Hoeneß und Rummenigge beim FC Bayern wieder im Clinch: Mia san uneins

 
Uli Hoeneß wird sich beim FC Bayern im Herbst zurückziehen - das bestätigte der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber bei einem Empfang am Mittwoch.
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Uli Hoeneß wird sich beim FC Bayern im Herbst zurückziehen - das bestätigte der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber bei einem Empfang am Mittwoch.
Grund dafür sind laut Stoiber unter anderem "Zwistigkeiten" mit Karl Heinz Rummenigge. SPOX blickt auf die größten Dispute zwischen den FCB-Bossen zurück.
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Grund dafür sind laut Stoiber unter anderem "Zwistigkeiten" mit Karl Heinz Rummenigge. SPOX blickt auf die größten Dispute zwischen den FCB-Bossen zurück.
Spätenstens seit der Hoeneß-Ansage im Februar ("Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben für die kommende Saison ...") wird im FCB-Umfeld über mögliche Neuzugänge diskutiert - auch, weil sich vor allem Hoeneß permanent öffentlich äußert.
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Spätenstens seit der Hoeneß-Ansage im Februar ("Wenn Sie wüssten, was wir alles schon sicher haben für die kommende Saison ...") wird im FCB-Umfeld über mögliche Neuzugänge diskutiert - auch, weil sich vor allem Hoeneß permanent öffentlich äußert.
KHR meinte bei einer PK am 8.7. dazu: "Wir hatten heute morgen ein Gespräch. Ich denke, es ist gut, wenn wir zukünftig etwas weniger über unsere Transferaktivitäten sprechen. Das weckt sonst Ungeduld, die die Erwartungshaltung nicht kleiner werden lässt."
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KHR meinte bei einer PK am 8.7. dazu: "Wir hatten heute morgen ein Gespräch. Ich denke, es ist gut, wenn wir zukünftig etwas weniger über unsere Transferaktivitäten sprechen. Das weckt sonst Ungeduld, die die Erwartungshaltung nicht kleiner werden lässt."
Nicht zum ersten Mal kommunizieren die beiden öffentlich in entgegengesetzte Richtungen. Seit der Rückkehr von Hoeneß nach der Haft scheinen die Bayern-Bosse häufig verschiedener Meinungen zu sein. Davon konnte man schon im Sommer 2016 Notiz nehmen.
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Nicht zum ersten Mal kommunizieren die beiden öffentlich in entgegengesetzte Richtungen. Seit der Rückkehr von Hoeneß nach der Haft scheinen die Bayern-Bosse häufig verschiedener Meinungen zu sein. Davon konnte man schon im Sommer 2016 Notiz nehmen.
Damals war Rummenigge noch der Alleinherrscher an der Säbener Straße und entschied sich für eine Verpflichtung von Carlo Ancelotti für das freie Traineramt. Eine Entscheidung, die Hoeneß sehr kritisch beäugte.
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Damals war Rummenigge noch der Alleinherrscher an der Säbener Straße und entschied sich für eine Verpflichtung von Carlo Ancelotti für das freie Traineramt. Eine Entscheidung, die Hoeneß sehr kritisch beäugte.
Kurze Zeit später kam beim FCB die Sportdirektoren-Frage auf, nachdem Matthias Sammer zurückgetreten war. Rummenigge sprach sich für Philipp Lahm aus. Hoeneß hingegen wollte Max Eberl haben.
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Kurze Zeit später kam beim FCB die Sportdirektoren-Frage auf, nachdem Matthias Sammer zurückgetreten war. Rummenigge sprach sich für Philipp Lahm aus. Hoeneß hingegen wollte Max Eberl haben.
Schlussendlich konnte man sich auf keine der beiden Optionen einigen. Rummenigge und Hoeneß fanden stattdessen einen Kompromiss: Hasan Salihamidzic führt die Rolle seitdem aus.
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Schlussendlich konnte man sich auf keine der beiden Optionen einigen. Rummenigge und Hoeneß fanden stattdessen einen Kompromiss: Hasan Salihamidzic führt die Rolle seitdem aus.
Ein halbes Jahr später kam es zur nächsten Diskussion: Der FC Bayern schied in der Spielzeit 2016/17 in der Champions League aus und Hoeneß merkte an, dass "ein Titel schon ein bisschen wenig" für den FC Bayern wäre.
