Fussball

Kommentar zum Hoeneß-Rücktritt beim FC Bayern: Ein beschädigtes Denkmal

Von Dennis Melzer
Uli Hoeneß wird nicht mehr als Präsident beim FC Bayern kandidieren.

Uli Hoeneß stellt seine Ämter beim FC Bayern zur Verfügung. Sein Denkmal hat zuletzt selbstverschuldete Risse bekommen. Ein Kommentar.

"Ich möchte mich bei Ihnen allen sehr herzlich bedanken", sagte ein sichtlich gerührter Uli Hoeneß 2016 auf der Jahreshauptversammlung des FC Bayern. Standing Ovations im Audi Dome, huldigende Sprechchöre. Sie hatten ihn endlich wieder, den Macher, die Vaterfigur. Mit einer überwältigenden Mehrheit war er nach seiner Haftstrafe wieder zum Präsidenten gewählt worden.

Trotz Steuerhinterziehung strahlte sein eigenes Denkmal mehr denn je. Man hatte ihm nicht bloß verziehen. Man hatte ihn zurück auf den Thron gehievt. Im Gegenzug versprach Hoeneß pathetisch: "Ich werde Euch nicht enttäuschen."

Ein Versprechen - so muss man rückblickend konstatieren -, das der mittlerweile 67-Jährige nicht eingehalten hat. Tatsächlich hat er in den vergangenen drei Jahren sein Monument mehrfach selbst beschädigt, Teile des Fanlagers sehr wohl enttäuscht. Unnötigerweise.

Man erinnere an den "natürlich geisteskranken" Karim Bellarabi oder "Alibi-Kicker" Mesut Özil, "der dem DFB in den letzten Jahren überhaupt nicht geholfen hat". Vielmehr habe der Mittelfeldmann seit der WM 2014 "einen Dreck gespielt". Sätze, die für Kopfschütteln sorgten, aber nicht direkt auf den Verein zurückfielen.

Uli Hoeneß: Ex-Spieler Bernat beschimpft, großspuriger Auftritt

Das sollte sich ändern, als Hoeneß den legendären Artikel-Eins-Appell seines Kollegen Karl-Heinz Rummenigge auf einer Pressekonferenz nur Augenblicke später ad absurdum führte, indem er dem Ex-Münchner Juan Bernat vorwarf "einen Scheißdreck" gespielt zu haben. Im Vorfeld des Sommertransferfensters folgte der großspurige Auftritt im Doppelpass ("Wenn Sie wüssten, wen wir schon alles haben"), mit dem er nicht nur sich, sondern den gesamten Klub angreifbar, in der Folge sogar mitunter zum medialen Gespött machte. Weil die Bayern wochenlang ganz offensichtlich niemanden hatten.

Die heile Bayern-Welt, sie wurde nicht zuletzt deshalb erschüttert. Auf der Jahreshauptversammlung im vergangenen November, also nur zwei Jahre, nachdem Hoeneß mit Pauken und Trompeten wiedergewählt wurde, saß der einst Gefeierte ratlos auf seinem Stuhl. Er war mit reichlich Kritik konfrontiert worden.

Das Sponsoring durch Katar missfiel vielen Mitgliedern ebenso wie der Umgang mit Bayern-Ikone Paul Breitner, der von Hoeneß öffentlich zur persona non grata erklärt wurde. Pfiffe und Buhrufe schallten durchs Rund, weil der Präsident sich dünnhäutig zeigte oder gar nicht auf die Beanstandungen reagierte.

Uli Hoeneß beim FC Bayern: Jahreshauptversammlung war ein "Schock"

Ebenjenes Ereignis sei ein "Schock" für Hoeneß gewesen, wie der ehemalige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber am Donnerstag verriet. Zudem habe es "Zwistigkeiten" mit Rummenigge gegeben, was ebenfalls dazu geführt haben soll, dass Hoeneß von seinen Ämtern als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender zurücktritt.

Für einige Fans des Rekordmeisters geht der "Lotse" von Bord, wie im Rahmen der Double-Ehrung an der bayrischen Staatskanzlei zu lesen war. "Uli Hoeneß muss bleiben. Er ist Motor und Seele des Vereins", stand auf eigens für Hoeneß' Rücktritt gedruckten Aufklebern. Es bildet nur einen Teil der Anhängerbasis ab. Die, die ohnehin über alle Verfehlungen ihres Ulis hinwegsehen würden.

Außerdem geht Hoeneß ohnehin nicht komplett. Er bleibt dem Aufsichtsrat als Mitglied erhalten und wird weiterhin Macht ausüben. Nur sollte er es vermeiden, bei nächstbester Gelegenheit zum verbalen Rundumschlag auszuholen und sich stattdessen im Hintergrund halten. Damit er sein angekratztes Denkmal nicht weiter zerstört. Das würde dem Mann, der den FC Bayern zur Weltmarke formte, nicht gerecht werden.

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