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Fussball

Vincenzo Grifo vom SC Freiburg im Interview: "Streich ist ein Fanatiker - im positiven Sinne"

Von Giorgio Dusi

Italien zittert um das WM-Ticket, der Europameister droht zum zweiten Mal in Folge eine WM zu verpassen - und Vincenzo Grifo fiebert vor dem Fernseher mit. Im Interview mit SPOX und GOAL spricht der Offensivspieler des SC Freiburg über die Squadra Azzurra, sein besonderes Verhältnis zu Christian Streich und seine persönliche Zukunft.

Das blaue Trikot mit der legendären Nummer 10, das Vincenzo Grifo bei seinem Debüt für die italienische Nationalmannschaft getragen hat, hat einen Ehrenplatz bekommen. Es hängt in seinem Wohnzimmer, wie der Offensivspieler des SC Freiburg im Gespräch mit SPOX und GOAL verriet.

Sechsmal lief der 28-Jährige für die Squadra Azzurra auf, doch trotz seines momentanen Höhenflugs mit den Breisgauern verzichtete Nationaltrainer Roberto Manchini für die anstehenden WM-Playoffs gegen Nordmazedonien (20.45 Uhr live auf DAZN und im LIVETICKER) auf seine Dienste.

Dennoch drückt Grifo Italien die Daumen. Im Gespräch mit SPOX und GOAL spricht er zudem über den aktuellen Lauf des SC Freiburg, berichtet von einem besonderen Erlebnis mit Cheftrainer Christian Streich und erläutert seine Zukunftspläne.

Vincenzo Grifo ...

... über Christian Streich: "Er ist ein sehr emotionaler Mensch mit einem großen Herz, der sowohl mit jungen Menschen als auch mit über 30-Jährigen umgehen kann. Er ist ein Fanatiker, natürlich im positiven Sinn. Er redet mit jedem über Fußball."

... über Streichs lange Zeit beim Sport-Club: "Es ist nicht einfach, zehn Jahre lang in der Bundesliga zu bleiben, wie er es getan hat. Er hat immer den Willen, zu arbeiten und besser zu werden. Manchmal verliert er seine besten Spieler, aber er hat immer die Kraft, eine neue, gute Mannschaft aufzubauen."

... darüber, ob er sich Freiburg auch ohne Streich vorstellen könnte: "Für mich ist es sehr schwierig, mir ihn in einer anderen Mannschaft vorzustellen. Ich erinnere mich an die Zeit vor zehn Jahren, als ich Fußball im Fernsehen gesehen habe. Da war er schon hier. Wie kann man sich Streich außerhalb von Freiburg vorstellen? Es ist schwierig, auch nur daran zu denken."

... über ein besonderes Erlebnis mit Streich: "Ich erinnere mich an ein Spiel gegen Greuther Fürth in der 2. Bundesliga, wir hatten 5:2 gewonnen und ich habe zwei Tore geschossen und zwei Assists gegeben. Ich war der glücklichste Mensch der Welt, aber er schrie mich vor der ganzen Mannschaft an, weil wir nach meinem Ballverlust ein Tor kassiert haben. Er war sehr wütend. Er hat mir klar gemacht, was die Suche nach der Perfektion ist. Viele hätten mich beglückwünscht, aber er hat mir meine Fehler vor Augen geführt."

... über seine Zukunft: "Ich fühle mich hier wie in einer zweiten Familie. Meine Eltern leben in Pforzheim, das ist eine Stunde entfernt. Wenn sich die Möglichkeit ergibt, den nächsten Schritt zu machen, werde ich mir Gedanken machen. Das ist ein Teil des Fußballs. Aber Freiburg hat mir die Chance gegeben, zurückzukommen und mich gut zu entwickeln. Schon im Januar gab es Anfragen. Wenn es Angebote gibt, denkt man darüber nach. Aber der richtige Zeitpunkt muss erst noch kommen. Jetzt möchte ich die Chance nutzen, mit Freiburg in einem internationalen Wettbewerb zu spielen, dann werden wir sehen, was passiert."