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Ein halbes Jahr später kam es zur nächsten Diskussion: Der FC Bayern schied in der Spielzeit 2016/17 in der Champions League aus und Hoeneß merkte an, dass "ein Titel schon ein bisschen wenig" für den FC Bayern wäre.
Rummenigge gefiel diese Aussage gar nicht und setzte zum Konter an: "Dann haben wir hier möglicherweise eine unterschiedliche Sichtweise", so KHR. In der Champions League sei schwer mit Erfolg zu planen "und das schätzen hier alle so ein".
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Rummenigge gefiel diese Aussage gar nicht und setzte zum Konter an: "Dann haben wir hier möglicherweise eine unterschiedliche Sichtweise", so KHR. In der Champions League sei schwer mit Erfolg zu planen "und das schätzen hier alle so ein".
Glücklich war Rummenigge dann im Sommer, als die Bayern die Verpflichtung von James Rodriguez vermeldeten. "Er gibt uns die Qualität, die wir brauchen", schwärmte der Vorstandsvorsitzende.
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Glücklich war Rummenigge dann im Sommer, als die Bayern die Verpflichtung von James Rodriguez vermeldeten. "Er gibt uns die Qualität, die wir brauchen", schwärmte der Vorstandsvorsitzende.
Hoeneß' Worte hingegen klangen da schon anders: "Wir verlassen uns da voll auf Carlo Ancelotti, der ihn im Gegensatz zu uns viel besser kennt."
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Hoeneß' Worte hingegen klangen da schon anders: "Wir verlassen uns da voll auf Carlo Ancelotti, der ihn im Gegensatz zu uns viel besser kennt."
Noch im selben Sommer ging der FC Bayern auf Sommertour in China. Während Rummenigge den Trip als "vollen Erfolg" feierte, sah Hoeneß die aufwendige Reise als "grenzwertig" an.
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Noch im selben Sommer ging der FC Bayern auf Sommertour in China. Während Rummenigge den Trip als "vollen Erfolg" feierte, sah Hoeneß die aufwendige Reise als "grenzwertig" an.
Doch nicht nur Hoeneß war zu dieser Zeit skeptisch, sondern auch so mancher Spieler. Robert Lewandowski kritisierte beispielsweise die Transferpolitik des Rekordmeisters.
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Doch nicht nur Hoeneß war zu dieser Zeit skeptisch, sondern auch so mancher Spieler. Robert Lewandowski kritisierte beispielsweise die Transferpolitik des Rekordmeisters.
"Stress mit mir persönlich", drohte Rummenigge dem Polen daraufhin an. Hoeneß stattdessen plädierte auf Meinungsfreiheit: "Wir leben in einer Demokratie, in der jeder seinem Ärger auch mal Luft machen darf."
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"Stress mit mir persönlich", drohte Rummenigge dem Polen daraufhin an. Hoeneß stattdessen plädierte auf Meinungsfreiheit: "Wir leben in einer Demokratie, in der jeder seinem Ärger auch mal Luft machen darf."
Das Thema Transfers war im Sommer 2017 weiterhin groß. Hoeneß blickte auf die europaweiten Entwicklungen und klärte im Bayern-Magazin auf, dass "ein Spieler für 100 Millionen Euro für den FC Bayern nicht akzeptabel" sei.
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Das Thema Transfers war im Sommer 2017 weiterhin groß. Hoeneß blickte auf die europaweiten Entwicklungen und klärte im Bayern-Magazin auf, dass "ein Spieler für 100 Millionen Euro für den FC Bayern nicht akzeptabel" sei.
Rummenigge stattdessen antwortete im selben Magazin auf die Frage, ob eine derartige Grenze in Stein gemeißelt sei, dass dies "nur die zehn Gebote" sind.
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Rummenigge stattdessen antwortete im selben Magazin auf die Frage, ob eine derartige Grenze in Stein gemeißelt sei, dass dies "nur die zehn Gebote" sind.
Ein schwieriger Start in die Saison war vorprogrammiert. Vor einer bedeutenden Woche mit Spielen gegen den VfL Wolfsburg und Paris Saint-Germain betonte Rummenigge jedoch, dass "Ancelotti bei uns gar nicht in der Kritik" stehe.
