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FC Bayern - Die Herbstkrisen unter Niko Kovac im Vergleich: Wenn selbst die Lieblingsdisziplin zur Last wird

Wie in seiner Premierensaison gerät Niko Kovac auch in seinem zweiten Jahr beim FC Bayern in eine Herbstkrise. Wie unangenehm ist sie wirklich? SPOX und Goal zeigen mithilfe der Daten von Opta die Parallelen und Unterschiede zwischen 2018 und 2019 auf.

Platz zwei in der Bundesliga mit nur einem Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach, drei Siege aus drei Champions-League-Gruppenspielen und das Achtelfinal-Ticket im DFB-Pokal in der Tasche: Durch das momentane Tief des FC Bayern würden die meisten anderen Bundesligisten wohl freiwillig gehen.

Beim erfolgsgierigen Rekordmeister zählt aber nun einmal auch das "Wie". Und das definiert sich in der Saison 2019/20, klammert man das 7:2-Schützenfest bei Tottenham Hotspur und die erste Halbzeit beim 1:1 gegen RB Leipzig einmal aus, als "Rumpelfußball". Eine schlechte Nachricht für den Verein, für die Mannschaft, vor allem aber für den schon länger angezählten Trainer. Denn: Niko Kovac hat es mit Blick auf die Statistik nicht geschafft, seine Mannschaft gegenüber der Herbstkrise 2018 positiv fortzuentwickeln.

Vergleicht man die ersten 15 Pflichtspiele der vergangenen Saison mit den ersten 15 der aktuellen, so fällt auf, dass die Mannschaft eine nahezu identische Pass- und Zweikampfquote aufweist. Auch in Sachen Ballbesitz lassen sich keine signifikanten Veränderungen feststellen.

2018/19

Kategorie

2019/20

87%

Passquote

88%

54%

Zweikampfquote

54%

68%

Ballbesitz

67%

FC Bayern: Die Defensive ist anfälliger als 2018

Sehr wohl wird aber deutlich, dass sich ausgerechnet die für Kovac heilige, als Lieblingsdisziplin geltende Defensivarbeit verschlechtert hat. Die Mannschaft lässt im Schnitt einen Schuss mehr pro Partie zu als vor einem Jahr und läuft - zumindest in der Bundesliga - auch im Schnitt einen Kilometer weniger pro Spiel. Das Resultat: sieben Gegentore und drei verschuldete Elfmeter mehr als nach 15 Spielen in 2018/19.

2018/19

Kategorie

2019/20

12

Gegentore

19

2

Fehler vor Gegentoren

3

115 (8)

Zugelassene Schüsse (pro Spiel)

130 (9)

2

Verschuldete Elfmeter

5

115.1 km

Laufleistung/Spiel (nur Bundesliga)

113.9 km

FC Bayern: Die Offensive ist abhängiger als 2018

Dem kann man zwar die höhere Anzahl an geschossenen Toren (42 in diesem, 30 im vergangenen Jahr) und das verbesserte Erarbeiten von Großchancen (4 statt 3 pro Spiel) entgegenhalten. Nur: Die Chancenverwertung ist heuer schwächer. Die Mannschaft nutzt lediglich 38 Prozent ihrer Großchancen, wohingegen es im vergangenen Jahr noch 52 Prozent waren.

Das dürfte auch erklären, warum sich bis auf den alles überragenden Robert Lewandowski (13 Liga-Treffer) kaum Offensivspieler unter den Torschützen finden. Für Serge Gnabry und Philippe Coutinho stehen mit jeweils zwei Liga-Toren etwa genauso viele wie für Abwehrspieler Benjamin Pavard zu Buche.

Dass der FCB dem Expected-Goal-Modell zufolge vier Treffer mehr erzielt hat, als aufgrund seiner Chancen erwartbar gewesen wären, hängt also in erster Linie mit dem unglaublichen Lauf von Lewandowski zusammen. Der Pole, der gefühlt aus jeder gefährlichen Situation ein Tor macht, ist die Fleisch gewordene Lebensversicherung von Kovac.

2018/19

Kategorie

2019/20

30

Tore

42

273 (18)

Torschüsse (pro Spiel)

294 (20)

42 (3)

Großchancen (pro Spiel)

58 (4)

52%

Großchancenverwertung

38%

34

Expected Goals (xG)

38

-4

xG-Differenz

4

Sicher ist aber auch: Ein Spieler allein kann die vor der Saison von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge geforderte "Kultivierung einer klaren Spielidee" nicht bewerkstelligen. Wenn es nicht von individuellen Geistesblitzen belebt wird, ist das Spiel der Bayern mit dem Ball nach wie vor eindimensional. Ein beliebtes Mittel sind Flanken. Hier lässt sich sogar überhaupt kein Unterschied zur Vorsaison ausmachen: Sowohl 2018 als auch 2019 wurde in den ersten 15 Pflichtspielen exakt 227-mal geflankt, im Schnitt also rund 15-mal pro Spiel.

Wie geht es mit Niko Kovac beim FC Bayern weiter?

Das Warten auf eine "bayern-like" Handschrift geht auch nicht spurlos an den Granden im Verein vorbei. Sportdirektor Hasan Salihamidzic flüchtet sich nach zunächst klaren Forderungen ("Alles muss besser werden") mittlerweile in Galgenhumor, Präsident Uli Hoeneß blickt in den finalen Tagen seiner Regentschaft nur noch auf die Tabelle - und Rummenigge? Brodelt vor sich hin. Wie ein Vulkan, der demnächst auszubrechen droht.

"Ich glaube nicht, dass diese Leistung, die wir gebracht haben, uns in diesem Jahr große Erfolge bescheren wird, wenn wir nicht langsam die Kurve kriegen", waren die letzten Worte, die der als Kovac-Kritiker geltende Rummenigge öffentlich loswurde. Vor einer Woche war das, auf dem Bankett nach dem 3:2-Sieg über Olympiakos Piräus. Kovac erklärte daraufhin, dass diese Worte mehr an die Spieler als an ihn gerichtet gewesen seien.

Die nächsten Wochen dürften zeigen, ob er recht behält. Erst recht die Wochen nach dem 15. November. Dann zieht sich Hoeneß, sein größter Fürsprecher im Verein, zurück. Fest steht: Den "Welpenschutz", den er in seiner Premierensaison an der Säbener Straße noch hatte, ist Kovac los.

FC Bayern: Die Spiele bis zur Winterpause

DatumUhrzeitWettbewerbGegner
2. November15.30 UhrBundesligaEintracht Frankfurt (A)
6. November21 UhrChampions LeagueOlympiakos Piräus (H)
9. November18.30 UhrBundesligaBorussia Dortmund (H)
23. November15.30 UhrBundesligaFortuna Düsseldorf (A)
26. November21 UhrChampions LeagueRoter Stern Belgrad (A)
30. November18.30 UhrBundesligaBayer Leverkusen (H)
7. Dezember15.30 UhrBundesligaBorussia Mönchengladbach (A)
11. Dezember21 UhrChampions LeagueTottenham Hotspur (H)
14. Dezember15.30 UhrBundesligaWerder Bremen (H)
18. Dezember20.30 UhrBundesligaSC Freiburg (A)
21. Dezember15.30 UhrBundesligaVfL Wolfsburg (H)
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