... über die Freiburger Saison: "Wir sind als Mannschaft sehr geschlossen, dieses Jahr hat die Mannschaft auch mehr Qualität. Wir haben noch sieben Spiele - hoffentlich neun, wenn man das Pokalhalbfinale und hoffentlich das Finale bedenkt - und wir erleben eine fantastische Saison. Wir werden in den letzten Spielen sehen, ob wir um einen Platz in der Champions League kämpfen werden. Zu Beginn der Saison war es unser Ziel, die Platzierung der letzten Saison (Platz zehn, Anm.d.Red.) zu verbessern. Wir hatten einen guten Lauf und wir haben verstanden, dass wir den nächsten Schritt machen können. Wir haben auch ein bisschen Glück gebraucht, aber wir haben großes Selbstvertrauen. Und mit Selbstvertrauen kann man noch einige Spiele gewinnen."

... über Nico Schlotterbeck: "Er ist ein sehr guter Spieler, mit viel Qualität, ein großartiger Verteidiger und ich bin sicher, dass er weit bringen wird. Er hat die Berufung in die Nationalmannschaft verdient. Das ist nicht einfach, aber er hat die richtige Einstellung."

... über das Spiel gegen Bayern nach der Länderspielpause: "Sie haben eine unglaubliche individuelle Qualität, mehr muss ich nicht erklären. Wir werden unsere Chancen haben, aber wir müssen sie nutzen. Bochum hat es auch geschafft, sie zuhause 4:2 zu schlagen. Wir werden Geduld brauchen, denn sie werden mehr Ballbesitz haben."

... über Julian Nagelsmann: "Er war mit mir in Hoffenheim, als ich meine Debütsaison in der Bundesliga 2012/13 gespielt habe. Er war zwar nur der dritte Assistenztrainer, aber er leitete schon die Trainingseinheiten und sprach auch mit der Mannschaft. 2018 bin ich auch nach Hoffenheim zurück gegangen, um mit Nagelsmann zu arbeiten, aber dann habe ich mich aufgrund meiner geringeren Spielzeit zu einer Rückkehr nach Freiburg entschieden."

... über die italienische Nationalmannschaft: "Ich liebe die italienische Nationalmannschaft und habe immer hart gearbeitet, um zu den Azzurri zu kommen. Ich werde Roberto Mancini immer dankbar sein, dass er mir die Chance gegeben hat, mein Debüt zu feiern. Ich möchte mit der Nationalmannschaft erfolgreich sein. Letzten Mai stand ich auf der Liste für die EURO 2020, dann war ich natürlich traurig, als ich nicht berücksichtigt wurde und nach Hause zurückkehren musste, aber nach zwei Tagen saß ich mit meinem Trikot vor dem Fernseher, wie ein echter Fan. Ich habe den Kontakt zu meinen Mannschaftskameraden gehalten, es war wie eine große Familie. Italien bedeutet mir sehr viel, auch weil es dort Spieler gibt, von denen ich viel lernen kann."

... über die WM-Playoffs: "Ich wünsche meinen Mitspielern und dem Trainer viel Glück. Ich werde vor dem Fernseher sitzen und mitfiebern. Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen. Wir haben eine tolle Mannschaft, die weiß, wie man mit Drucksituationen umgeht, weil wir sehr starke Spieler haben."

... über die Möglichkeit, für Deutschland zu spielen: "Einige Male wurde ich gefragt, ob ich für Deutschland spielen möchte, aber ich habe mir immer gesagt, wenn ich die Wahl zwischen Deutschland und Italien hätte, würde ich mich für Italien entscheiden. Hier in Deutschland habe ich alles und vermisse nichts, aber mein Herz schlägt zu 100 Prozent für Italien. Zuhause wird Italienisch gesprochen und gegessen."

Vincenzo Grifo: Leistungsdaten

TeamSpieleToreAssists
SC Freiburg1715258
Italien622
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