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Ein schwieriger Start in die Saison war vorprogrammiert. Vor einer bedeutenden Woche mit Spielen gegen den VfL Wolfsburg und Paris Saint-Germain betonte Rummenigge jedoch, dass "Ancelotti bei uns gar nicht in der Kritik" stehe.
Während KHR den Italiener nach der 0:3-Pleite bei PSG dann "als Freund" verabschiedete, lästerte Hoeneß: "Die Tatsache, dass der Trainer fünf wichtige Spieler gegen sich aufgebracht hat, das hätte er niemals durchgehalten."
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Während KHR den Italiener nach der 0:3-Pleite bei PSG dann "als Freund" verabschiedete, lästerte Hoeneß: "Die Tatsache, dass der Trainer fünf wichtige Spieler gegen sich aufgebracht hat, das hätte er niemals durchgehalten."
Daraufhin sagte Ex-Sportdirektor Sammer: "Wir haben doch alle gespürt, dass da Baustellen waren. Diese haben dazu geführt, dass so ein starkes Gebilde ins Wanken geriet."
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Daraufhin sagte Ex-Sportdirektor Sammer: "Wir haben doch alle gespürt, dass da Baustellen waren. Diese haben dazu geführt, dass so ein starkes Gebilde ins Wanken geriet."
Und auch Hoeneß bestätigte selbstkritisch: "Es mag so aussehen, dass es Uneinigkeiten zwischen Rummenigge und mir gab. Da räume ich auch ein, dass einiges nicht glücklich gelaufen ist." Man wolle jedoch "ein neues Kapitel aufschlagen".
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Und auch Hoeneß bestätigte selbstkritisch: "Es mag so aussehen, dass es Uneinigkeiten zwischen Rummenigge und mir gab. Da räume ich auch ein, dass einiges nicht glücklich gelaufen ist." Man wolle jedoch "ein neues Kapitel aufschlagen".
Rummenigge sprach daraufhin von "guten und überfälligen Gesprächen" und Hoeneß verriet: "Die Dinge werden nicht mehr passieren. Was passieren wird, wird dem FC Bayern gut zu Gesicht stehen."
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Rummenigge sprach daraufhin von "guten und überfälligen Gesprächen" und Hoeneß verriet: "Die Dinge werden nicht mehr passieren. Was passieren wird, wird dem FC Bayern gut zu Gesicht stehen."
Schon Anfang 2018 allerdings wurde klar, dass alte Gräben allzu leicht aufbrechen konnten. Rummenigge kokettierte für die Nachfolge von Jupp Heynckes nach der Saison mit dem zu der Zeit freien Thomas Tuchel.
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Schon Anfang 2018 allerdings wurde klar, dass alte Gräben allzu leicht aufbrechen konnten. Rummenigge kokettierte für die Nachfolge von Jupp Heynckes nach der Saison mit dem zu der Zeit freien Thomas Tuchel.
Hoeneß allerdings träumte öffentlich davon, Heynckes entgegen der ursprünglichen Abmachung für ein weiteres Jahr überzeugen zu können. Ein Vorhaben, von dem Tuchel nicht gerade begeistert war.
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Hoeneß allerdings träumte öffentlich davon, Heynckes entgegen der ursprünglichen Abmachung für ein weiteres Jahr überzeugen zu können. Ein Vorhaben, von dem Tuchel nicht gerade begeistert war.
Tuchel sagte dem FCB in der Folge ab und entschied sich für PSG. Bei Bayern wurde die Hoeneß-Lösung Niko Kovac Trainer. Der allerdings stand nach einer schwierigen Hinrunde und wenig attraktivem Fußball sofort in der Kritik.
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Tuchel sagte dem FCB in der Folge ab und entschied sich für PSG. Bei Bayern wurde die Hoeneß-Lösung Niko Kovac Trainer. Der allerdings stand nach einer schwierigen Hinrunde und wenig attraktivem Fußball sofort in der Kritik.
Selbst sein Befürworter Hoeneß zählte ihn nach einem blamablen 3:3 gegen Düsseldorf an: "Es ist ein schwerer Tag für uns. Es gibt intern Gesprächsbedarf. Wir sehen eine schwierige Ausgangsposition für den Rest der Saison", sagte Hoeneß.
