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Fussball

Ex-BVB-Profi Adrian Ramos im Interview: Klopp? "Mit Tuchel waren Spaß- und Lernfaktor größer"

 

Adrian Ramos über Tuchel: "Kann Dinge sagen, die wehtun"

Wie war Ihr persönliches Verhältnis zu ihm?

Ramos: Super. Er wollte mich zu Hertha-Zeiten schon nach Mainz holen. Deshalb waren wir direkt auf einer Wellenlänge.

Andere Spieler sollen nicht so gut mit Tuchel ausgekommen sein.

Ramos: Thomas ist ein Fußballbesessener, der vor allem im taktischen Bereich extrem hohe Anforderungen an seine Spieler stellt. Wer diesen Anforderungen nicht gerecht wird, hat ein Problem. Dann kann Thomas sehr schnell sehr laut werden und manchmal auch Dinge sagen, die wehtun. Dass sich der eine oder andere in diesem Geschäft dann schnell auf den Schlips getreten fühlt, ist leider normal. Ich hatte aber nie das Gefühl, als würde er mit seiner Kritik jemanden persönlich angreifen wollen. Ich bin gut mit seiner Art zurechtgekommen. Andere nicht. Eines ist für mich aber klar: Sollte ich eines Tages Trainer werden, dann werde ich sicher nicht so viel brüllen wie Thomas. (lacht)

So gerne Sie auch unter Tuchel arbeiteten: In seiner zweiten Saison setzte er Sie kaum noch ein.

Ramos: Aubameyang war so sensationell, ich konnte gar nicht sauer auf den Trainer sein. Aber ich bin natürlich auch kein Profi, der sich mit der Bank zufriedengibt.

Die Folge: Sie unterschrieben in der Winterpause bei Chongqing Dangdai Lifan aus China, ließen sich aber zunächst noch für ein halbes Jahr nach Granada ausleihen.

Ramos: Die Besitzer des chinesischen Vereins waren gleichzeitig die Hauptanteilseigner beim FC Granada. Dadurch hatte sich die Gelegenheit ergeben, nach Granada zu wechseln. Das war mir auch lieber so.

Adrian Ramos über BVB-Abschied: "China die einzige Option"

Heißt, Sie wollten von Anfang an nicht nach China?

Ramos: So ist es. Doch der BVB hat damals auf eine Ablösesumme bestanden, eine Leihe war keine Option. Und jetzt beantworten Sie mir mal folgende Frage: Welcher europäische Verein will im Winter zwölf Millionen Euro für einen Spieler bezahlen, der so gut wie nie zum Einsatz kommt?

Keiner.

Ramos: Richtig. China war die einzige Option. Dabei wäre ich am liebsten in Deutschland geblieben. Einige Bundesligisten waren an einer Leihe interessiert, es gab auch Anfragen aus anderen europäischen Spitzenligen. Aber Borussia Dortmund wollte da nicht mitmachen.

Immerhin wurde aus der Zwischenstation Granada eine Dauerstation. Sie bestritten letztlich kein einziges Spiel für die Chinesen.

Ramos: Alles andere hätte für meine Familie und mich keinen Sinn gemacht. Aus privater Sicht hatten wir in Granada eine sehr schöne Zeit. Gutes Wetter, gutes Essen, man war schnell am Meer.

Und wie lief es sportlich?

Ramos: Naja. Wenn ich ehrlich bin, habe ich dort nicht ansatzweise mein Potenzial abgerufen. 16 Tore in 88 Spielen - das ist Durchschnitt. Und ich wollte nicht in der Liga Durchschnitt sein, in der ich vor meinem Wechsel nach Deutschland unbedingt spielen wollte.

Glauben Sie, die BVB-Bosse haben Ihnen die letzten Jahre Ihrer Karriere durch die verwehrte Bundesliga-Leihe ein wenig verbockt?

Ramos: Nein, wir sind auch freundschaftlich und ohne Groll auseinander gegangen. Das ist halt Fußball, ein hartes Geschäft, in dem es um viele Millionen geht. Als Spieler musst du damit klarkommen, dass nicht immer alles nach deinen Vorstellungen verläuft. Ich bin sehr dankbar für alles, was ich in meiner Karriere erlebt habe. Besonders die Zeit in Deutschland war wunderbar.

Adrian Ramos über Reus: "Ein wahrer Kapitän"

An welchen Mitspieler in Dortmund denken Sie besonders gerne zurück?

Ramos: Wir hatten sehr viele talentierte Jungs und tolle Persönlichkeiten im Team. Marco Reus zum Beispiel, der war mein Nachbar und daher auch privat immer ein wichtiger Ansprechpartner. Ein wahrer Kapitän. Und ein klasse Fußballer.

Einige Beobachter sehen Reus kritisch. Der allgemeine Vorwurf: Er bringe keine Führungsqualitäten mit.

Ramos: Dieser Meinung können nur Leute sein, die Marco nicht kennen. Er spricht und hilft seinen Mitspielern, gerade den jungen. Dazu identifiziert er sich mit dem Verein und der Stadt. Ist er kein guter Kapitän, weil er weniger schreit als der Prototyp eines Kapitäns? Auch ein stiller Anführer ist ein Anführer. Das gilt für Marco ebenso wie für andere Typen wie Schmelle, Piszczu oder Hummels. Die waren und sind immens wichtige Stützen in der Kabine. Wer das Gegenteil behauptet, liegt falsch.

Der BVB gilt eben als emotionaler Klub. Auch deshalb schienen einige Fans und Verantwortliche nie mit Lucien Favre warm zu werden.

Ramos: Der Erfolg einer Mannschaft hängt nicht in erster Linie von den Charaktereigenschaften ihres Trainers ab. In sich gekehrte, weniger emotionale Trainer können ebenso erfolgreich sein wie Mentalitätsmonster. Das beste Beispiel ist Carlo Ancelotti. Der ist die Ruhe selbst und hat in seiner Trainerlaufbahn alles gewonnen. Warum? Weil in erster Linie die fachlichen Kenntnisse zählen. Die hat Herr Ancelotti. Die hat auch Herr Favre, der dazu noch ein sehr warmherziger Mensch ist. Ich frage mich, wie man so jemanden nicht mögen kann.

Adrian Ramos im Steckbrief

NameGustavo Adrian Ramos Vasquez
Geburtsdatum/-ort22. Januar 1986 in Santander de Quilichao
Größe1,85 m
Gewicht75 kg
PositionSturm
starker Fußrechts
Spiele/Tore/Vorlagen (Klubebene)385/116/55
Spiele/Tore/Vorlagen (Nationalelf)37/4/3
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