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Fussball

Gladbachs Co-Trainer Alexander Zickler im Interview: "Meine WG mit Marco Rose funktioniert top"

Alexander Zickler und Marco Rose wohnten bereits in der Nähe von Mönchengladbach in einer WG.

 

Zickler: "Sie konnten die Hassbekundungen nicht einordnen"

2005 wechselten Sie nach Salzburg, wo sie anschließend fast 15 Jahre verbrachten. Beim Abschied sind die Tränen geflossen. Warum ist Ihnen der Klub so sehr ans Herzen gewachsen?

Zickler: Ich hatte eine wunderbare Zeit als Spieler und Trainer, aber auch als Privatmensch. Ich habe in Salzburg zum zweiten Mal geheiratet, meine Familie lebt immer noch dort und meine Kinder sind große Salzburg-Fans. Ich fühle mich emotional mit der Stadt und dem Klub verbunden. Bei meinem Abschied sind alle Gefühle zusammengekommen. Einerseits die Erinnerungen an die Vergangenheit; andererseits die Aussichten auf die Zukunft, die spannende neue Aufgabe, aber auch die damit einhergehende Trennung von meiner Familie. Dann ist alles aus mir rausgebrochen.

Wegen des Investments von Red Bull ist Salzburg ein äußerst polarisierender Klub und für viele gegnerische Fans ein Feindbild. Wie gehen Ihre Kinder, die Sie große Salzburg-Fans nennen, damit um?

Zickler: Als sie noch klein waren und zu meinen Spielen mitgekommen sind, haben Sie die Hassbekundungen der gegnerischen Fans natürlich wahrgenommen. Sie konnten das nicht einordnen, also habe ich versucht, es ihnen kindgerecht zu erklären.

Wie haben sie das gemacht?

Zickler: Ich habe ihnen gesagt, dass RB Salzburg ein neuer Verein ist und es mit Dietrich Mateschitz einen Menschen gibt, der neue Möglichkeiten geschaffen hat und deshalb gute Spieler kaufen kann. Das dürfe man natürlich negativ sehen, muss man aber nicht.

Sie haben das Engagement von Red Bull in Salzburg von Beginn an miterlebt. Der Investor hat Logo, Name und Farbe von Austria Salzburg geändert, woraufhin viele ehemalige Fans dem Klub den Rücken gekehrt haben. Konnten Sie das nachvollziehen?

Zickler: Ich bin bei Dynamo Dresden groß geworden, einem riesigen Traditionsverein. Natürlich konnte ich die Bedenken der Fans generell nachvollziehen. Ich konnte aber nicht verstehen, warum man sich geweigert hat, miteinander zu sprechen und Kompromisse zu finden. Das war leider bei vielen Fans der Fall. Aus meiner Sicht sollte man einem Neustart immer eine Chance geben - und der Neustart in Salzburg war immerhin mit der Aussicht auf attraktiven Fußball und Titel verbunden.

Wie haben Sie Dietrich Mateschitz persönlich kennengelernt?

Zickler: Er macht nie halbe Sachen. Wenn er etwas angeht, dann richtig. Er hat in Salzburg nicht nur sportlich, sondern auch infrastrukturell etwas aufgebaut. Viele Menschen sehen nicht, was Mateschitz im Hintergrund macht. Ich finde es schade, dass das untergeht.

Zickler: "Salzburg zu trainieren, wäre ein Traum"

Im Sommer 2006 war Hansi Flick ein paar Wochen lang Co-Trainer von Giovanni Trapattoni in Salzburg, ehe er in Joachim Löws Trainerstab bei der deutschen Nationalmannschaft wechselte. Wie haben Sie die Zeit mit ihm in Erinnerung?

Zickler: Ich habe die paar Wochen mit Hansi extrem genossen. Er ist ein feiner Mensch, mit dem man sich sehr gut über Fußball, aber auch das Leben an sich unterhalten kann. Taktisches Wissen ist als Trainer natürlich auch wichtig, aber die Wichtigkeit der Menschenführung wird oft unterschätzt. Das ist Hansis große Stärke und davon profitiert er jetzt beim FC Bayern. Dort geht es nicht darum, Spielern fußballerische Details beizubringen, sondern eine Mannschaft zu formen und zu führen. Das macht er überragend.

