Fussball

Ist "er" wieder da?

Von Niccolo Schmitter
Mario Gomez blüht unter Andries Jonker beim VfL Wolfsburg wieder auf

Beim VfL Wolfsburg herrscht wieder etwas Euphorie. Gegen RB Leipzig zeigten die Wölfe eine vielversprechende Leistung, allen voran Mario Gomez machte eine gute Figur und erzielte den Siegtreffer. Am Samstag bekam er die Note 2. Der Schlüssel zu seiner Leistungssteigerung scheint die Verpflichtung von Andries Jonker zu sein.

Wagte sich ein deutscher Fußball-Fan am Samstagabend in die Weiten des Internets, so konnte er sich einer ganz bestimmten Statistik nicht entziehen: Elf Tore erzielte Mario Gomez in sieben Spielen unter Andries Jonker. Neun davon fielen vor sechs Jahren, als der Niederländer das Amt des Interimstrainers beim FC Bayern nach der Ära van Gaal ausübte.

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Die anderen zwei fielen wiederum in den letzten acht Tagen - und sind deutlich wichtiger. Denn die beiden Treffer markieren die einzigen, die die Wölfe seit Jonkers Amtsübernahme erzielen konnten und sind gleichbedeutend mit vier Punkten in der Tabelle. Selten lösten zwei Treffer beim VfL so eine Euphorie aus.

Euphorie im Abstiegskampf

Gomez wurde nach dem Spiel von den mitgereisten Fans mit Sprechchören gefeiert. Es wirkte fast, als ob sich der VfL inmitten einer Siegesserie befände - nicht mitten im Abstiegskampf. Der Jubel scheint sich dabei aber weniger auf die Spielweise der Mannschaft zu entladen, die nach dem schwachen Kick gegen Mainz in Leipzig eine deutliche Leistungssteigerung zeigte. Es handelt sich vielmehr um eine Vorfreude. Vorfreude, endlich den Mario Gomez zu sehen.

Dieser Gomez hat sich in den letzten Jahren nämlich mehr und mehr zum Mythos entwickelt. Der Nationalstürmer war aufgrund seiner holprigen Spielweise oft Ziel des Gespötts. Doch solange er wie beim FC Bayern zuverlässig seine Tore erzielte, fehlte die Grundlage für ernsthafte Kritik. Seine Zeit beim AC Florenz, die von Verletzungen, wenig überzeugenden Leistungen und einer langen Absenz vom DFB-Team geprägt war, schien jedoch endlich seine Kritiker bestätigt zu haben.

Die Erringung der Torschützenkanone in der Türkei änderte daran nicht allzu viel, zählt die Süper Lig in den Augen vieler doch nicht mehr zur ernsthaften Konkurrenz in Europa. Der Mario Gomez habe seine Zeit in Stuttgart und München gehabt und sei danach irgendwie verschollen.

Gomez als Führungspersönlichkeit

Als Teil eines schwach spielenden Kollektivs konnte Gomez in den ersten Monaten in Wolfsburg tatsächlich auch keinen Eindruck hinterlassen, die vereinzelten Treffer trugen nur bedingt zur Rehabilitierung bei.

Gomez ging neben dem Platz zwar als Wortführer voran und heimste sich mit kantigen Aussagen Respekt bei den Fans ein. Doch in seiner Hauptbeschäftigung ließ er Taten zumeist vermissen. Der Grund dafür? Gomez braucht eine gut funktionierende Mannschaft, die für ihn spielt. Er ist keine Pressing-Maschine und kein Chancen-Erarbeiter, Gomez ist ist ein Chancen-Verwerter.

"Ich sage ihm nur: 'Bleib um Gottes Willen im Strafraum'", erklärte Jonker nach dem Sieg gegen Leipzig bei Sky. So banal dieser Satz klingen mag, so grundlegend ist er für den Erfolg des Wolfsburger Torjägers. Gomez muss sich einzig und allein aufs Toreschießen konzentrieren. Verlangt man von ihm all die anderen Aufgaben, die ein moderner Stürmer oft erbringen muss, leidet darunter die allerwichtigste.

Zuckerbrot und Peitsche

Jonker weiß das. "Seine Philosophie kommt mir als Stürmer entgegen", bekräftigte Gomez: "Wenn wir schnell umschalten und die Bälle mit Mut spielen, dann komm ich vorne besser in die Situation, wo ich Tore machen kann." Das heiße aber natürlich nicht, dass sich Gomez als Zielspieler zurücklehnen kann.

"Die Woche ist schon intensiv für mich. Der Trainer fordert extrem viel von mir. Er macht mich auch rund, wenn ich nicht da bin, wo ich sein muss", erzählte Gomez nach dem Spiel gegen die Bullen: "Er treibt und schiebt mich, das war damals schon so unter van Gaal." Mit dem Niederländer scheinen die Verantwortlichen also nicht nur einen guten Trainer für die Mannschaft gefunden zu haben, sondern in erster Linie den passenden Trainer für Mario Gomez.

"Er gibt mir Vertrauen", lobte der Stürmer seinen Coach und nannte so eine weitere wichtige Voraussetzung für weitere Tore. Denn wie die meisten Fußballer braucht auch Gomez eine intakte Beziehung zu seinem Trainer. Mit Jonker ist das gewährleistet.

Ist "er" wieder da?

Die Vorzeichen für Gomez beim VfL sind also gut. Viel wird jedoch vom Rest der Mannschaft abhängen. Didavi, Malli oder Arnold - sie alle müssen außerhalb des Sechzehners umso mehr arbeiten und ein besonderes Auge für den Stürmer entwickeln.

Vor allem aber darf man nicht vergessen, dass sich Wolfsburg nach wie vor mitten im Abstiegskampf befindet. So mahnte Sportdirektor Olaf Rebbe: "Jeder kann die Tabelle lesen. Wir brauchen weiter Punkte." Dazu braucht man Tore. Und dazu braucht man den Mario Gomez.

Mario Gomez im Steckbrief

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