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Fussball

Bundesliga-Thesen zum 22. Spieltag: Ganz einfach! So überrumpelte der VfL Bochum den FC Bayern

Von Stefan Rommel

Der VfL Bochum knackt den FC Bayern mit einfachen Mitteln und einem No Name im Mittelfeld. Der VfB Stuttgart hat sich in der Stürmerwahl für den Abstiegskampf vergriffen und in Wolfsburg und Berlin merkt man schon den Kruse-Effekt. Die Thesen zum Spieltag.

1. VfB Stuttgart: Der Fehlgriff mit Faghir

Tiago Tomas hat jetzt anderthalb Spiele für den VfB Stuttgart bestritten, genauer genommen 99 Spielminuten in der Bundesliga absolviert. Und schon jetzt ist der Portugiese der erfolgreichste Stuttgarter Angreifer der Saison. Zusammen mit Omar Marmoush und dem abgewanderten Hamadi Al-Ghaddioui liegt Tomas im internen Stürmer-Ranking an der Spitze und das beschreibt die Stuttgarter Malaise schon ganz gut.

Noch klarer werden die chronischen Probleme in der Offensive, wenn man sich den bisherigen Werdegang eines anderen vermeintlichen Hoffnungsträgers vor Augen führt. Wahid Faghir hatte der VfB kurz vor Transferschluss im Sommer aus Dänemark geholt als Antwort auf die eben so schweren wie langwierigen Verletzungen von Sasa Kalajdzic und Mohamed Sankoh. Bis auf einen lichten Moment beim Tor gegen Union Berlin war Faghir bisher aber alles andere als eine schnelle Hilfe.

Auch nach zwei Dritteln der Saioson warten sie beim VfB noch immer darauf, dass sich der 18-Jährige endlich an die veränderten Rahmenbedingungen in der Bundesliga anpasst, dass er seinen Trainingsfleiß erhöht, noch mehr an sich und seinem Körper arbeitet.

Am Samstag kickte Faghir nicht in der BayArena gegen Leverkusen, sondern im Schlienz-Stadion gegen die zweite Mannschaft von Mainz 05. Und das, obwohl mit Kalajdzic und Marmoush zwei Angreifer bei den Profis mal wieder ausfielen. Regionalliga statt Bundesliga: Wahid Faghir bleibt in der Form ein fast fünf Millionen Euro teures Missverständnis.

2. Bochums einfacher Plan - und Patrick Osterhage

Gegen den FC Bayern zu gewinnen, ist ein sehr schwieriges Unterfangen. Den FC Bayern zu schlagen mit einer Mannschaft, die zum Gros aus durchschnittlichen Bundesligaspielern besteht, beinahe unmöglich. Und doch ist das dem VfL Bochum gelungen.

Trainer Thomas Reis hat dabei auf die naheliegenden und vielleicht auch besonders einfachen Mittel gegriffen, die man anwenden kann gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner. Mit einem verschlossenen Zentrum, einer gesunden Zweikampfhärte in der Defensive, einem maximalen Umschalttempo und Tiefenläufen in der Offensive. Ein bisschen Glück dazu, eine bayerische Mannschaft, die definitiv nicht ganz auf der Höhe war - und fertig ist die kleine Sensation.

Speziell die Bochumer Tiefenläufe haben die Bayern immer wieder kalt erwischt, ein kleiner personeller Kniff von Reis hatte dieses Stilmittel sehr verstärkt. Mit Patrick Osterhage warf Bochums Trainer einen Spieler in die Partie, den die Bayern so nicht auf der Rechnung hatten. Osterhage war auf der Acht brutal stark im Zweikampf und zerstörte viele Ansätze von Münchner Dominanz im Zentrum allein durch seine Aggressivität und seit sehr weiträumiges Spiel.

Und nach vorne unterstützte er immer wieder die Kollegen Holtmann und Antwi-Adjei mit einem zusätzlichen Tiefenlauf, den die Bayern nicht schnell genug aufnehmen konnten. Ein tolles Spiel von Osterhage, der davor erst einmal überhaupt in Bochums Startelf stand.

3. Hertha BSC wird noch einmal den Trainer wechseln

Tayfun Korkut hat natürlich schwierige Startbedingungen: Er ist angestellt bei einem Klub, der keine echte Strategie oder sogar eine organisch gewachsene Philosophie verfolgt. Er hat eine Mannschaft übernommen, die nicht "seine" Mannschaft ist. Bis auf die paar Wintertransfers hat Korkut keinen einzigen Spieler mit verpflichtet, geschweige denn Vorschläge für den Umbau des Kaders geben können. Und für die Ausgangslage - Korkut übernahm die Hertha auf Platz 14 - konnte er auch nichts.

Nun hat Korkut aber auch schon neun Spiele versuchen dürfen, den Schlingerkurs der Hertha zu beenden. Der Erfolg bleibt dabei aber nicht nur überschaubar, so langsam wird der Druck auch immer größer. Die Niederlage in Fürth war ein Spiegelbild der letzten zwei, drei Jahre. Unerklärlich, wie leicht sich die Mannschaft beim Letzten beeindrucken ließ.

Aber auch nicht neu, Fans der Hertha kennen Leistungen wie diese nur zur Genüge. Ein Sieg in Fürth war eigentlich fest eingeplant, die elfte Saisonniederlage lässt Korkuts Punkteschnitt auf 1,0 fallen. Da war der geschasste Vorgänger Pal Dardai mit 1,08 Punkten in dieser Saison noch etwas besser.

Vor allem aber ist es die nicht messbare Entwicklung, die großen Anlass zur Sorge gibt. Korkuts Maßnahmen verpuffen in schöner Regelmäßigkeit, einzelne Spieler werden auf eher unpassenden Positionen eingesetzt und am Ende fehlen die nötigen Punkte. Berlin ist nach dem VfB die schlechteste Mannschaft der Rückrunde und es wäre keine große Überraschung, wenn Korkut das Ende der Saison nicht mehr als Trainer der Hertha erlebt.

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