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FC Bayern - Projekt FC Deutschland: Wird Leroy Sane die Schlossallee des FCB?

Könnte mit drei Jahren Verspätung zum FC Bayern wechseln: Nationalspieler Leroy Sane.

Es ist noch gar nicht lange her, da kursierte der Name Leroy Sane schon einmal an der Säbener Straße. Im Sommer 2016 scheiterte ein Transfer, weil Sane unbedingt unter Pep Guardiola spielen wollte. Drei Jahre später will er angeblich weg und Guardiola einem Wechsel keine Steine in den Weg legen. Der FC Bayern, der eigentlich kein Monopoly mehr spielen wollte, soll bereits einen Transfer prüfen. Der dürfte zwar teuer werden, sich aber auch vielfach lohnen und einen Traum von Uli Hoeneß nähren.

Leroy Sane lachte kurz laut auf und den wartenden Journalisten in den Katakomben des Etihad Stadiums ins Gesicht. Diese hatten Sane Sekunden zuvor gefragt, ob an den Gerüchten, er könne sich möglicherweise ausgerechnet dem Stadtrivalen Manchester United im Sommer aufgrund seiner ständigen Wechsel zwischen Bank und Startelf anschließen, irgendetwas dran sei.

Also lachte Sane, sagte, dass das "niemals" passieren werde, er "sehr glücklich" bei Manchester City sei und auf der "richtigen Seite" der Stadt spiele. Die fehlende Spielzeit im Oktober 2018, in dem er in ein paar Spielen zunächst auf der Bank saß? "Das macht mir keine Sorgen", erklärte Sane und schritt von dannen.

Warum sollte es das auch? Schließlich befand sich Sane nach einem schwierigen Saisonstart, in dessen Verlauf ihn Pep Guardiola aufgrund seiner Einstellung, aber auch aufgrund familiärer Probleme (seine Eltern lagen im Clinch mit seiner schwangeren Freundin), sogar einmal gänzlich aus dem Kader gestrichen hatte, schon wieder auf dem aufsteigenden Ast Richtung Startelf.

Leroy Sane in den wichtigen Spielen bei ManCity nur Ersatz

Knapp sechs Monate ist das jetzt her. Sechs Monate, in denen Sane mit den Citizens ein historisches nationales Triple holte, auf dem Weg dorthin selbst viele Tore erzielte (16) und viele Treffer vorbereitete (14), aber ab Februar in den wichtigen Spielen meistens nur auf der Bank saß.

So wie in beiden Champions-League-Viertelfinalspielen gegen Tottenham zum Beispiel, in beiden Pokalfinals und dem so wichtigen Auswärtsspiel gegen Brighton & Hove am letzten Spieltag der Premier League. In aller Regelmäßigkeit gab City-Trainer Pep Guardiola anderen Spielern den Vorzug. Und das noch nicht einmal zu Unrecht.

Bernardo Silva und Raheem Sterling spielten auf den Flügeln schlichtweg eine herausragende Saison. Darüber hinaus musste Guardiola die investierte Summe in Riyad Mahrez (67 Millionen Euro) mit Spielzeit rechtfertigen. Für Sane blieb also besonders ab Februar nur sporadisch Platz unter den ersten Elf.

Ein Umstand, der den 23-jährigen Nationalspieler dermaßen unzufrieden gestimmt haben soll, dass er mit einer vorzeitigen Vertragsverlängerung seines noch bis 2021 laufenden Kontrakts zögert.

Leroy Sane bei Manchester City: Spielerstatistiken 2018/19

StatistikWert
Spiele47
Startelf-Einsätze30
Einsatzminuten2.694
Tore16
Torvorlagen14
Zweikampfquote (Premier League)42 Prozent
Passquote (Premier League)84 Prozent

Guardiola: Sane? "Wollen seit eineinhalb Jahren verlängern"

Daraus machte auch Guardiola - der Sane mal in den Himmel und die Weltklasse lobt, mal deutlich kritisiert - zuletzt keinen Hehl. "Wir versuchen seit eineinhalb Jahren, mit Leroy zu verlängern", gestand er vor wenigen Tagen und schürte mit Aussagen, die reichlich Raum für Interpretationen boten, die Wechselgerüchte um Sane.

"Wir werden einige Transfers für die nächste Saison vornehmen müssen, weil Spieler gehen und mehr Spielzeit haben wollen. Sie akzeptieren es, für einige Zeit nicht zu spielen, aber wenn diese Periode länger wird, ist es normal, dass sie mehr spielen wollen", sagte Guardiola. Das passt natürlich auf einige Stars im Kader der Citizens.

Auf den letztjährigen Shootingstar Gabriel Jesus zum Beispiel, der in der Liga nur noch auf sieben Einsätze in der Startelf kam. Oder auf Mahrez, der vor drei Jahren noch Premier-League-Spieler des Jahres war, zweitteuerster City-Transfer aller Zeiten ist, aber oftmals in der zweiten Hälfte der Saison die Bank drückte. Aber eben auch auf Sane.

