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Fussball

Wolfgang Holzhäuser im Interview: So könnte die Bundesliga wieder attraktiver werden

Von Stanislav Schupp
Wolfgang Holzhäuser war von 2004 bis 2013 Geschäftsführer von Bayer Leverkusen.

Neben neuen Wettbewerben und der hohen Belastung werden aktuell auch das Financial Fairplay sowie die Gehaltsobergrenze, die sogenannte Salary Cap, heiß diskutiert. Wie stehen Sie diesen Themen gegenüber?

Holzhäuser: Über Financial Fairplay kann man sich streiten, das ist eine stumpfe Waffe. Man sollte über eine wie auch immer geartete Salary Cap nachdenken. Immer, wenn die Diskussion aufkam, sagten alle, es sei rechtlich nicht machbar, ohne ernsthaft mögliche Wege zu definieren. Mittlerweile gibt es offenbar auch von der Politik Druck, dieses Thema anzugehen. Zudem wäre ein neues System zur Entwicklung von Talenten nötig. Sie sollten nicht nur bei großen Vereinen platziert werden, sondern bei anderen Vereinen Spielpraxis sammeln können.

An welche Lösungsansätze denken Sie hierbei?

Holzhäuser: Kooperationen zwischen Vereinen. Ich verstehe bis heute nicht, warum es negativ beäugt wird, wenn sich Vereine zusammenschließen, um den Nachwuchs besser zu fördern und ihnen mehr Spielpraxis zu ermöglichen. Die Methodik, die Red Bull Salzburg mit den Schwesternklubs anwendet, halte ich für die perfekte Lösung. Ich habe in Leverkusen das Thema diskutiert und wollte so etwas mit dem FC Winterthur und Alemannia Aachen eingehen, da wurde ich als Revolutionär bezeichnet. Es geht darum, dass man den Youngstern in der U17 oder U19 eine Perspektive schafft. Wenn diese nur daraus besteht, dass sie in der Zweitvertretung eines Profivereins in der 3. Liga spielen, dann ist das keine Zukunft. Wenn ich ihnen stattdessen eine Perspektive bieten kann, dass sie in einem Klub spielen, bei dem vielleicht auch der Trainer von einem Profiklub finanziert wird und die Spieler auf ihren idealen Positionen einsetzt, dann ist das wesentlich hilfreicher. Ein Ansatz wäre beispielsweise die Einführung eines Doppelspielrechts, wie im Handball.

Wie genau sollte das umgesetzt werden?

Holzhäuser: Hochtalentierte Spieler dürfen im eigenen Verein trainieren, aber in anderen Klubs Spielpraxis sammeln. In der U19 eines Profiklubs gibt es den ein oder anderen hochtalentierten Spieler, der für die Profis geeignet wäre. Diese Spieler werden aber kaum eingesetzt. Das ist vielmehr glücklichen Umständen geschuldet, wenn sie mal doch Spielpraxis sammeln. Nehmen wir zum Beispiel den zweiten oder dritten Torwart. Der spielt nie, benötigt aber dennoch Spielpraxis. Was würde dagegen sprechen, wenn er am Samstag auf der Bank eines Bundesligisten sitzt und am Sonntag bei Alemannia Aachen spielt? Das geht allerdings nur, wenn ich zwischen Vereinen richtige Kooperationsvereinbarungen treffe - nach dem Vorbild von Red Bull. Sie bilden auch ihre Trainer selbst aus. Hochqualifizierte, junge Trainer werden in einen anderen Verein delegiert, um dort Erfahrung zu sammeln. Das muss allerdings gemeinsam mit der UEFA europaweit geregelt werden. Damit könnte man vermeiden, dass junge Spieler in der zweiten Mannschaft nicht die richtige Ausbildung genießen. Ich habe auch kein Verständnis dafür, warum eine zweite Mannschaft nicht in die zweite Liga aufsteigen darf. Solange sie nicht mit der ersten Mannschaft in einer Liga spielt, ist das egal. Teilweise wollen die Klubs gar nicht, dass die zweiten Mannschaften aufsteigen. Das halte ich für unsinnig.

Auch in weiteren Aspekten könnten andere Sportarten eine Vorbildfunktion für den Fußball haben. In der NFL gibt es zum Beispiel das sogenannte Draft-System, bei dem das schlechteste Team der Vorsaison als Erstes einen neuen Spieler ziehen darf. Wäre dies auch in der Bundesliga umsetzbar?

Holzhäuser: Ein geniales Modell. Allerdings schwierig umzusetzen, da die arbeitsrechtliche Situation in Europa ganz anders ist als in den USA. Deswegen muss man spezielle Lösungen suchen, die zur arbeitsrechtlichen Stellung der Spieler in Europa passen. Diese Lösung gibt es aber bereits: Doppelspielrecht und Farm-Klubs.

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