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Fussball

Ex-NXGN-Sieger Justin Kluivert: Das zähe Warten auf den Durchbruch

Von Dennis Melzer
Justin Kluivert will mit der U21 der Niederlanden den EM-Titel gewinnen.

Justin Kluivert zählte einst zu den größten Versprechen für die Zukunft. In Leipzig zeigte er bislang nur selten, was er draufhat. Wie geht es weiter? Bei der U21-EM-Endrunde trifft Kluivert im Viertelfinale mit den Niederlanden auf Frankreich (18 Uhr im LIVETICKER).

Es war einer dieser Geniestreiche, die man sich in Leipzig häufiger von Justin Kluivert gewünscht hätte: Im vorletzten Saisonspiel gegen den VfL Wolfsburg verarbeitete der Niederländer einen langen, punktgenauen Pass von Teamkollege Marcel Sabitzer sehenswert, schickte Wölfe-Verteidiger Kevin Mbabu mit einer cleveren Schussfinte auf den Hosenboden, schob locker zum 1:2 aus RB-Sicht ein und vollendete somit sein technisches Meisterwerk.

Eine Woche später, beim Saisonfinale, umkurvte der 22-jährige Angreifer Unions Torhüter Andreas Luthe und steuerte seinen zweiten Treffer in Serie bei. Ein halbwegs versöhnlicher Abschluss einer schwierigen und zähen Spielzeit, an deren Ende die einigermaßen ernüchternde Bilanz von 29 Pflichtspieleinsätzen, vier Toren und nur einer Vorlage zu Buche steht.

Kluivert, der im März 2018 als Sieger aus der damaligen NXGN-Ausgabe von Goal hervorging, wollte im Oktober vergangenen Jahres seine etwas ins Stocken geratene Karriere in der Messestadt wieder in Fahrt bringen, wechselte auf Leihbasis von der AS Rom nach Leipzig. Schon zwei Jahre zuvor war der Sohn von Barcelona-Legende Patrick Kluivert bei den Sachsen vorstellig geworden, schließlich zog es ihn jedoch in die Ewige Stadt nach Italien. "Ich war tatsächlich vor zwei Jahren hier und habe mir die Trainingsanlage angesehen", verriet er im Februar 2021 im exklusiven Interview mit SPOX und Goal. Kluivert ergänzte: "Warum ich nicht damals schon herkam, kann ich nicht sagen."

Justin Kluivert über RB Leipzig: "Die perfekten Bedingungen für junge Spieler wie mich"

"Umso glücklicher" sei er aber nun, dass es im zweiten Anlauf mit einem Wechsel nach Leipzig geklappt habe, sagte Kluivert und schob nach: "Das Niveau ist sehr, sehr hoch, wir spielen in der Champions League und ganz oben in der Bundesliga mit. Das sind die perfekten Bedingungen für junge Spieler wie mich."

Bessere Bedingungen als in Rom, wo er nach seinem Wechsel von Ausbilderklub Ajax Amsterdam zunächst zu überzeugen wusste, im weiteren Verlauf seiner Schaffenszeit aber von Verletzungen und Formtiefs zurückgeworfen wurde. Eine Entwicklung, die Vater Patrick offensichtlich vorhergesehen hatte, empfahl der ehemalige Weltklasse-Stürmer seinem Filius doch seinerzeit, lieber noch mindestens ein Jahr in Amsterdam dranzuhängen.

"Im Endeffekt wollte mein Vater nur das Beste für mich", sagte Kluivert im SPOX-Interview. "Das seiner Meinung nach Beste für mich wäre vielleicht gewesen, noch ein Jahr bei Ajax zu bleiben. Es ist wichtig, sich anzuhören, was die Eltern denken. Aber es ist auch wichtig, auf sich selbst zu hören." Der Schritt zu den Giallorossi habe sich damals richtig angefühlt.

Und rückblickend? "Aus meiner Sicht war der Wechsel sehr hilfreich. Ich habe viele tolle Momente bei der Roma erlebt, musste aber auch das eine oder andere Tal durchschreiten. Das kannte ich bis dahin überhaupt nicht", erklärte er. Kluivert führte aus: "Ich hatte bei Ajax über Jahre hinweg fast immer nur positive Erfahrungen gemacht. Erstmals mit Unebenheiten konfrontiert zu werden, hat mich reifen lassen. Es war gut zu merken, dass es in einer Karriere nicht immer nur steil nach oben geht, sondern auch Tiefen dazugehören."