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Selbst sein Befürworter Hoeneß zählte ihn nach einem blamablen 3:3 gegen Düsseldorf an: "Es ist ein schwerer Tag für uns. Es gibt intern Gesprächsbedarf. Wir sehen eine schwierige Ausgangsposition für den Rest der Saison", sagte Hoeneß.
Doch spätestens nach der 5:0-Gala gegen den BVB war für Hoeneß wieder alles in Butter. "Selbst wenn wir Zweiter würden, ist das doch kein Desaster", sagte Hoeneß und nahm etwas den Druck von Kovac weg.
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Doch spätestens nach der 5:0-Gala gegen den BVB war für Hoeneß wieder alles in Butter. "Selbst wenn wir Zweiter würden, ist das doch kein Desaster", sagte Hoeneß und nahm etwas den Druck von Kovac weg.
"Mit diesem Druck muss man umgehen. Wer das nicht kann, ist dann im falschen Klub", sagte Rummenigge konträr dazu und stellte unmissverständlich klar: "Wir werden Meister."
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"Mit diesem Druck muss man umgehen. Wer das nicht kann, ist dann im falschen Klub", sagte Rummenigge konträr dazu und stellte unmissverständlich klar: "Wir werden Meister."
"Bei uns gibt es keine Jobgarantie. Für niemanden. Jeder, der bei Bayern München arbeitet, muss liefern", sagte KHR: "Mit diesem Druck muss man klarkommen." Kovac hatte Tags zuvor nach der Gala gegen den BVB genau das in Frage gestellt.
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"Bei uns gibt es keine Jobgarantie. Für niemanden. Jeder, der bei Bayern München arbeitet, muss liefern", sagte KHR: "Mit diesem Druck muss man klarkommen." Kovac hatte Tags zuvor nach der Gala gegen den BVB genau das in Frage gestellt.
"Wenn du gewinnst, hast du nichts richtig gemacht. Wenn du verlierst, hast du alles falsch gemacht", sagte Kovac: "Ich bin kein Moralapostel, aber wir müssen mal wieder klarkommen mit unserem Leben. Das ist nicht in Ordnung, was hier abgeht."
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"Wenn du gewinnst, hast du nichts richtig gemacht. Wenn du verlierst, hast du alles falsch gemacht", sagte Kovac: "Ich bin kein Moralapostel, aber wir müssen mal wieder klarkommen mit unserem Leben. Das ist nicht in Ordnung, was hier abgeht."
Und Hoeneß unterstützte Kovac: "Wie soll ich mit jemandem zusammenarbeiten, den ich bei jeder Gelegenheit infrage stelle? In so einem Spannungsfeld, wie unser Trainer in den letzten Wochen gelebt hat, kann man auf Dauer nicht vernünftig arbeiten."
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Und Hoeneß unterstützte Kovac: "Wie soll ich mit jemandem zusammenarbeiten, den ich bei jeder Gelegenheit infrage stelle? In so einem Spannungsfeld, wie unser Trainer in den letzten Wochen gelebt hat, kann man auf Dauer nicht vernünftig arbeiten."
Immer wieder taucht sie also auf, diese "Mia san uneins"-Mentalität in der Bayern-Chefetage. "Das ist aber auch fruchtbar für den Klub", stellte KHR schon im September 2017 fest. Am Ende sei es wichtig, zu "einer gemeinsamen Gefechtslage" zu finden.
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Immer wieder taucht sie also auf, diese "Mia san uneins"-Mentalität in der Bayern-Chefetage. "Das ist aber auch fruchtbar für den Klub", stellte KHR schon im September 2017 fest. Am Ende sei es wichtig, zu "einer gemeinsamen Gefechtslage" zu finden.
Diese "gemeinsame Gefechtslage" werden Rummenigge und Hoeneß spätestens 2021 beenden. Dann wird sich Rummenigge aller Voraussicht nach zurückziehen. Hoeneß wird hingegen wohl noch ein Jahr länger Präsident sein.
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Diese "gemeinsame Gefechtslage" werden Rummenigge und Hoeneß spätestens 2021 beenden. Dann wird sich Rummenigge aller Voraussicht nach zurückziehen. Hoeneß wird hingegen wohl noch ein Jahr länger Präsident sein.
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