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Fussball

Zeit der Geisterspiele scheint vorbei: Klubs planen Zuschauer-Rückkehr

SID

In der Frage einer Zuschauer-Rückkehr in die Fußball-Stadien könnten die kommenden Tage entscheidend sein. Auf die DFL-Versammlung und den DFB-Pokal kommt es an.

RB Leipzig als "Dosenöffner" für die Fans: Ausgerechnet der von vielen Anhängern als Retortenklub verspottete Fußball-Bundesligist will den Weg für eine Zuschauer-Rückkehr ebnen. Die Sachsen planen für ihren Liga-Auftakt am 20. September gegen den FSV Mainz 05 mit 8400 Besuchern und haben für ihr Vorhaben bereits die Freigabe des Gesundheitsamtes erhalten. Durch dieses Vorpreschen erhöht RB vor der Versammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) am Donnerstag den Druck.

Da neben dem Halbfinalisten der Champions League auch zahlreiche andere Vereine intensiv eine Zuschauer-Rückkehr je nach den regionalen Verordnungen planen, scheint eine Entscheidung der 36 Profiklubs mit Blick auf ein Ende der Geisterspiele trotz der Corona-Pandemie unausweichlich. Bekannt sind die Vorhaben von Eintracht Frankfurt, dem VfL Wolfsburg, Hertha BSC, Union Berlin und dem VfL Osnabrück.

Schon im Pokal sollen erste Fakten geschaffen werden. Nach dem grünen Licht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bereiten einige Klubs ein Besucher-Comeback für die 1. Hauptrunde (11. bis 14. September) vor und befinden sich deshalb in Gesprächen mit den zuständigen Behörden. So möchten unter anderem Mainz sowie die Drittligisten Dynamo Dresden und Hansa Rostock bei ihren Partien eine gewisse Anzahl von Fans zulassen.

Die Vereine reagieren damit auf die DFB-Entscheidung vom Montag. Der Verband hatte beschlossen, dass sich im Pokal, der 3. Liga und der Frauen-Bundesliga "Zulassung und Zahl" der Zuschauer "nach den regionalen Verfügungslagen" richten müssen und "von jedem Klub mit den zuständigen Gesundheitsbehörden individuell vor Ort abgestimmt" werden sollen.

Schmadtke warnt bereits vor Wettbewerbsverzerrungen

Ob ein Plan wie der Leipziger von der Mehrheit der Profiklubs unterstützt wird, ist offen. Der Wolfsburger Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke warnt bereits vor Wettbewerbsverzerrungen. "Es ist schon ein Unterschied, ob ein Verein 10.000 oder 15.000 Zuschauer im Stadion hat und andere Klubs 500. Dann ist eine Wettbewerbsgleichheit nicht mehr so gegeben", sagte Schmadtke dem Sportbuzzer. Daher sei es wichtig, "darüber mit der DFL im Verbund" zu sprechen: "Wir reden immer davon, dass der Wettbewerb geschützt werden muss."

Am vergangenen Donnerstag hatten der Bund und die Länder beschlossen, bis mindestens Ende Oktober keine Zuschauer im Profisport zu erlauben. Großveranstaltungen, bei denen die Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregeln nicht möglich sind, bleiben sogar mindestens bis Jahresende untersagt. Von diesem Beschluss wurden die Bundesliga und alle weiteren bundesweiten Sportveranstaltungen allerdings ausgenommen.

Diese Entscheidung ohne konkrete Regelung ermöglicht einen großen Interpretations-Spielraum. Da die DFL Pläne zur Kontaktverfolgung und Hygieneregelungen erarbeitet hat, sieht der Ligaverband eine Chance für die Zuschauer-Rückkehr. Obwohl eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien ihren endgültigen Vorschlag erst Ende Oktober präsentieren soll, könnten deshalb tatsächlich vorher wieder Besucher zu den Liga-Spielen kommen.

Supercup zwischen Bayern und Sevilla mit 20.000 Zuschauern?

Der Profifußball sieht sich jedenfalls gerüstet. Das Zuschauer-Protokoll sieht keine Stehplätze und keinen Alkohol bis Ende Oktober, den Verzicht auf Gästefans bis Jahresende und die Sammlung sämtlicher Kontaktdaten vor. Auch das überarbeitete Hygienekonzept rund um den Spielbetrieb, das eine Gliederung in drei Stufen der Pandemie-Aktivität vorsieht, muss nur noch von den Vereinen am Donnerstag abgesegnet werden.

Mehr Probleme hat dagegen die Europäische Fußball-Union (UEFA) mit ihrem als "Pilotprojekt" ausgerufenen Supercup. Da Ungarn die Grenzen geschlossen hat, stehen Fragezeichen hinter dem Plan rund um die Partie zwischen Champions-League-Gewinner Bayern München und dem spanischen Europa-League-Titelträger FC Sevilla. Rund 20.000 Zuschauer, davon 3000 Fans jeder Mannschaft, sollen am 24. September in die Budapester Arena dürfen.

Die UEFA teilte auf SID-Anfrage mit, dass sie "eng mit dem ungarischen Fußballverband und seiner Regierung" zusammenarbeite, "um Maßnahmen umzusetzen, die die Gesundheit aller Zuschauer und Teilnehmer des Spiels gewährleisten".

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