt worden. Der Fußball, den der FC Bayern spielt, ähnelt aber nun einmal einer Wundertüte. Weiterhin. Das musste sich auch Niko Kovac nach dem Abpfiff eingestehen.

"Wir sind anscheinend noch nicht so weit, dass wir alle drei, vier Tage gute Spiele bringen können", sagte der Coach der Münchner. Ja, es war erst die erste Niederlage in dieser Saison und die erste Niederlage seit 20 Bundesliga-Spielen überhaupt, und ja, der Rivale aus Dortmund bekleckerte sich beim 2:2 in Freiburg auch nicht gerade mit Ruhm. Mehr als das Resultat sorgte beim Rekordmeister aber die Art und Weise des Auftretens für Ernüchterung.

FC Bayern unterliegt TSG Hoffenheim: "Wir waren nicht da"

"Wir waren heute nicht da", meckerte Sportdirektor Hasan Salihamidzic in der Mixed Zone. Man hatte tatsächlich den Eindruck, der FCB spiele mit angezogener Handbremse. Körperlich und spielerisch fehlte bis auf die 15-minütige Sturm-und-Drang-Phase nach dem ersten Gegentor die letzte Überzeugung, den Höhenflug nach dem denkwürdigen Schützenfest am Dienstag fortzusetzen.

"Wir können uns dafür nichts kaufen, was in London war", erkannte Kovac daher sichtlich angefressen. Der Rückschlag gegen bislang alles andere als furchteinflößende Hoffenheimer sei "sicherlich nicht unverdient". Der 47-Jährige bemängelte insbesondere das fehlende Tempo im letzten Drittel.

Man habe den neuen Tabellenelften, der bisweilen mit einer Sechserkette verteidigte, um die Münchner Außenstürmer Serge Gnabry und Kingsley Coman zu doppeln, "nie richtig unter Druck gesetzt". Zudem habe man bei den beiden Treffern von Sargis Adamyan, dem TSG-Coach Alfred Schreuder den Vorzug vor Christoph Baumgartner erteilte, "unnötige Fehler begangen".

"Wir haben mit purer Leidenschaft gespielt und sind dafür belohnt worden", sagte Sebastian Rudy nach seiner perfekten Rückkehr in die Fröttmaninger Arena, merkte aber auch an: "Die Bayern haben heute auch ein bisschen geschwächelt, das muss man klar sagen."

Frustrierter Thomas Müller hat "nichts zu sagen"

Der Champions-League-Kracher gegen Tottenham kostete die Münchner gewiss viele Körner. Allerdings besteht der Kader von Kovac aus mehr als elf oder zwölf Spielern. Der Plan des Trainers, komplett auf Rotationen zu verzichten und ausschließlich den verletzten Alaba durch Thiago zu ersetzen, ging gehörig in die Hose.

Thomas Müller saß etwa in der fünften Partie in Folge auf der Bank. "Nothing to say" hatte er danach, "gar nix". Nicht zur verbalen Ohrfeige von Kovac vor der Partie ("Wenn Not am Mann sein sollte, wird Thomas mit Sicherheit auch seine Minuten bekommen"). Auch nicht zum Spiel an sich, das er nach seiner Einwechslung in der 60. Minute mit einer butterweichen Flanke auf Robert Lewandowski zum zwischenzeitlichen Ausgleich belebt hatte.

Wie der frustrierte Müller schmorten auch die Neuzugänge Ivan Perisic und Michael Cuisance, die sich zuletzt durchaus für eine Chance von Beginn an empfohlen hatten, draußen. Und Javi Martinez, der in dieser Saison noch kein einziges Mal von Anfang an auf dem Rasen stand.

Frust, aber keine Tränen bei Javi Martinez

Wie sehr den 31-jährigen Spanier das mitnahm, wurde schon vor dem Anpfiff deutlich, als er sich mit leerer Miene aufwärmte und anschließend neben Co-Trainer Hansi Flick setzte, um diesem zu verdeutlichen, wie schlecht es ihm in seiner gegenwärtigen Situation gehe. Nach Informationen von SPOX und Goal brach Martinez nicht in Tränen aus, die Niedergeschlagenheit in dem Mittelfeldspieler ließ sich bei einem Blick auf die Bilder, die im Internet kursierten, aber nicht von der Hand weisen.

Martinez verließ das Stadion später auch mit gesenktem Kopf, sprechen wollte er nicht. Salihamidzic meinte daraufhin, dass es "ärgerlich" für jeden Bankdrücker sei, nicht zu spielen, aber: "Die Saison ist noch lang, wir haben bis zu 50 Spiele. Jeder wird zu seinen Einsatzchancen kommen. Auch Javi."

Die Aufstellung von Kovac sei nachvollziehbar gewesen, schließlich habe man mit ihr "sehr gut" gegen die Spurs gespielt. Und vermutlich würde man diese Diskussion jetzt nicht führen, hätte der FCB gewonnen. Hat er aber nicht. Und auch nicht sehr gut gespielt.

Kapitän Manuel Neuer sprach daher von einem "Warnhinweis". Nach der Länderspielpause müssen die Münchner nach Augsburg. "Auch das wird nicht einfach. In der Bundesliga kann immer alles passieren. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Das galt auch vor dem heutigen Spiel, und jetzt sowieso."

Die nächsten Spiele des FC Bayern

TerminWettbewerbHeimGast
Sa., 19.10 um 15.30 UhrBundesligaFC AugsburgFC Bayern
Di., 22.10 um 15.30 UhrChampions LeagueOlympiakos PiräusFC Bayern
Sa., 26.10 um 15.30 UhrBundesligaFC BayernUnion Berlin
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