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Fussball

5 Thesen zum 22. Bundesliga-Spieltag: Bayerns Horrorstatistik und ein Überraschungskandidat für Jogi Löw

Von Stefan Rommel
Marco Rose soll den Gladbachern noch bis Saisonende erhalten bleiben - eigentlich.

Die Borussia fällt ins Mittelmaß ab und die Trainerdebatten schwelen weiter. Frankfurt freut sich über einen potenziellen EM-Kandidaten, die Bayern bleiben lernresistent. Und Mainz? Hat trotz aller Kritik die richtige Entscheidung getroffen. Fünf Thesen zum 22. Spieltag der Bundesliga.

1. Deutschland hat keine Dribbler? Deutschland hat Amin Younes!

Da war der Bundestrainer dann doch mal zur rechten Zeit am rechten Ort. In der vergangenen hatte Joachim Löw die Partie von Leverkusen gegen Mainz noch aufgrund einer Autopanne verpasst. Am Samstag schaffte er es dann rechtzeitig ins Frankfurter Waldstadion und bekam dort eine der besten Spielereinzelleistungen dieser Saison zu sehen.

Wie Amin Younes den großen FC Bayern eine Halbzeit lang förmlich auseinander schraubte, war atemberaubend (die Highlights im Video!). Gegen Younes' Dribblings, seine flinken Haken und die schnellen Gedanken schauten Bayerns Verteidiger phasenweise aus wie C-Schüler. Den ersten Treffer leitete Younes mit einem der Pässe dieser Saison ein, beim zweiten zielte er mit etwas Glück - der Ball rutschte leicht vom Spann - direkt in den Winkel.

Vielleicht hat Joachim Löw auf der Tribüne ja schon darüber nachgedacht, was er selbst im Nachgang des WM-Desasters von Russland formuliert hatte und mittlerweile auch Konsens im deutschen Fußball scheint: Es fehlen die starken Entscheider auf dem Platz, die in einem Eins-gegen-Eins auch mal die hervorragenden Defensivstrategien der Gegner aufbrechen können. Löw sah Leroy Sane in Frankfurt, der als große Hoffnung in diesem Bereich gilt. Und er sah Younes, der in dieser Form definitiv ein ernstzunehmender Kandidat ist für die Europameisterschaft im Sommer.

2. Warum Mainz über den Mateta-Abgang glücklich sein kann

Es war ein ziemliches Getöse, als Mainz in der Transferperiode im Winter seinen Torjäger Jean-Philippe Mateta ziehen ließ. Mit sieben Treffern war der Franzose mit weitem Abstand gefährlichster Angreifer der Mainzer und so etwas wie ein vermeintlicher Hoffnungsschimmer im beinahe aussichtslosen Kampf gegen den Abstieg. Entsprechend kritisch wurde die Entscheidung damals kommentiert.

Allerdings haben die Verantwortlichen mit der Wahl von Bo Svensson als neuen Trainer und auch der freiwilligen Demission Matetas die richtige und einzig logische Entscheidung getroffen. Mainz kann sich nur mit Mainz-Fußball und der nötigen Mainz-Mentalität in der Liga halten. Für beides stand Mateta definitiv nicht - im Gegenteil: Er galt als Ego-Zocker und als einer derjenigen, die fürs Teamgefüge nicht gerade förderlich sind. Bei Matetas letztem Spiel gegen Frankfurt lag Mainz mit sechs Punkten abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz.

In den sieben Spielen danach holte Mainz elf Punkte und schaffte damit den Anschluss nicht nur an den Relegationsplatz 16, sondern sogar auf die rettenden Plätze darüber. Es wäre das erste Mal in der langen Geschichte der Liga, dass eine Mannschaft mit nur sieben Punkten nach der Hinserie doch noch die Klasse hält - und Mainz arbeitet mit Hochdruck an diesem kleinen Wunder.

3. Sogar Barca wollte ihn: Wolfsburgs heimlicher Königstransfer

Vor drei Jahren soll der große FC Barcelona hinter ihm her gewesen sein, ein Wechsel des damals 17-Jährigen zu Barca kam aber nicht zu Stande. Also blieb Maxence Lacroix in Sochaux und entwickelte sich dort in aller Ruhe weiter. Im Sommer wagte der Franzose dann doch den frühen Schritt hinaus aus der Ligue 2, landete in Wolfsburg - und gilt nun neben Ridle Baku als absoluter Top-Transfer der Wölfe.

Auf Anhieb schaffte Lacroix den Sprung in die Bundesliga und in die Stammelf, bestritt seit dem dritten Spieltag abgesehen von einer verpassten Partie wegen den Nachwehen einer Corona-Erkrankung alle Spiele und entpuppte sich als absolut überragender Einkauf. Lacroix ist groß, robust, schnell, macht kaum Fehler in der Defensive und überzeugt mit erstaunlich feinen Offensivakzenten.

Als einer der wenigen Innenverteidiger der Liga hat Lacroix keine Angst, auch bis tief in die gegnerische Hälfte anzudribbeln, der erste Impuls nach einem Ballgewinn ist bei ihm immer nach vorne gerichtet. Das setzt den Gegner schon mit den ersten Aktionen sofort wieder unter Druck und passt so hervorragend zur Spielidee von Trainer Oliver Glasner. Lacroix ist jetzt schon eine der Entdeckungen dieser Saison, wenngleich er in Wolfsburg und als Innenverteidiger nie so sehr im Rampenlicht steht wie andere.

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