Arjen Robben im Interview nach seinem ersten Rücktritt: "Cool zu bleiben, ist die wohl größte Herausforderung"

Robben hat seine aktive Karriere beendet.
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Sie verschossen wichtige Elfmeter im Bundesliga-Spiel gegen Dortmund und im Champions-League-Finale gegen Chelsea. Zudem gewann der BVB auch noch den DFB-Pokal mit 5:2. Im Anschluss wurden Sie von den eigenen Fans zum Sündenbock für den Misserfolg erklärt. Wie haben Sie das verarbeitet?

Robben: Das war eine riesige Enttäuschung. Und dann kam es auch noch zu diesem Freundschaftsspiel zwischen den Bayern und den Niederlanden. Das wurde im Zuge meiner Verletzung im Jahre 2010 ausgemacht. Es war vertraglich festgelegt, dass ich bei diesem Spiel nur für Holland spiele. Das wurde aber nicht gut kommuniziert. Es gab im Vorfeld eine Pressekonferenz, bei der ein Trikot präsentiert wurde, das zur Hälfte aus dem der Nationalmannschaft und zur anderen Hälfte aus dem der Bayern bestand. Vielleicht haben die Fans deshalb erwartet, dass ich für beide Mannschaften spiele. Dann kamen die Pfiffe, allerdings nicht von den echten Bayern-Fans. Ich habe danach nämlich auch sehr viel Zuspruch erhalten.

Spielten Sie aufgrund der Ereignisse mit dem Gedanken, die Bayern zu verlassen?

Robben: Natürlich. Im ersten Moment konnte ich überhaupt nicht glauben, was da passierte. Im eigenen Stadion ausgepfiffen zu werden, war ein riesiger Schock. Da habe ich mir schon gedacht: 'Okay, dann gehe ich woanders hin, wenn hier so mit den Spielern umgegangen wird.' Dann haben wir das intern geklärt und es ist wieder Ruhe eingekehrt. Ich habe mir schließlich geschworen, stärker zurückzukommen.

Das sind Sie. 2013 holten Sie das Triple. Wie sind Sie Im Vorfeld des Champions-League-Finals gegen Dortmund mit dem großen Druck umgegangen?

Robben: Solch ein Spiel löst eine gesunde Spannung aus. Es gibt viele Beispiele von Mannschaften oder einzelnen Spielern, bei denen man im Finale dachte: 'Die sind gar nicht sie selbst, die haben nicht ihr Niveau erreicht und sind nicht cool im Kopf.' Cool zu bleiben, ist die wohl größte Herausforderung. Bei dieser besonderen Atmosphäre, die vor und während eines Finals herrscht, muss man es schaffen, den Blick für das Wesentliche zu bewahren.

Wie war das bei Ihnen persönlich?

Robben: Vor dem Spiel war die Überzeugung extrem groß, dass wir den Titel holen werden. Wir wussten, dass wir nach den zwei verlorenen Endspielen 2010 und 2012 nicht noch einmal verlieren würden. Ich war voller Selbstvertrauen und habe gesagt: 'Wir werden den Platz als Sieger verlassen.' Natürlich ist es im Nachhinein einfach, das zu sagen, aber es war wirklich so.

Es war der krönende Abschluss der Heynckes-Ära. Im Anschluss übernahm Pep Guardiola. Was zeichnet ihn aus?

Robben: Er ist taktisch genial. Unter ihm hatte ich sehr viel Spaß und habe mich noch einmal weiterentwickelt. Auch, weil er mich auf verschiedenen Positionen eingesetzt hat. Pep hat hier eine ganz besondere Spielweise etabliert. Er ist im positiven Sinne fußballverrückt.

Wie lief die erste Begegnung mit ihm ab?

Robben: Ich bin im Sommer-Trainingslager in Trentino zur Mannschaft gestoßen. Er hat mir damals gesagt: 'Du brauchst mir nichts mehr beweisen. Genieß' Deinen Fußball, genieß' die Zeit mit Deiner Familie. Ich weiß, dass Du in den wichtigen Spielen da bist.' Da kam von seiner Seite nie Druck. Für mich war das ein schönes Kompliment und ein perfekter Start.

Hätte der FC Bayern in der Guardiola-Ära die Champions League noch einmal gewinnen müssen?

Robben: Ich glaube schon. Wir hatten Pech mit Verletzungen. Man wird nie erfahren, was geschehen wäre, wenn alle fit gewesen wären. Wir waren damals so stark, dass sicherlich mehr drin war. Mir tut es wirklich leid, dass es nicht geklappt hat. Manch einer sagt, Pep sei in München nicht erfolgreich gewesen, weil er die Champions League nicht gewonnen hat. Diese Meinung vertrete ich nicht. Unter Pep haben wir wunderschönen Fußball gespielt und waren dreimal im Champions-League-Halbfinale. Ich weiß, dass Trainer auch an Titeln gemessen werden, aber ich bin jemand, der über den Tellerrand hinausblickt. Der Fußball ist nicht immer gerecht.

Hat der Klub nach Guardiola In Europa den Anschluss nach ganz oben verloren?

Robben: Nein. Wenn man dauerhaft auf solch einem hohen Niveau spielt, ist man verwöhnt. Klappt es dann einmal nicht, wie in dieser Saison gegen Liverpool, ist das ungewohnt. Aber unser Achtelfinalgegner ist bis ins Endspiel durchmarschiert. Das sagt alles. In der nächsten Saison wird sich der Klub wieder weiterentwickeln. Neue Spieler kommen, einige Altgediente hören auf. Ein so genannter Umbruch eben.

Welche Momente sind Ihnen fernab des Fußballs besonders in Erinnerung geblieben?

Robben: Zwei meiner Kinder sind hier geboren. Das ist etwas ganz Besonderes. Auch das Leben in München generell, die Stadt, die Leute und die ganze Umgebung haben uns sehr geprägt und uns immer gut gefallen. Wir haben uns von Anfang an heimisch gefühlt.

Sie haben einmal gesagt: 'Ich bin kein Typ, der träumt.' Können Sie rückblickend trotzdem festhalten, dass Sie Ihren Traum gelebt haben?

Robben: Definitiv. Im Nachhinein haben wir gemeinsam viel mehr erreicht, als ich mir das vor zehn Jahren ausgemalt hätte. Es hört sich zwar klischeehaft an, aber ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Ich habe den Fußball immer schon geliebt und gelebt. Ich habe alles dafür getan. Man muss das Leben als Fußballer schätzen und dankbar sein. Es ist eine Ehre, weil nicht viele Menschen diesen Traum realisieren können. Manchmal vergisst man das, weil man ständig fokussiert ist und es immer weiter geht. Richtig genießen kann ich das wahrscheinlich erst nach meiner aktiven Karriere.

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