RB Leipzig: Justin Kluivert von Trainer Nagelsmann kritisiert

Besagtes Tal musste er zwischenzeitlich auch in Leipzig durchschreiten. Eine Wadenverletzung setzte ihn zum Jahreswechsel außer Gefecht, zudem schien Trainer Julian Nagelsmann in seinem System keine adäquate Position für den flinken, technisch versierten Außenbahnspieler anbieten zu können. In der Bundesliga kam Kluivert lediglich auf acht Startelf-Einsätze, vor des Gegners Tor ließ er ein ums andere Mal die nötige Kaltschnäuzigkeit vermissen, nur 33,3 Prozent seiner Großchancen mündeten in einem Treffer (Quelle: Opta).

In einem konkreten Fall wurde Kluiverts Schwäche sogar von Nagelsmann öffentlich kritisiert. Nachdem Kluivert gegen Eintracht Frankfurt eine gute Möglichkeit hatte liegenlassen, monierte der Übungsleiter: "Er lässt sich da sehr weit auf den Flügel abtreiben, obwohl er zentral einen freien Laufweg hat."

Nicht die erste Kritik des Trainers. "Es gab die Phase, als wir gegen Bayern München und Manchester United gespielt haben (Anfang Dezember, Kluivert traf in beiden Spielen einmal). Da haben wir den Kluivert gesehen, den wir uns erhofft haben. Leider war er dann wieder weg", sagte Nagelsmann Ende Februar und beklagte vor allem die Verletzungsanfälligkeit des Neuzugangs. "Ich sehe ihn sehr wenig im Training. Das ist auch das Problem. Er muss stabiler werden, was seinen Körper angeht."

Kluivert selbst gab sich im SPOX-Interview selbstkritisch und kämpferisch zugleich: "Ich weiß, dass ich in der Lage bin, noch mehr zu leisten. Nach meiner Verletzung möchte ich der Mannschaft für den Rest der Saison so gut es geht helfen", sagte er. Nagelsmanns Forderung nach mehr physischer Stabilität kam Kluivert zwar nach, zumeist fristete er aber dennoch ein Dasein als Reservist. Dementsprechend wollte sein Trainer sich Anfang des Jahres auch noch keine finale Entscheidung bezüglich Kluiverts Zukunft entlocken lassen.

Nagelsmann weg: Bleibt Kluivert langfristig bei RB Leipzig?

"Im Laufe der Rückrunde werden wir entscheiden, was wir machen, was er machen möchte, wie groß sein Einfluss war und ob es über die Saison hinaus weitergeht", sagte Nagelsmann. Kluivert, in dessen Leihvertrag keine Kaufoption verankert ist, würde gerne in Leipzig bleiben, das hat er immer wieder klargemacht. "Ja, das kann ich mir definitiv vorstellen, Aber die Entscheidung liegt am Ende nicht bei mir alleine", sagte er Goal und SPOX, im April legte er im Gespräch mit dem niederländischen Algemeen Dagblad nach: "Ich fühle mich hier gut. Ob ich bleiben will? Ja."

Zwölf Millionen Euro müssten die Roten Bullen laut kicker berappen, um Kluivert langfristig zu binden. Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen ohnehin geändert. Nagelsmann, der nur selten auf Kluiverts Dienste setzte, verabschiedet sich in Richtung München, unter Neu-Trainer Jesse Marsch könnte ein zweiter Anlauf gelingen. Wie der kicker berichtet, darf Kluivert sich aufgrund des Trainerwechsels tatsächlich Hoffnungen auf einen Verbleib machen. Marsch setze demnach auf Spielertypen wie ihn.

Zunächst dürfte Kluivert jedoch den Wunsch hegen, seine zuletzt ansteigende Formkurve auf die Finalrunde der U21-Europameisterschaft in Slowenien und Ungarn zu projizieren. Am kommenden Montag trifft er mit dem Oranje-Nachwuchs im Viertelfinale auf Mitfavorit Frankreich.

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