Serge Gnabry vom FC Bayern im Interview: "Krass war, als wir in den Slums gelandet sind"

Von David Binder
Mit Julian Nagelsmann arbeitete Serge Gnabry bei der TSG Hoffenheim zusammen.
© imago images
Cookie-Einstellungen

 

 

Wie sehen Sie rückblickend Olympia 2016?

Gnabry: Das war auf jeden Fall ein Schlüsselmoment und hat alles verändert. Ich hatte davor eine lange Leidenszeit mit einer Verletzung und kaum Spielzeit bei meiner Leihe zu West Bromwich. Dann kam Olympia und ich wusste nicht, ob ich mitfahren oder die volle Vorbereitung bei Arsenal absolvieren soll, um mir einen Vorteil zu verschaffen. Die Entscheidung fiel dann für Olympia, wo es einfach lief für mich. Ich habe es genossen, endlich wieder zu spielen und unvergessliche Momente erlebt.

Sie haben sich nach dem Turnier für einen Wechsel zu Werder Bremen entschieden. Warum?

Gnabry: Der Schritt von Arsenal weg erfolgte, weil ich mich nicht wieder hinten anstellen und nur ein paar Mal im Cup spielen wollte. Da habe ich gesagt: 'Ok, ich muss einen Schritt zurück machen.' In Bremen habe ich viel Spielzeit bekommen und den Olympia-Rhythmus behalten. Dadurch habe ich es wieder genossen, Fußball zu spielen.

Wie war es beim Wechsel zu Hoffenheim?

Gnabry: Ich hatte ein Gespräch mit Julian Nagelsmann, der mich total fasziniert hat. Ich hatte in der Saison zuvor gegen Hoffenheim gespielt, als wir im Rückspiel eine deftige Klatsche bekommen haben. Die Spielweise hat mir sehr gefallen, sehr offensiv, sehr spielbestimmend. Dann dachte ich mir: 'Ok, bevor ich zu den Bayern gehe, will ich nochmal ein Jahr durchgehend spielen - und viel von einem Trainer wie Julian Nagelsmann lernen'.

In München haben Sie sich durchgesetzt, wurden von den Bayern-Fans zum Spieler der Saison gewählt. Was sind die nächsten Schritte?

Gnabry: Am meisten zufrieden bin ich mit meiner Spielzeit, das ist das Wichtigste. Ich will mit der Zeit in eine Rolle hineinschlüpfen, in der ich mit meinen 24 Jahren den Jungs helfen kann, die hochkommen - so wie mir auch geholfen wurde.

Haben Sie in den letzten Jahren etwas an Ihrem Spiel umgestellt, etwa durch externe Unterstützung und Einflüsse?

Gnabry: Mit dem Alter und der Erfahrung kommen viele neue Dinge und Interessen abseits des Platzes hinzu, zum Beispiel im Fitness-Bereich. Das ist immer ein laufender Prozess, in dem man Dinge ausprobieren muss. Am wichtigsten ist immer die Gesundheit, um das Verletzungsrisiko zu minimieren und sich so gut wie möglich auf das Training und die Spiele vorzubereiten. Das sind Dinge, die ich dazugelernt habe, an die man mit 17 oder 18 noch nicht denkt, weil da einfach noch die Weitsicht und Reife fehlt.

Welche Dinge sind das konkret?

Gnabry: Am wichtigsten ist für mich in den letzten Jahren das Mentale geworden. Ich lege jetzt eine andere Einstellung an den Tag als in meiner Jugend, als der Spaß im Vordergrund stand.

Bei welchem Mitspieler macht sich dieser Hunger besonders bemerkbar?

Gnabry: Joshua Kimmich. Der will einfach immer mehr.

Was sind Ihre nächsten sportlichen Ziele?

Gnabry: Nachdem ich jetzt mit Bayern die Meisterschaft und den Pokal gewonnen habe, will ich natürlich auch die Champions League gewinnen. Das ist ein Traum, den ich und jeder in der Mannschaft hat.

Wie sieht Ihr Kontakt mit den jungen Spielern aus? Von wem geht die Initiative aus?

Gnabry: Das geht in der Regel vom gestandenen Spieler aus. Das war auch so, als ich jung war. Die ernsteren Gespräche entstehen, wenn die erfahrenen Spieler auf dich zukommen und Tipps geben.

Die neue Saison steht vor der Tür. Wie oft wurde die vergangene Spielzeit noch in der Vorbereitung thematisiert?

Gnabry: Wir haben viel über die vergangene Saison gesprochen, um uns im Klaren darüber zu sein, was wir ändern wollen. Das Entscheidende ist, mit möglichst vielen Leuten darüber zu reden, um Fehler aus der Vergangenheit zu vermeiden. Aus dem Schlechten lernt man natürlich mehr als aus dem Guten. Deswegen ist exakte Fehleranalyse als Spieler und Team immens wichtig für den Erfolg in der Zukunft. Nur so kann man daraus lernen - und sich letztlich weiterentwickeln.

Inhalt:
Artikel und Videos zum Thema