Dass er Sane aber wie von einigen Medien berichtet loswerden wolle, dementierte Guardiola sogleich. "Wenn man seinen Vertrag verlängern will, heißt das, dass man ihn will", stellte der Katalane noch am vergangenen Freitag vor dem FA-Cup-Finale gegen Watford (6:0).

Ein paar Tage später berichtete die Times jedoch, dass Guardiola einem möglichen Abschied von Sane sehr wohl "grünes Licht" gegeben habe. Zu unzufrieden sei er mit Sanes taktischem Verhalten auf dem Platz und Sanes Lebensstil neben dem Platz, heißt es in dem betreffenden Bericht.

FC Bayern prüft Transfer von Sane: Verführerische Schlossallee

Das alles soll nun ausgerechnet den Klub auf den Plan gerufen haben, dem Sane noch drei Jahre zuvor für Guardiola abgesagt hatte. Bereits im Sommer 2016 wollte der FC Bayern in Sane das nächste große deutsche Talent vom FC Schalke 04 an die Säbener Straße locken, doch ein Anruf von Guardiola verhinderte damals den Wechsel von Sane zum deutschen Rekordmeister.

133 Pflichtspiele, 39 Tore, 45 Vorlagen und sechs nationale Titel mit Manchester City später befindet sich der zweite Anlauf des FCB bei Sane nach kicker-Angaben im Prüfstand. Und das, obwohl Präsident Uli Hoeneß noch am vergangenen Wochenende weitere Investitionen im sehr hohen zweistelligen Millionenbereich - so viel wird Sane mindestens kosten - einen Riegel vorgeschoben hatte.

"Wir sind hier nicht beim Monopoly. Wir haben mit 80 Millionen für Lucas Hernandez eine Grenze erreicht. Ich glaube nicht, dass die bei weiteren Transfers überschritten wird", so der Klubchef. Und Sportdirektor Hasan Salihamidzic ergänzte in der Sport Bild: "Daran halten wir uns natürlich."

Was aber, wenn der Rekordmeister im Sommer tatsächlich realistische Chancen auf die personelle Schlossallee hat? Sprich: Sehr teuer, aber auch höchst profitabel und besonders prestigeträchtig.

Ein Vergleich, den der in der Brettspiel-Metaphorik offensichtlich äußerst bewanderte Hoeneß bereits vor einem Jahrzehnt mit Blick auf einen seiner Spieler zog. Damals stilisierte er Franck Ribery zu Bayerns Schlossallee hoch, auf der man "vier Hotels gebaut" habe und die man nur hergebe, "wenn man in Not" sei.

FC Bayern und die Nationalspieler: Kerzen beim DFB

Zu diesem Notfall kam es bekanntermaßen nie: Ribery wurde beim FC Bayern zu "König Franck", der nun in diesem Sommer gemeinsam mit Arjen Robben als Vereinslegende abdankt und Platz macht für neue Gesichter auf der Außenbahn.

Die entstandene Vakanz sollte eigentlich Callum Hudson-Odoi vom FC Chelsea füllen. Doch der riss sich im April die Achillessehne, was einen als fast sicher kolportierten Wechsel an die Isar verkompliziert.

Anders als Hudson-Odoi wäre Sane kein hoffnungsvolles Talent, sondern ein echter Hochkaräter für die Flügel. Eine Champions-League-erfahrene und von der halben Welt gejagten (Vater Souleymane Sane) Schlossallee, deren Kauf nicht nur aus fußballerischer Sicht sinnvoll wie verführerisch ist, sondern auch den Traum der Bayern-Verantwortlichen vom FC Deutschland nährt.

"Beim DFB in Frankfurt sollten sie einige Kerzen aufstellen, dass der FC Bayern für neue Erfolge genug Spieler parat hat", hatte Hoeneß bereits im April vollmundig zum Besten gegeben und darauf verwiesen, dass die Nationalmannschaft immer dann ihre erfolgreichsten Phasen gehabt habe, wenn der FCB "genügend Spieler liefert".

In Serge Gnabry, Niklas Süle, Manuel Neuer, Joshua Kimmich und Leon Goretzka stellt der Rekordmeister auch nach der Ausbootung von Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng vier aktuelle oder künftige Leistungsträger im DFB-Team. Timo Werner (RB Leipzig) und Kai Havertz (Bayer Leverkusen) könnten sich ebenfalls auf kurze oder lange Sicht dem FCB anschließen.

"Wir sind gerade dabei, wieder zu liefern", hatte Hoeneß daher vor knapp einem Monat festgestellt. Der Kauf von Leroy Sane würde Hoeneß' Aussagen untermauern. Vielleicht spielen die Bayern auch deshalb im Sommer noch einmal Monopoly. Geld hin oder her.

FC Bayern: Transfers für die Saison 2019/20

SpielerPositionabgebender VereinAblöse
Lucas HernandezInnenverteidiger/LinksverteidigerAtletico Madrid80 Mio. Euro
Benjamin PavardInnenverteidiger/RechtsverteidigerVfB Stuttgart35 Mio. Euro
Jann-Fiete ArpAngriffHamburger SV3 Mio. Euro
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