Flick wurde mit 54 Jahren erstmals Cheftrainer auf höchstem Niveau. Sie sind mittlerweile 46. Können Sie auch so lange warten?

Zickler: Aktuell habe ich das Gefühl, dass ich mich in meiner Rolle als Co-Trainer noch weiterentwickle und dazulerne. Solange das der Fall ist, gibt es für mich keinen Grund, etwas daran zu ändern. Ich kann es mir aber schon vorstellen, später Cheftrainer zu werden.

Bei RB Salzburg?

Zickler: Salzburg zu trainieren, wäre ein Traum. Ich fühle mich wohl in der Stadt, kenne und schätze viele Leute im Klub und meine Familie wohnt dort.

Zeitgleich mit Flick stieß einst auch Lothar Matthäus ins Trainerteam von Trapattoni. Wie haben Sie das Zusammenspiel dieser beiden großen Persönlichkeiten erlebt?

Zickler: Da sind zwei Alphatiere aufeinandergeprallt. Beide leben den Fußball und haben klare Meinungen, Trapattoni hatte als Cheftrainer damals aber das Sagen. Ich habe gespürt, dass Lothar einige Sachen gerne anders gemacht hätte. Deswegen ist er dann auch bald gegangen. Lothar tut sich in der zweiten Reihe schwer. Er steht lieber in der ersten Reihe und geht voran.

Sie kannten Matthäus schon aus Spielerzeiten, haben von 1993 bis 2000 mit ihm beim FC Bayern zusammengespielt.

Zickler: Ich bin damals mit 18 Jahren allein zum FC Bayern gekommen und Lothar hat sich mir gemeinsam mit Raimond Aumann, Thomas Helmer und Christian Ziege direkt angenommen. Sie haben mir das Gefühl gegeben, dass sich um mich gekümmert wird.

Wie haben sie das bewerkstelligt?

Zickler: Thomas hat mich eine Zeit lang jeden Tag zum Frühstück eingeladen. Während ich die Semmeln holte, bereitete er alles andere vor. Nach dem Training hat mich Lothar oft in die Stadt mitgenommen und in das Münchner Leben eingeführt. Wir sind auch oft nach Starnberg rausgefahren und dort in den Biergarten gegangen. Für die Abendplanung war Christian zuständig, mit dem ich auch jahrelang das Zimmer bei den Auswärtsfahren geteilt habe. Mit ihm habe ich viele Nächte genossen: Erst in die Bar, dann weiter in die Disco. So wie man es halt macht.

CL-Finale 1999? "Wie aus dem Nichts entstand eine geile Party"

Sie haben mal erzählt, dass die schönste Party Ihres Lebens die nach dem so dramatisch verlorenen Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United war. Wie konnte das passieren?

Zickler: Die erste Stunde beim Bankett nach dem Spiel war extrem ruhig, dann sind die ersten aufs Zimmer gegangen. Irgendwann hat der DJ die Musik lauter gedreht und die richtigen Lieder aufgelegt. Wie aus dem Nichts setzte ein Stimmungsumschwung ein und es entstand eine geile Party. Wir haben beschlossen, uns und eine eigentlich geile Saison mit dem Meistertitel und dem Einzug ins Champions-League-Finale zu feiern. Dadurch hat sich ein ganz besonderer Zusammenhalt entwickelt, der uns in den darauffolgenden Monaten und Jahren sehr geholfen hat.

Wer hat an diesem Abend als erster vom Frust- in den Party-Modus umgeschaltet?

Zickler: Damals stand Mario Basler in der Mannschaft. Der findet immer einen Weg, so etwas zum Laufen zu bringen.

Und wie war die Party nach dem Titelgewinn zwei Jahre später?

Zickler: Das war auch eine ganz schöne Feier, aber bei weitem nicht so schön wie in Barcelona. Der Saisonendspurt mit der knappen Entscheidung in der Bundesliga und dem Elfmeterschießen im Champions-League-Finale war extrem kräftezehrend. Ich und viele andere Spieler waren nach dem Abpfiff einfach komplett leer.

Also 2001 komplett leer und 1999 komplett voll?

Zickler: Ja, so ungefähr.

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